Fachwissen ist wichtig – aber gerade am Anfang braucht es oft mehr: jemanden, der zuhört, Erfahrungen teilt und Orientierung gibt. Im Interview erzählt YDA-Mentor Dominik Skoljarev, welche Fragen junge Zahnärztinnen und Zahnärzte wirklich beschäftigen, warum ein starkes Netzwerk den Berufseinstieg leichter macht und was Mentoring leisten kann, wenn der Praxisalltag plötzlich ganz neue Herausforderungen stellt.
Interview mit Mentor Dominik Skoljarev zur Young Dental Academy
Eine der größten Herausforderungen zu Beginn ist aus meiner Sicht die fehlende Vernetzung. Zwar hat man durch das Studium ein Umfeld aus Kommilitoninnen und Kommilitonen, diese stehen jedoch häufig vor denselben offenen Fragen und haben selbst noch wenig Orientierung für den weiteren Berufsweg.
Gerade am Anfang braucht es deshalb verlässliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, die bei wichtigen Themen unterstützen: etwa bei Gehaltsverhandlungen, Fragen zum Urlaubsanspruch oder bei der Auswahl der passenden Praxis. Dabei geht es nicht nur um fachliche Kriterien, sondern auch um sehr individuelle Faktoren: Möchte ich im Schichtdienst arbeiten? Wie weit bin ich bereit zu pendeln? Welches Gehalt benötige ich? Passt eher eine große oder eine kleinere Praxis zu mir? Diese Fragen sind entscheidend, um den richtigen Einstieg in den Praxisalltag zu finden.
Fachlich sind wir durch die Universität vor allem theoretisch gut vorbereitet. Die eigentliche praktische Routine entwickelt sich jedoch erst in den ersten Monaten und Jahren im Berufsleben. Gerade diese Anfangszeit kann herausfordernd und mitunter frustrierend sein.
Deshalb ist es besonders wertvoll, jemanden an der Seite zu haben, der sich Zeit nimmt, Abläufe erklärt, Fragen beantwortet und typische Unsicherheiten auffängt. Berufsanfängerinnen und Berufsanfänger erleben in vielen Branchen ähnliche Situationen – ob in der Zahnmedizin, in der Humanmedizin oder im Handwerk. Selbstzweifel, anstrengende Tage und das Gefühl, noch nicht alles zu können, sind am Anfang völlig normal. Das zu verstehen, ist für junge Kolleginnen und Kollegen, die mit viel Energie und Motivation starten, ein wichtiger Schritt.
Viele Fragen ähneln sich und drehen sich weniger um rein fachliche Themen, sondern vor allem um den Berufseinstieg und die konkrete Arbeitssituation in den Praxen. Häufig geht es um Gehälter, Arbeitsbedingungen oder darum, welche Behandlungen junge Zahnärztinnen und Zahnärzte in ihrer Praxis bereits selbst durchführen dürfen und welche Aufgaben dem Praxisinhaber oder der Praxisinhaberin vorbehalten bleiben.
Ein wichtiger Aspekt ist auch das Gefühl, jemanden unabhängig fragen zu können. Allein diese Möglichkeit nimmt vielen Teilnehmenden bereits eine gewisse Last. Denn außerhalb eines solchen Netzwerks fehlt häufig eine fachkundige Person, die die Situation aus eigener Erfahrung kennt und neutral beraten kann. Das private Umfeld – etwa Eltern oder Freunde – kann emotional unterstützen, ist aber bei fachspezifischen Fragen oft nur begrenzt hilfreich.
Mentoring bietet mehr als die reine Vermittlung von Wissen. Natürlich sind Fortbildungen aus unterschiedlichen Themenbereichen ein wichtiges fachliches Grundgerüst. Der besondere Mehrwert entsteht jedoch durch die Kombination aus Wissensvermittlung, persönlicher Begleitung und Vernetzung.
Durch den Austausch mit Mentorinnen und Mentoren sowie mit anderen Teilnehmenden entsteht ein Fundament, das junge Kolleginnen und Kollegen aktiv weiter ausbauen können. Dabei gilt: Je offener und kommunikativer man auf das eigene Umfeld zugeht, desto stärker profitiert man. Häufig sind es gerade die Gespräche in den Pausen, der informelle Austausch und die persönlichen Erfahrungsberichte, die langfristig besonders wertvoll sind.
Die Assistenzzeit ist eine besonders prägende Phase. Anders als später in der Selbstständigkeit haben junge Zahnärztinnen und Zahnärzte häufig noch mehr Raum, sich auszuprobieren, Fragen zu stellen und verschiedene fachliche sowie berufliche Themen kennenzulernen.
Der Austausch mit Gleichgesinnten ist dabei sehr wertvoll, weil viele ähnliche Herausforderungen erleben. Gleichzeitig sind die Themen, die einen in dieser Phase beschäftigen, sehr vielfältig: fachliche Entwicklung, Praxisorganisation, Kommunikation mit Patientinnen und Patienten, persönliche Karriereplanung und vieles mehr.
Je breiter man sich zu Beginn mit diesen Themen auseinandersetzt, desto besser kann man später entscheiden, in welchen Bereichen man sich gezielt vertiefen möchte. Die Verbindung aus Fortbildung, praktischer Anwendung, Mentoring und Community schafft dafür eine starke Grundlage.
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Das Interview führte Caroline Hofmann