Die Zahnärztekammern und KZVen in Nordrhein-Westfalen fordern eine Befassung mit ernährungsbedingten Erkrankungen der Mund- und Zahngesundheit im Fach Ernährungslehre für die gymnasiale Oberstufe an Gymnasium und Gesamtschule.
Stellungnahme zum Kernlehrplan für die gymnasiale Oberstufe an Gymnasium und Gesamtschule – Durchführung der Verbändebeteiligung gem. § 77 Abs. 3 SchulG
Sehr geehrte Damen und Herren,
zu den Kernlehrplänen im Fach Ernährungslehre Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen nehmen wir wie folgt Stellung:
Die Zahnärztekammer Nordrhein und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Nordrhein begrüßen, dass die Ernährungslehre und damit Gesundheitsprävention durch eigene Lehrpläne einen großen Stellenwert in der schulischen Gesundheitsbildung in Nordrhein-Westfalen einnehmen. Die veränderten Ernährungsgewohnheiten und steigenden ernährungsmitbedingten Erkrankungen sind eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Eine umfassende Gesundheitsbildung und Ernährungslehre bilden daher wesentliche Eckpfeiler, um die Gesundheitskompetenz zu stärken und somit ernährungsmitbedingten Erkrankungen entgegenzuwirken.
Aus zahnmedizinischer Sicht ist es wichtig, wie im Lehrplan vorgesehen, sowohl Funktionen und Physiologie der energieliefernden Nährstoffe als auch die Pathophysiologie der Ernährung anhand konkreter ernährungsbedingter Volkskrankheiten im Unterricht zu behandeln. Dabei sieht der Lehrplan die Bearbeitung relevanter ernährungsbedingter pandemischer Krankheiten wie des metabolischen Syndroms und der nichtalkoholischen (sowie im Leistungskurs auch der alkoholischen) Fettleber vor. Die zentralen ernährungsbedingten Erkrankungen der Mund- und Zahngesundheit finden jedoch keinerlei Berücksichtigung im Lehrplan. Dies halten wir für falsch.
Die Mund- und Zahngesundheit ist essenziell für die allgemeine Gesundheit und wird wesentlich durch die Ernährung beeinflusst. Fehlernährungen zeigen sich oftmals zuerst bei der Mund- und Zahngesundheit und können sich sowohl auf die Zahnhartsubstanz (Karies) als auch auf die Strukturen des Zahnhalteapparates (Parodontitis, Gingivitis) negativ auswirken.
Die Parodontitis hat in den vergangenen Jahren in der Wissenschaft viel Aufmerksamkeit erfahren, da diese in enger Wechselwirkung mit zentralen Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Herz-Kreislauferkrankungen steht. So können die chronischen Entzündungen im Mundraum den gesamten Stoffwechsel negativ beeinflussen.
Parodontitis und Diabetes mellitus gehören zu den häufigsten chronischen ernährungsmitbedingten Erkrankungen in Deutschland: Rund 9,1 Millionen Menschen leben mit Diabetes, etwa 14 Millionen sind von schwerer Parodontitis betroffen. Aufgrund der pandemischen Ausbreitung, den gesundheitlichen Folgen sowie auch den Folgekosten für das Gesundheitssystem und die Gesamtwirtschaft müssen diese vermeidbaren Erkrankungen noch stärker im Fokus der Ernährungslehre stehen. Eine fehlende Befassung mit ernährungsbedingten Erkrankungen der Mund- und Zahngesundheit im Fach Ernährungslehre ist vor diesem Hintergrund fatal.
Im Lehrplan der Sekundarstufe II (Inhaltsfeld Pathophysiologie der Ernährung) müssen daher ernährungsbedingte Erkrankungen der Mund- und Zahngesundheit berücksichtigt werden.
Dabei sollten Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II:
Im Sinne einer präventionsorientierten Ernährungs- und Gesundheitslehre bitten wir um eine entsprechende Berücksichtigung der Inhalte in dem Lehrplan für die Sekundarstufe II Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen und stehen für Rückfragen oder weitergehende Informationen jederzeit gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ralf Hausweiler, Präsident der Zahnärztekammer Nordrhein
ZA Andreas Kruschwitz, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein
Dr. Gordan Sistig, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe
Dr. Holger Seib, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe