Gewalt gegen Mediziner und Zahnmediziner nimmt zu. Wie man sich auf diese Ausnahmesituation vorbereiten und Eskalationen rechtzeitig verhindern kann, erklärt die Gewaltpräventionstrainerin Anke Fischer. Melden Sie sich jetzt zum Seminar am 13. März an.
Anke Fischer Häufig werden Hinweise übersehen, dass Menschen angespannt sind. Diese müssen aber ernst genommen werden. Beispielsweise wenn ein Patient Schmerzen hat oder lange warten muss. Grundsätzlich ist die Behandlung beim Zahnarzt aus Sicht der Patienten ein Kontrollverlust, weil man dem Zahnarzt in gewisser Weise ausgeliefert ist. Das begünstigt Überreaktionen. Wichtig ist aber auch, nicht selbst laut zu werden und die Anspannung des Gegenübers zu spiegeln, da sonst eine Eskalation wahrscheinlicher wird.

Gewaltpräventionstrainerin Anke Fischer
Anke Fischer Es gibt dafür leider keine Pauschalantwort, weil jede Situation anders ist. Aber es hilft, selbst Ruhe zu bewahren und damit auch Ruhe in die Situation zu bringen. Denn selten kommen Menschen direkt aufgebracht in die Praxis. Wenn man jedoch Zeichen wie eine zunehmende Körperspannung oder Lautstärke beim Sprechen beobachtet, sollte man das ansprechen, beispielsweise „Ich sehe, dass Sie gerade sehr angespannt sind, kann ich etwas für Sie tun?“ Hilfreich ist auch, Prozesse transparent zu machen und dem Patienten zu erklären, warum er gerade länger warten muss oder die Behandlung nicht so erfolgen kann, wie er sich das wünscht. Das erstickt im besten Fall das Eskalationspotenzial im Keim.
Anke Fischer Auch hier hilft es, auf die Körpersprache zu achten: die Lautstärke der Stimme, die Anspannung des Körpers oder wenn der Patient einen mit seinen Augen fixiert. Brenzlig wird es vor allem, wenn der Patient einem näher kommt. Ein deutlicher Hinweis in der Kommunikation ist, wenn sich der Patient weigert, auf Bitten zu reagieren, wie „Wären Sie so nett, noch kurz im Wartezimmer Platz zu nehmen?“.
Anke Fischer Wenn man bedrängt wird, ist es wichtig, die Distanz wiederherzustellen. Im besten Fall, in dem man etwas zwischen sich und die andere Person bringt wie einen Tresen oder einen Stuhl. Zudem sollten dann die Arme vor dem Körper sein, um sich im Zweifelsfall schützen zu können. Danach gibt es zwei Möglichkeiten, aus der Situation herauszukommen. Entweder, indem man sagt, dass man den Patienten unter diesen Umständen nicht behandeln kann. Oder bei konkreter Gefahr durch eine Flucht, in der man sich oder den Patienten einsperrt und dann die Polizei kontaktiert.
Anke Fischer Das ist zum einen eine Frage der Organisation. Man sollte Fluchtwege kennen sowie Orte, an denen man sich einschließen und telefonieren kann, beispielsweise Toiletten. Auch ein Blick in die Praxis lohnt: Stehen am Empfang Gegenstände, die ein Patient als Waffe nutzen könnte? Hilfreich ist es aber auch, Codewörter im Team zu vereinbaren, wenn man Unterstützung in einer Situation braucht.
Die andere Frage ist die Kontrolle des eigenen Körpers. Sich vorzunehmen, ruhig zu bleiben, ist leicht gesagt, aber schwer umzusetzen. Denn natürlich reagiert auch der eigene Körper auf eine Bedrohung, fährt hoch oder verfällt in eine Schockstarre. Da reagiert jeder anders. Deshalb bereite ich in meinen Seminaren die Teilnehmer auf diese Momente vor und erarbeite mit ihnen Strategien, damit sie auch in diesen Ausnahmesituationen handlungsfähig bleiben.
Anke Fischer gibt am 13. März 2026 von 14.30 bis 18.30 Uhr ein praktisches Seminar zur Gewaltprävention am Kantorowicz Fortbildungsinstitut in Neuss. Dort werden die Teilnehmer in kleiner Gruppe auf mögliche Gefahrensituationen und das richtige Handeln vorbereitet. Die Teilnahmegebühr beträgt 59 Euro (Zahnärzte) beziehungsweise 39 Euro (ZFA). Anmelden können Sie sich hier.
Das Gespräch führte Daniel Schrader