Beim sechsten Tag der Seniorenzahnmedizin der Zahnärztekammer Nordrhein diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis, Pflege und Politik aktuelle Entwicklungen der Mundgesundheit älterer Menschen – von Prävention und Versorgungskonzepten bis hin zu den Chancen der künstlichen Intelligenz.
Der demografische Wandel stellt die Zahnmedizin vor neue Aufgaben. Beim sechsten Tag der Seniorenzahnmedizin der Zahnärztekammer Nordrhein diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis, Pflege und Politik aktuelle Entwicklungen der Mundgesundheit älterer Menschen – von Prävention und Versorgungskonzepten bis hin zu den Chancen der künstlichen Intelligenz.
Die Ergebnisse der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudien zeigen deutlich, wie sich die Situation älterer Menschen verändert. Einige zentrale Entwicklungen wurden beim Kongress besonders hervorgehoben:
Die Daten zeigen: Die Mundgesundheit älterer Menschen hat sich insgesamt verbessert – gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen für Prävention und Versorgung.
Am 7. März 2026 fand der sechste Tag der Seniorenzahnmedizin der Zahnärztekammer Nordrhein statt. Die Veranstaltung brachte Zahnärztinnen und Zahnärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen aus Politik und Pflege zusammen, um aktuelle Herausforderungen der Versorgung älterer Menschen zu diskutieren. Moderiert wurde der Spezialthementag von Dr. Erling Burk, Mitglied des Vorstands der Zahnärztekammer Nordrhein. Die Veranstaltungsreihe wurde 2019 ins Leben gerufen, um der Alterszahnmedizin mehr Aufmerksamkeit zu widmen und den fachlichen Austausch zu fördern.
Ein politisches Grußwort sprach Meral Thoms, gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag. Sie betonte, dass der demografische Wandel längst auch die Gesundheitspolitik erreicht habe und die Mundgesundheit älterer Menschen künftig stärker berücksichtigt wer den müsse. Besonders hob sie die große Rolle der häuslichen Pflege hervor, die häufig von Angehörigen geleistet werde. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin, Pflege und Angehörigen sei deshalb entscheidend. Dabei betonte Thoms auch die Bedeutung persönlicher Erfahrungen. Sie berichtete, dass sie selbst ihre Mutter mit Pflegegrad IV begleitet und dadurch einen unmittelbaren Einblick in die Herausforderungen der häuslichen Pflege erhalten würde.
Den Auftakt machte Dr. Ralf Hausweiler, Präsident der Zahnärztekammer Nordrhein und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Er stellte zentrale Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie vor und betonte: Ältere Menschen behalten heute deutlich mehr eigene Zähne als frühere Generationen – damit verändern sich auch die zahnmedizinischen Herausforderungen zum Beispiel bei veränderten Befunden wie zunehmender Wurzelkaries oder komplexer implantatgetragener Versorgungen im Alter. Als Praxis steht man vor komplexeren Lösungsansätzen, es braucht einen Plan B.“
Mehr als achtzig Prozent der älteren Menschen werden im häuslichen Umfeld versorgt, häufig durch Angehörige. In der oft belastenden Situation der häuslichen Pflege gerät die Mundhygiene jedoch nicht selten in den Hintergrund. Er verwies auf das auf Initiative der Bundeszahnärztekammer entstandene „Handbuch der Mundhygiene“.
Einen wissenschaftlichen Überblick über die Entwicklung der Mundgesundheit älterer Menschen gab Prof. Dr. Andreas Rainer Jordan. Seine Auswertung der Deutschen Mundgesundheitsstudien zeigt, dass sich das Erkrankungsspektrum im Alter zunehmend verändert. Während klassische Kronenkaries rückläufig ist, gewinnt insbesondere Wurzelkaries an Bedeutung. Gleichzeitig bleibt Parodontitis eine der zentralen Herausforderungen der Mundgesundheit im höheren Lebensalter.
Präventive Maßnahmen und gesundheitsbewusstes Verhalten spielen daher eine entscheidende Rolle für eine langfristige orale Gesundheit. Darüber hinaus beleuchtete Jordan auch funktionelle Aspekte der zahnmedizinischen Versorgung. Dazu gehören unter anderem das Trageverhalten von Zahnersatz, die klinische Qualität von Prothesen sowie die zahnmedizinische funktionelle Kapazität älterer Menschen. Ebenso spielt die sogenannte Kontrollüberzeugung eine Rolle – also die Frage, inwieweit Patientinnen und Patienten davon überzeugt sind, selbst aktiv zu ihrer Mundgesundheit beitragen zu können.
Dr. Dirk Bleiel zeigte praxisnahe Ansätze für die Behandlung älterer Patientinnen und Patienten und betonte die Bedeutung einer strukturierten Befunderhebung sowie der aufsuchenden Versorgung. Moderne mobile Dentaleinheiten ermöglichen es heute, auch komplexere zahnmedizinische Maßnahmen im häuslichen Umfeld oder in Pflegeeinrichtungen durchzuführen.
Dr. Dr. Wolfgang Schmüdderich erläuterte implantologische Versorgungsmöglichkeiten im höheren Lebensalter. Dabei stellte er sowohl grundlegende Aspekte der Implantatversorgung als auch aktuelle Herausforderungen in der Behandlung periimplantärer Entzündungen vor. Abnehmbare (herausnehmbare) Brücken, oft als Teleskopbrücken realisiert, sind eine ästhetische, hygienische und erweiterbare Form des Zahnersatzes. Sie sind vom Patienten selbstständig oder vom Pflegepersonal (pflegende Angehörige) zur Reinigung herausnehmbar. Die Perspektive der Pflege brachte Kristina Engelen (Vorstand Pflegekammer NRW) ein, die die wichtige Rolle der Pflegekräfte für die Mundgesundheit älterer Menschen hervorhob. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizin und Pflege sei deshalb entscheidend.
Einen Blick in die Zukunft der Zahnmedizin warf Prof. Dr. Falk Schwendicke, der den Einsatz von künstlicher Intelligenz in Diagnostik und Therapieplanung vorstellte.
Der Tag der Seniorenzahnmedizin machte deutlich:
Text: Manuela Hannen und Saskia Junge-Schmitz, ZÄK Nordrhein; veröffentlicht im RZB 04/2026