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Patienten informieren sich heute viel stärker als früher über ihre Gesundheit. Auch wir helfen dabei. Pro Jahr können wir so bei mehr als 10.000 Anfragen von Patientinnen und Patienten eine Lösung finden.

Wenn Sie Fragen zu einer zahnärztlichen Behandlung haben, geben wir fachliche und objektive Antworten. Wir informieren zu verschiedenen Behandlungsmethoden und vermitteln auch bei Konflikten zwischen dem Patienten und dem Zahnarzt.

Bei allen Fragen rund um Ihre Zähne, Ihre Behandlung oder deren Abrechnung können Sie sich kostenlos telefonisch oder auch per Mail oder Brief an die Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein wenden.

Zahnärztekammer Nordrhein
- Patientenberatungsstelle -
Postfach 10 55 15
40046 Düsseldorf
E-Mail: informationen-fuer-patienten(at)zaek-nr.de 

Für Patienten wurde eigens eine Telefon-Hotline eingerichtet. Diese erreichen Sie mittwochs in der Zeit von 14.00 bis 17.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 / 52 60 500. Dort beantworten Zahnärzte Ihre Fragen rund um die zahnärztliche Behandlung.

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Behandlungen und Kosten
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Zahnärztlicher Notdienst

Wenn außerhalb der Praxisöffnungszeiten dringende zahnmedizinische Hilfe vonnöten ist, dann hilft der zahnärztliche Notdienst. Über eine Telefonansage oder im Internet können Patienten die nächstgelegene notdiensthabende Zahnarztpraxis finden.
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Die zentrale Rufnummer für den Notdienst der nordrheinischen Zahnärzte lautet:

                                                        01805 / 98 67 00

Bitte beachten Sie, dass die notdiensthabenden Praxen, vor allem während der Abend- und Nachtstunden, nicht durchgängig personell besetzt sind. Nehmen Sie daher immer zunächst telefonisch mit dem jeweiligen zahnärztlichen Notdiensthabenden unter der angesagten Rufnummer Kontakt auf (14 Cent/Min aus dem deutschen Festnetz).

Um eine notdiensthabende Praxis in Ihrer Nähe zu finden, können Sie auch die Online-Notdienstsuche der Zahnärztekammer Nordrhein nutzen.

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Die Zahnärztekammer Nordrhein und die KZV Nordrhein sind bemüht, Ihnen bei der Notdienstsuche den bestmöglichen Service zu bieten. 

Haben Sie ein technisches Problem bei der Notdienstsuche? Dann können Sie uns dies unter notdienst(at)zaek-nr.de mitteilen. Bitte geben Sie dabei an, um welche Fehlfunktion es sich handelt (Internetsuche oder telefonische Auskunft). Damit wir das Problem so schnell wie möglich lösen können, benötigen wir außerdem möglichst viele der folgenden Informationen:

  • Datum und Zeitpunkt der Suchanfrage
  • Ort oder Postleitzahl, nach der Sie gesucht haben
  • Betriebssystem des Computers und verwendeter Browser (Name(n) und Versionsangabe(n))
  • bei Telefon: von welchem Apparat aus wurde telefoniert (Festnetz/Vorwahl bzw. Handy/Netz oder Telefonzelle/Ort)?

Die Online-Notdienstsuche der ZÄK Nordrhein finden Sie unter:

 

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Rund um die Zahnbehandlung

Erkrankte Zähne oder erkranktes Zahnfleisch müssen schnell behandelt werden. Nach einer sorgfältigen Diagnose bespricht der Zahnarzt mit dem Patienten die einzelnen Schritte. Der Umfang der Behandlung hängt immer von der individuellen Situation des Patienten ab.
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Wie oft ein Besuch bei Ihrem Zahnarzt notwendig ist, hängt von Ihrer Mundgesundheit ab. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt zwei Vorsorgeuntersuchungen pro Jahr. Im Rahmen der Kontrolltermine entfernt Ihr Zahnarzt kostenfrei einmal pro Jahr harte Beläge (Zahnstein). Darüber hinaus kann er mit Hilfe von Röntgenaufnahmen auf versteckte Karies oder Entzündungen untersuchen.

Bei manchen Beschwerden denken viele Patienten nicht daran, dass hier auch der Zahnarzt helfen könnte. Bei Problemen wie Kopfschmerzen, Schnarchen, Diabetes oder Zähneknirschen kann ein Besuch beim Zahnarzt hilfreich sein.

Häufig gibt es rund um die Zahnbehandlung auch Fragen oder Unsicherheiten. Scheuen Sie sich nicht, Ihren Zahnarzt anzusprechen und nachzufragen, wenn Ihnen etwas unklar ist!

Auch Zahnärzte fühlen sich nicht unbedingt wohl, wenn sie – was zugegeben eher selten vorkommt – einmal selbst als Patient auf dem Behandlungsstuhl Platz nehmen. So zitierte eine große Kölner Tageszeitung vor einigen Monaten den ausgewiesenen „Experten für Zahnbehandlungsangst“, Prof. Dr. Hans-Peter Jöhren, in einem Interview mit den Worten:

Sehr angenehm finde ich die Situation im Zahnarztstuhl ehrlich gesagt auch nicht. Ich kann die Angst vieler Patienten sehr gut verstehen. Als Patient liege ich auf dem Rücken, während in meiner Mundhöhle etwas passiert, was ich selbst nicht sehen kann. Dazu kommen mehrere Geräte, die unangenehme Geräusche machen. Sprechen kann ich nicht, so entsteht ein Gefühl des Ausgeliefertseins…“

Praxisteam ist gut geschult

Nach Jöhrens Einschätzung gehen ungefähr 70 Prozent der Menschen mit einem mehr oder weniger großen Unbehagen in eine Zahnarztpraxis. Nur bei 5 bis 10 Prozent bestehe allerdings eine wirkliche „Zahnbehandlungsphobie“ – also extrem stark ausgeprägte Angstgefühle „mit Krankheitswert“, die nicht so ohne weiteres überwunden werden können.

Da immerhin mehr als zwei Drittel aller Patienten ein unterschiedlich stark ausgeprägtes Unwohlsein oder Befürchtungen mit Blick auf ihre Behandlung empfinden, ist dies natürlich in jeder Zahnarztpraxis tagtägliches Thema. Die meisten Zahnärzte sind für die speziellen psychologischen Anforderungen beim Umgang mit „Angstpatienten“ bestens geschult und wissen ganz genau, wie sie mit der Situation umgehen müssen. Das gilt für das gesamte Praxisteam: Auch die Zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA, früher „Zahnarzthelferinnen“) lernen bereits in ihrer Ausbildung, worauf es beim Kontakt mit ängstlichen Patienten ankommt. Ein freundliches und beruhigendes Praxisambiente kann eine zusätzliche Rolle spielen.

Kein Grund zur Furcht

Zudem steht fest, dass es heutzutage – auch wegen der zahlreichen und hochwirksamen Möglichkeiten der modernen örtlichen Betäubung („Lokalanästhesie“) – nur noch selten wirkliche Gründe für eine größere Furcht vor zahnärztlichen Behandlungen gibt. Folgende Tipps für einen möglichst entspannten Zahnarztbesuch können zudem hilfreich sein:

  • Gehen Sie – schon bei der Terminvereinbarung! – offen mit dem Thema um, Sie sind nicht allein mit dem Problem (s.o.). 

  • Machen Sie unbedingt auch einen entsprechenden, deutlichen Vermerk auf dem Praxis-Fragebogen, den Sie ggf. vor der ersten Behandlung in Ihrer Praxis zum Ausfüllen erhalten. Reden Sie mit Ihrer Zahnärztin / Ihrem Zahnarzt direkt über Ihre Angst.

  • Verschieben Sie keinen einmal vereinbarten Termin.

  • Organisieren Sie sich eventuell eine Begleitung durch eine vertraute Person für den Praxisbesuch.

  • Lassen Sie sich über die Möglichkeiten einer örtlichen Schmerzausschaltung (Lokalanästhesie), Entspannungstechniken, möglicherweise auch die Behandlung in Hypnose oder unter Zuhilfenahme von Medikamenten informieren. Alleine schon so einfache Dinge wie beruhigende Musik über Kopfhörer können die Angst reduzieren, da dadurch die Praxisgeräusche in den Hintergrund treten und die Schmerzempfindung vermindert werden kann.

  • Wenn Ihnen das gut tut, lassen Sie sich ausführlich über die Behandlungsschritte und den -ablauf informieren.

  • Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.

  • Vereinbaren Sie Zeichen für den Fall, dass Sie die Behandlung kurz unterbrechen wollen.

  • Machen Sie nach einer Akutbehandlung sofort weitere Termine und bleiben dann am Ball, bis die gesamte Behandlung abgeschlossen ist.

  • Nutzen Sie den Terminservice („Recall“) Ihrer Praxis, um regelmäßige Zahnvorsorge zu betreiben.    

  • Folgen Sie den Empfehlungen des Zahnarzt-Teams zur Gesunderhaltung Ihrer Zähne / zur Pflege Ihres Zahnersatzes.

Eine Behandlung unter Vollnarkose ist übrigens wenig geeignet, um Ängste abzubauen. Sie kommt nach Expertenmeinung nur in besonderen Fällen (beispielsweise bei akuten entzündlichen Erkrankungen, bei großen chirurgischen Eingriffen oder bei Unverträglichkeiten von örtlichen Betäubungsmitteln) in Betracht, weil bei einer Narkose immer das Risiko ernsthafter Komplikationen besteht.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

Weiterführende Informationen – auch zum Thema „Zahnbehandlungsphobie“ - finden Sie hier:

  • Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): „Die Angst vor der Zahnbehandlung

  • Zahnarztsuche, z.B. mit dem Tätigkeitsschwerpunkt "Hypnose“ der Zahnärztekammer Nordrhein

Medikamente, die dem Heilen helfen, haben oft auch unerwünschte Nebenwirkungen. So können neue Arzneimittel für den Knochenstoffwechsel Kieferknochen zerstören. Gemeint ist die Medikamentengruppe der Bisphosphonate. Das sind Tabletten oder Wirkstoffe in Spritzen, die seit vielen Jahren bei Osteoporose und nach chirurgischen Eingriffen von bösartigen Tumoren verordnet werden.

Sie wirken, indem sie die Körperzellen hemmen, die Knochen abbauen können (Osteoklasten). Damit verschiebt sich das Gleichgewicht dieser Zellen mit ihren Gegenspielern, den Knochen aufbauenden Zellen (Osteoblasten). Dabei entsteht ein stabileres Knochengerüst. Das ist ein Vorteil bei Osteoporose, denn dadurch senkt sich die Gefahr für spätere Knochenbrüche erheblich.

Wirkstoffgruppe ist wichtige Vorsorge

Bedenkt man, dass heutzutage der gefürchtete Oberschenkelhalsbruch immer noch tödlich enden kann, ist die Wirkstoffgruppe eine wichtige Vorsorge besonders bei vielen risikobehafteten älteren Menschen. Der verringerte Knochenabbau durch Bisphosphonate kann auch die Ausbreitung von Knochenkrebs verringern oder entferntere Absiedlungen von bösartigen Tumoren (Metastasen) verhindern. Deshalb wird das Medikament bei bösartigen Tumoren im Knochenmark (z.B. Plasmozytom) eingesetzt, auch bei Metastasen und bei den Krebsarten, die vornehmlich im Knochen Metastasen produzieren - insbesondere bei Brust- oder Prostatakrebs.

Das Absterben von Kieferknochen ist eine sehr bedrohliche und gefürchtete Nebenwirkung, denn es kann sich großflächig bis in die Weichteile ausbreiten und ist manchmal nur schwer aufzuhalten. Ursache sind Verletzungen der Schleimhäute im Mund mit freiliegendem Knochen. So etwas gibt es häufiger, z.B. im normalen Heilungsverlauf nach Zahnentfernungen oder anderen Operationen im Mund, auch bei Parodontitis und bei ansonsten harmlosen Prothesendruckstellen. Beim gesunden Patienten bekämpft das Immunsystem die in den Knochen eindringenden Bakterien und dämmt die Entzündung ein. Bei durch Bisphosphonate verändertem Knochen fehlt diese Abwehrrektion, der Körper kann der Infektion nichts mehr entgegensetzen. In ganz ausgeprägten Fällen liegt dann der abgestorbene Knochen großflächig frei und hat keine schützende Schleimhaut mehr.

Nebenwirkungen sind vermeidbar

Diese Nebenwirkungen sind in den allermeisten Fällen vermeidbar, indem Patient, Arzt und Zahnarzt frühzeitig zusammenarbeiten. Möglichst schon vor Beginn einer Bisphosphonatbehandlung sollten alle aufwändigen Zahnbehandlungen abgeschlossen sein. Mit erhöhter Aufmerksamkeit wird der Zahnarzt all das vermeiden, was später zu Operationen, Parodontitis oder dauerhaften Prothesendruckstellen führen kann. Am Anfang verläuft eine Knochennekrose zumeist unbemerkt und schmerzfrei. Deshalb untersucht der Zahnarzt diese Patienten oft im dreimonatigen Rhythmus, um kleine Erkrankungen mit möglichst wenig Aufwand möglichst früh zu behandeln. Auch einfache Hygieneunterweisungen können die Nebenwirkungsrate erheblich senken und auch Patienten mit Prothesen sollten die regelmäßigen Kontrollen nicht vernachlässigen.

Nötige zahnärztliche Operationen dürfen meist nur noch unter hoch dosierter antibiotischer Abdeckung erfolgen. Oft überweist der Zahnarzt an einen Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgen und manchmal ist auch ein stationärer Aufenthalt nötig. Die Bisphosphonate während der zahnärztlichen Behandlung abzusetzen, bringt nichts, weil diese jahrzehntelang im Knochen verbleiben.

Weniger Nebenwirkungen bei Tabletten

Nicht alle Bisphosphonate haben die gleiche Nebenwirkungsrate. Man kann sagen: Je besser die zu erwartende Wirkung, desto wahrscheinlicher ist die zu erwartende Nebenwirkungsrate. Dabei macht es schon einen Unterschied, ob das Präparat gespritzt oder als Tablette eingenommen wird – Tabletten haben weniger Wirkung und somit auch weniger Nebenwirkung. Auch die Grunderkrankung ist verantwortlich für die Nekrosehäufigkeit. Nach Krebserkrankungen gibt es viel mehr Nebenwirkungen als bei Osteoporose. Und auch nicht jede Osteoporose verhält sich dabei gleich. Aus diesem Grund liegt es in der Aufgabe des Zahnarztes, ein individuelles Risikoprofil zu erstellen und allem Unangenehmen vorzubeugen.

Dr. med.dent. Jürgen Zitzen

Der Fachbegriff „craniomandibuläre Dysfunktion“, kurz „CMD“, bedeutet übersetzt etwa „Fehlfunktion im Zusammenspiel zwischen Schädel und Unterkiefer“. Diese kann starke Schmerzen auslösen. Beteiligt sind dabei Zähne, Kiefergelenke und Kaumuskulatur mit Ausstrahlung in den Kopf, die Nacken- oder Schulterregion. Auch die umgekehrte Verlaufsform ist häufig. Mehr als 10 Prozent der Bevölkerung hat im Laufe seines Lebens eine CMD kennengelernt.

Unsere Zähne sind kleine aufeinander abgestimmte Kauwerkzeuge. Sie führen, stützen und schützen die Kiefergelenke und zerkleinern die Nahrung in faszinierender Kleinarbeit. Dabei entstehen Kräfte. Für die Zerkleinerung eines Cheeseburgers reicht dabei die Kraft von einem halben Kilogramm. Eine Walnuss benötigt etwa 60mal mehr– ca. 30 Kilogramm.

Schädlich sind übermäßige Beanspruchungen: Mit unvorstellbar großen Kräften reiben, pressen oder knirschen viele Menschen - nachts, aber auch tagsüber - mit den Zähnen. Höchstwerte mit mehr als dem Zehnfachen als beim Zerkauen einer Walnuss sind dabei keine Seltenheit. Es wurden sogar schon Spitzenwerte mit der unvorstellbaren Kraft von 1500 Kilogramm, also von eineinhalb Tonnen gemessen.

Durch den vermehrten Abrieb werden die Zähne kürzer, besonders die Eck- und Schneidezähne, und sie können schmerzempfindlich werden. Auch die Kaumuskulatur nimmt durch das unterwusste „Bodybuilding“ sichtbar an Masse zu. Im Extremfall geht die auf das Kiefergelenk passende Bisshöhe verloren. Auch hier interpretiert der Volksmund: Man sieht „verbissen“ aus.

Die nächtliche Knirscharbeit stört obendrein den entspannten Schlaf und kann zu Kopfschmerzen besonders in der Schläfenregion führen. Manchmal sind diese so stark, dass sie mit einer Migräne verwechselt werden.

Bleibene Veränderungen durch Überbeanspruchung

Das Kiefergelenk antwortet auf die Überbeanspruchung mit meist bleibenden Veränderungen, die man als Knackgeräusche oder später auch als leise Reibegeräusche wahrnehmen kann. Gelenkknacken ist nicht selten: Fast jeder zweite lernt es im Laufe des Lebens kennen und meist hat es auch keine weiteren Auswirkungen – Knacken als alleiniges Symptom ist also nicht immer krankhaft.

Schon kleinste Abweichungen in der Stellung der Kiefergelenke zueinander können weitreichendere Auswirkungen haben. So wie zwei unterschiedliche Beinlängen allmählich zu Hüfterkrankungen führen können, kann ein fehlerhaftes Zusammenspiel der Kauflächen die gesamte Kopf-, Schulter- Nacken- und sogar Rückenregion in Unordnung bringen. Am Ende reagiert der Körper mit Verspannungen und Schmerzen - sogar Haltungsschäden können entstehen.

Weiterhin können diese Kräfte die Zähne lockern, besonders bei Vorschädigung durch Parodontitis. Durch die veränderte Lage der Gelenke zueinander können Ohrenschmerzen oder sogar Tinnitus, das ist ein dauerhaftes unangenehmes Begleitgeräusch in den Ohren, verursacht werden. Auch die Bewegung des Kiefers kann eingeschränkt oder schmerzhaft sein.

Was die Seele nicht verarbeiten kann, muss der Körper leisten

Vermehrter Stress in Schule, Beruf, in der Freizeit und der Familie ist oft mit die Ursache. Der Volksmund kennt das: „Man muss die Zähne fest zusammenbeißen“, „man muss sich durchbeißen“ oder „man hat Biss“. Auch Kinder knirschen zunehmend. Außerdem können Fehlbelastungen der Zähne, z.B. wegen übergroßer Füllungen, vorzeitigem Zahnverlust oder Halswirbelsäulenschäden diese Angewohnheit auslösen.

Am Anfang steht die Diagnose

Der Zahnarzt kann CMD diagnostizieren und meist erfolgreich behandeln. Zuerst untersucht er alle am Kaugeschehen beteiligten Muskeln bis hinunter zur Halsregion auf fühlbare Überlastungen. Das Kiefergelenk wird in seiner Bewegungsfreiheit bewertet und alle Berührkontakte auf den Zähnen überprüft. Dies nennt sich „klinische Funktionsanalyse“.

Weitergehend ist die „manuelle Strukturanalyse“, bei der zusätzlich die Muskulatur in Belastungssituationen bewertet wird. Auch Kiefermodelle aus Gips können so in einen Artikulator – eine Art Gelenksimulator – eingestellt werden, wie es der individuellen Situation entspricht (instrumentelle Funktionsanalyse). Somit können auch ansonsten versteckte Ursachen der Erkrankung aufgedeckt werden, zum Beispiel auch Lageveränderungen der zwischen den Gelenken liegenden Knorpelscheibe. Diese sind auch auf einem MRT (Magnetresonaztomograph) darstellbar.

Ziel dieser Untersuchungen ist es, die Ursache der Überlastung aufzuspüren, um diese dann gezielt auszusondern. Auch orthopädische Befunde, so zum Beispiel Haltungsschäden und Wirbelsäulenleiden, können die Ursache sein. Deshalb überprüft der Zahnarzt seinen Zuständigkeitsbereich und koordiniert seine Therapie mit Ärzten anderer Fachrichtungen, z.B. dem Orthopäden.

In ausgeprägten Krankheitsbildern begleiten physiotherapeutische Maßnahmen die Gesamtbehandlung. Dabei kann ein speziell geschulter Krankengymnast die zahnärztliche Behandlung gezielt begleiten. Wenn Körper und Seele das Beschwerdebild verflechten, kann eine psychosomatische Behandlung helfen.

Kunststoffschiene als bewährte Therapiemaßnahme

Der Zahnarzt setzt in seiner Therapie oft transparente Kunststoffschienen ein. Die sollen vorwiegend nachts getragen werden, um eingefahrene Reflexe zu unterbrechen und / oder den Unterkiefer in die gewünschte Position zu führen. Dabei kommt es im Idealfall zu einer Wiedergewöhnung an eine natürliche Bisslage und man hat zusätzlich einen wirksamen Schutz vor weiterem Abrieb. Außerdem nimmt man mit der Schiene dem Unterbewusstsein die „Lust“ am Knirschen.

Manchmal helfen gezielte Einschleifmaßnahmen an den Zähnen, um die Kaulast wieder gleichmäßig zu verteilen, sodass die Kaumuskulatur ein neues Gleichgewicht findet und zusätzlich benachbarte Muskelgruppen entlastet werden. Diese neu erworbene Harmonie bewirkt also eine Entspannung der gesamten Kopf-Schulter-Region. Dabei ist es oft hilfreich, dies vorab mit in den Artikulator eingesetzten Gipsmodellen zu simulieren, um so das Ergebnis planbar zu machen. Abgenutzte Kauflächen können wiederhergestellt werden, manchmal genügt das Aufkleben von künstlichen Keramikaufbauten auf heruntergekauten Eckzähnen. Zusätzlich kann man sich selbst dazu erziehen, das ständige Berühren der Zähne wenigstens tagsüber zu vermeiden.

Tipp: Stellen Sie an Orten, wo bei Ihnen Stress besonders häufig eintritt, Ihr persönliches Warnschild auf, z.B. ein Klebepunkt aus dem Schreibwarengeschäft mit der Botschaft: „Zähne auseinander!“

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Schätzungsweise jeder 13. Bürger in Deutschland leidet an der Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus. In Europa ist Deutschland damit das Land mit der höchsten Erkrankungsrate.

Wird der Diabetes nicht erfolgreich behandelt, steigt das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Nerven- oder Nierenfunktionsausfälle zu bekommen, deutlich an. Auch die Erblindung gehört zu den gefürchteten Komplikationen. Deshalb ist es ganz entscheidend, den Diabetes mellitus rechtzeitig zu entdecken und ihn konsequent zu behandeln, auch durch die Zahnärzte und Zahnärztinnen.

„Süßes Blut“ erfordert eine intensive Prophylaxe zur Erhaltung der Mundgesundheit und eine frühzeitige Therapie möglicher oraler Erkrankungen. Dabei ist es wichtig, dass man als Diabetiker regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung geht.

Was müssen Sie als Diabetiker für Ihre Mundgesundheit tun?

  1. Ihr Zahnarzt/Zahnärztin muss über Ihre Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ I / Typ II) informiert sein!

  2. Sie müssen unbedingt alle Ihre Medikamente in Ihrer Zahnarztpraxis angeben! Medikamente können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben, die bei jeder Behandlung (auch Prophylaxe-Behandlung) beachtet werden müssen.

  3. Aktualisieren Sie die Anamnese-Angaben (Gesundheitsfragebogen) regelmäßig. Geben Sie auch Ihre aktuellen HbA1c-Werte („Blutzucker-Gedächtnis-Wert“) an.

  4. Kommen Sie regelmäßig zu den Recall- und Kontroll-Terminen. Ihre Allgemeingesundheit hängt eng mit der Mundgesundheit zusammen. Insbesondere beeinflussen sich Diabetes mellitus und Parodontitis gegenseitig negativ. Ohne einen gesunden Mund werden Sie Ihre Zuckererkrankung nicht unter Kontrolle haben.

  5. Besprechen Sie Ihre Diabetes-Diät-Vorgaben mit dem Prophylaxe-Team. Hier finden sich teilweise gegensätzliche Empfehlungen. Z.B. sind einige Zucker-Ersatzstoffe auch kariogen (kariesfördernd). Gemeinsam werden Sie Lösungen finden, mit denen Sie sowohl Ihrer Diät als auch der Mundgesundheit gerecht werden.

  6. Durch kariogene Lebensmittel, die zur Prävention der Unterzuckerung oftmals zwischendurch nötig werden, haben Sie ein erhöhtes Kariesrisiko. Mit guter Mundpflege Ihrerseits und engmaschigen Kontrollen durch den Zahnarzt/Zahnärztin können Sie diese „drohenden“ Zahn-Defekte verhindern.

  7. Die Parodontitis vermindert die Insulin-Wirkung. Als zuckerkranker Patient haben Sie ein um Faktor 3 erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu bekommen, die sich zudem schneller verschlechtert und schwerer zu therapieren ist. Machen Sie sich der Notwendigkeit der Prophylaxe und einer rechtzeitigen Therapie immer bewusst!

  8. Eine Parodontitis kann die Diabetes-Behandlung mit Insulin oder anderen Medikamenten erschweren und muss unbedingt therapiert werden. Eine erfolgreiche Therapie kann mit einer HbA1c- Wert-Verbesserung bis zu 10% „belohnt“ werden!

  9. Sehr selten „profitieren“ die Blutzucker-Werte nicht von einer Parodontitis-Behandlung. Daher soll immer parallel zu dieser Therapie eine engmaschige Laborkontrolle (HbA1c-Wert) beim Hausarzt durchgeführt werden. Die Zusammenarbeit von Hausarzt und Zahnarzt/Zahnärztin ist notwendig.

  10. Beachten Sie bei der Terminabsprache Ihren gewohnten Ess- und Medikamenten-Zeitplan. Versuchen Sie die Termine so kurz wie möglich zu halten und akzeptieren Sie es dafür, öfters zu kommen.

  11. Sollten Sie sich während einer Behandlung unwohl fühlen, sprechen Sie Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt oder das Praxisteam sofort an. Messen Sie Ihren Blutzucker oder lassen Sie sich ihn messen. Oft sind Zucker-Entgleisungen für Ihr Unwohlsein verantwortlich.

  12. Vermeiden Sie unbedingt eine Hypoglykämie (Unterzuckerung). Scheuen Sie sich nicht sofort - auch beim Zahnarzt - Traubenzucker einzunehmen, wenn Ihr Blutzuckerwert zu tief ist.

  13. Kontrollieren Sie regelmäßig die Angaben der Telefonnummern Ihrer Partner, Verwandten oder Bekannten, die im Notfall zu befragen und informieren sind.

Gemeinsam mit Ihrem Zahnarzt, dem Praxisteam und den behandelnden Hausärzten werden Sie Ihre Mundgesundheit und Ihren Diabetes mellitus optimal in den Griff bekommen!

Dr. med. Catherine Kempf

Jede Behandlung in einer Zahnarztpraxis beginnt und endet in einem Raum, den ein Patient nur in den seltensten Fällen zu sehen bekommt: im Zentralraum oder „Steri“. Dort wird die Aufbereitung (Desinfektion, Reinigung, Sterilisation, Chargenkontrolle sowie Verpackung) all derjenigen zahnärztlichen Instrumente durchgeführt, die nicht als Einmalartikel zum Einsatz kommen.

Bei der räumlichen Planung einer Zahnarztpraxis spielt dieser wichtige Bereich deshalb von vornherein eine zentrale Rolle.

Qualitätsmanagement

Sämtliche Maßnahmen der Hygiene und des Infektionsschutzes sind bedeutsame Bausteine im Qualitätsmanagementsystem (QM) einer Zahnarztpraxis. Die Anforderungen für die Durchführung der Hygienemaßnahmen und -organisation sind insbesondere definiert

  • im Infektionsschutzgesetz (IfSG)
  • im Medizinproduktegesetz (MPG / mit Risikoeinstufung für Instrumentengruppen)
  • in der Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetrbV) und
  • in den Empfehlungen des Robert Koch-Institutes (RKI).

 

Im Zentrum der Ausbildung

Schon von Anbeginn ihrer dreijährigen Ausbildung erfährt jede Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA/früher: Zahnarzthelferin) sowohl in der Berufsschule als auch an ihrem Arbeitsplatz eine intensive Schulung speziell im Bereich der Praxishygiene. Das theoretische Fachwissen über den Infektionsschutz wird in separaten Klausuren und Prüfungen kontrolliert und Arbeitsabläufe werden nach exakten Vorgaben (Hygieneplan, Arbeitsanweisungen und Checklisten) unter Aufsicht eingeübt. Dabei geht es natürlich nicht nur um die zahlreichen unterschiedlichen zahnärztlichen Instrumente, sondern auch um weitere wichtige Themen wie beispielweise hygienische und chirurgische Händedesinfektion, Reinigung und Desinfektion von Gegenständen und von Flächen und Geräten in den Behandlungsräumen.

Hohe Investitionen für die Gesundheit von Patienten und Praxisteam

Allgemein kaum bekannt ist, welcher Aufwand hier zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern/innen „hinter den Kulissen“ betrieben wird und wie personal-, geräte- und kostenintensiv diese Hygiene-Vorkehrungen sind. Wissenschaftliche Experten des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ, Köln) ermittelten in ihrer letzten repräsentativen Analyse folgende Zahlen: Eine Praxis mit nur einer Zahnärztin/einem Zahnarzt („Einzelpraxis“) investiert Jahr für Jahr durchschnittlich 55.000 Euro für laufende Hygienemaßnahmen. Dabei fallen rund 32.000 Euro für Sachkosten und 23.000 Euro für Personalkosten an. Im Zeitvergleich stellte das IDZ im Rahmen der hochkomplexen Forschungsarbeit außerdem fest, dass sich die Sachkosten binnen zehn Jahren um 50 Prozent erhöht haben. Die Personalkosten verdoppelten sich sogar in diesem Zeitraum. Bei Gemeinschaftspraxen liegt der Betrag trotz Rationalisierungseffekten bei zirka 70.000 Euro.

Updates halten fit

Um das Wissen im Praxisteam über die doch zum Teil recht komplexen Arbeitsabläufe frisch zu halten bzw. zu ergänzen und einen hohen Hygienestandard zu gewährleisten, führt jeder Praxisinhaber regelmäßig interne Schulungen zum Thema durch. Außerhalb dieser Routine erfolgt dies natürlich auch beim Einsatz neuer Arbeitsmittel, Geräte oder Verfahren sowie für neu eingestellte Mitarbeiter/innen.

Darüber hinaus bieten die Zahnärztekammern ein umfangreiches Fortbildungsprogramm für Zahnärzte und Zahnmedizinische Fachangestellte an, wobei die Kurse und praktischen Übungen regelmäßig gut besucht und häufig lange im Voraus ausgebucht sind. So berichtete die Zahnärztekammer Nordrhein aktuell Anfang Mai 2011 über den mehr als erfolgreichen Verlauf flächendeckender regionaler Schulungsveranstaltungen zur Praxishygiene und zur Aufbereitung von Medizinprodukten: Für diese – auf freiwilliger Teilnahme basierenden – Fortbildungen liegen bereits über 8.000 Anmeldungen (aus den zirka 5.000 Zahnarztpraxen im Gebiet Nordrhein) vor. Wegen des enormen Zuspruchs sieht sich die Kammer sogar veranlasst, weitere Termine vorzubereiten und anzubieten – erneut ein eindrucksvoller Beweis für den nachhaltig hohen Stellenwert der Hygiene im Bewusstsein der freiberuflich tätigen Zahnärzte.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

Viele Eltern sind irritiert, weil ihr Kind (nachts) mit den Zähnen knirscht. Dabei kann dieser Vorgang des Knirschens, Pressens oder der Reibebewegungen, der unter dem medizinischen Begriff „Bruxismus“ zusammengefasst wird, im Milchgebiss durchaus normal sein und biologische Gründe haben: Auch die Wachstumsprozesse des Kopfes (Knochen und Muskulatur) laufen nicht gleichmäßig, sondern in Schüben ab. Das gilt sowohl für den Ober- als auch den Unterkiefer sowie die Kaumuskeln.

So kann es dazu kommen, dass einzelne Milchzähne oder Zahngruppen zeitweise ungünstig stehen und den Wachstumsprozess behindern. In diesen Fällen ist es sogar sinnvoll, dass störende Bereiche durch Knirschen abgeschmirgelt (Fachausdruck: „abradiert“) werden. Zahnarzt oder Kieferorthopäde können bei einer Untersuchung sehr schnell feststellen, ob solch ein „Störfall“ vorliegt und ob die Natur möglicherweise durch eine kurzzeitige kieferorthopädische Behandlung zusätzlich unterstützt werden sollte.

Spätestens mit sechs Jahren sollte Schluss sein

Sobald die ersten bleibenden Zähne im Mund erscheinen, sollte das Knirschen allerdings beendet sein. In der Regel kommen die ersten bleibenden Backenzähne (Molaren), die hinter den Milchbackenzähnen hochwachsen, im sechsten Lebensjahr. (Es fällt hierfür also keiner der 20 Milchzähne aus!) Die Durchbruchszeiten können jedoch stark variieren, schon ab dem vierten Lebensjahr des Kindes empfiehlt es sich also, wachsam zu sein.

Knirscht ein älteres Kind oder ein Jugendlicher mit seinen Zähnen, sollten die Eltern unbedingt einen Zahnarzt und/oder Kieferorthopäden aufsuchen, um die Ursache abzuklären. Denn es muss vermieden werden, dass der Zahnschmelz bleibender Zähne durch ein Abradieren beschädigt wird. Zwei Hauptursachen kommen hierfür in Frage: Die bereits genannten Zahnfehlstellungen oder psychische Gründe - wie beispielsweise anhaltend negativer Stress oder seelische Belastungen – bzw. eine Kombination mehrerer Faktoren.

Ursachen finden und beseitigen

Liegen die Gründe für das Knirschen oder Pressen alleine im Zahnbereich, lassen sich diese meist durch relativ einfache therapeutische Maßnahmen (Schienenbehandlung einschließlich Einschleifmaßnahmen etc.) beheben. Schwieriger wird es bei psychischen Ursachen. In einem Ratgeber der „Initiative Kiefergesundheit e.V.) heißt es hierzu: „Das gesellschaftliche Gefüge zeigt sich an einer Vielzahl an Störungen und Erkrankungen und resultiert in Stress-Schäden an Zähnen – und zwar unabhängig vom Lebensalter, also bei Erwachsenen ebenso wie bei Kindern in Kindergärten und in Schulen.“

In solchen Fällen können Zahnärzte und Kieferorthopäden das Problem natürlich nicht alleine lösen. Eine fachübergreifende Zusammenarbeit und unterstützende kindertherapeutische Verfahren, die eine altersgerechte Entlastung von den verursachenden Stress-Faktoren herbeiführen, sind möglicherweise angezeigt. Einen wesentlichen Indikator für das Vorliegen seelischer Ursachen sehen Experten darin, dass der Bruxismus nicht nur nachts, sondern auch tagsüber beobachtet wird.

Weiterführende Informationen zum Thema „Zähneknirschen bei Kindern“ finden Sie im Internet beispielsweise auf www.ikg-online.de unter „Publikationen“.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) stellt eine entwicklungsbedingte Erkrankung der Zahnhartsubstanz dar, bei der es bereits vor dem Durchbruch der betroffenen Zähne in die Mundhöhle zu gelblich-bräunlichen bzw. weißlich-cremefarbenen Flecken auf einem oder mehreren ersten bleibenden Backenzähnen (Molaren) kommt (siehe Abbildung1).

Die bleibenden Schneidezähne (Inzisiven) sind seltener und meist weniger stark betroffen. Da sich diese Schmelzbildungsstörung primär bei Molaren und Inzisiven zeigt, hat das Krankheitsbild den Namen Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, abgekürzt MIH, erhalten. Deutschlandweit leiden etwa 10% der Grundschulkinder an dieser Erkrankung.

MIH – Was unterscheidet MIH-Zähne von gesunden Zähnen?

Neben der Farbveränderung haben die betroffenen Zähne eine schlechtere Schmelzqualität als gesunde Zähne: Der Schmelz ist weicher und poröser, was häufig zu einem Abplatzen der betroffenen Areale bereits während oder kurz nach ihrem Durchtritt in die Mundhöhle führt. MIH-Zähne sind oftmals stark temperatur- und berührungsempfindlich, was alltägliche Aktivitäten, wie z.B. das Zähneputzen oder Essen und Trinken heißer oder kalter Nahrungsmittel und Getränke schmerzhaft machen kann. Beides führt dazu, dass MIH-Zähne deutlich kariesanfälliger sind als gesunde Zähne und meist schon frühzeitig zahnärztlich behandelt werden müssen.

MIH – Wodurch entsteht diese Erkrankung?

Wodurch eine MIH entsteht ist unklar. Vermutet wird ein Zusammentreffen mehrerer Faktoren, die während des Zeitraums der Zahnentwicklung der befallenen Zähne (8. Schwangerschaftsmonat bis etwa zum 4. Lebensjahr) einwirken. Hierbei werden insbesondere chronische Erkrankungen des Kindes (vor allem Atemwegserkrankungen), Medikamenteneinnahmen (vor allem Antibiotika) sowie Umwelttoxine (vor allem Kunststoffbestandteile, wie Bisphenol A) als mögliche Ursachen diskutiert.

MIH – Wie stellt der Zahnarzt fest, ob mein Kind MIH hat?

Zur Diagnose genügt allein der Blick des Zahnarztes in den Mund des Kindes. Bei einer schweren MIH-Form ist eine Diagnosestellung schon während des Zahndurchbruchs des ersten Molaren, also bereits im Alter von etwa 6 Jahren sinnvoll, um durch frühzeitige Therapie Folgeschäden der MIH so gering wie möglich zu halten. Das günstigste Untersuchungsalter zur MIH-Diagnostik beträgt 8 Jahre, da dann i.d.R. alle Molaren und Inzisiven vollständig in der Mundhöhle sichtbar sind.

MIH – Was kann der Zahnarzt therapeutisch tun?

Bei einer milden Ausprägung der MIH (ohne Zahnhartsubstanzverlust) wird der Zahnarzt den betroffenen Zahn ähnlich wie einen gesunden behandeln und ihn ggf. mit einer Fissurenversiegelung versorgen. Zusätzlich sollte er bei regelmäßigen Kontrollen im Abstand von etwa 3 -6 Monaten einen hochkonzentrierten Fluoridlack auftragen. Beides sind Maßnahmen, die der Kariesprophylaxe dienen.

Ist es bereits zu einem Verlust von Zahnhartsubstanz gekommen, wird der Zahnarzt, abhängig vom Durchbruchzustand des Zahnes und dem Schweregrad des Defektes, eine Füllung aus einem zunächst temporären (z.B. Glasionomerzement) oder direkt definitiven Füllungsmaterial (Komposit) bzw. eine Teil- oder Vollüberkronung (z.B. konfektionierte Stahlkrone, individuell laborgefertigte Krone) des Zahnes empfehlen. Amalgam ist zur Versorgung von MIH-Zähnen nicht geeignet. In sehr schweren MIH-Fällen kann nach Absprache mit einem Kieferorthopäden auch die Entfernung des betroffenen Zahnes mit anschließendem kieferorthopädischen Lückenschluss sinnvoll sein.

Dr. med. dent. Maria Giraki

Diese Frage stellt sich bei bis zu 80 Prozent der Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen! Wegen der Häufigkeit des Problems und der hohen Zahl notwendiger chirurgischer Eingriffe haben die wichtigsten wissenschaftlichen Fachgesellschaften eine eigene "Leitlinie" zu diesem Thema verfasst. Darin werden der aktuelle Stand der zahnmedizinischen Wissenschaft und die daraus abgeleiteten fachlichen Empfehlungen dargestellt (siehe untenstehender Weblink).

Am Anfang steht die Diagnose

Im vollständigen Gebiss eines ausgewachsenen Menschen sind im Normalfall in jeder Kieferhälfte acht Zähne vorhanden: Zwei Schneidezähne, ein Eckzahn, zwei Vorbackenzähne (Prämolaren) und drei Backenzähne (Molaren), wobei der dritte Backenzahn umgangssprachlich als "Weisheitszahn" bezeichnet wird, weil er als letzter - meist erst im Erwachsenenalter - durchbricht.

Die Platzverhältnisse am hinteren Ende des Ober- und Unterkiefers reichen allerdings meistens nicht aus. Der Weisheitszahn oder die Weisheitszähne bleiben vollständig oder teilweise im Kieferknochen liegen. Der Fachmann sagt: Sie sind "(teil)retiniert".

Eine genaue Diagnose lässt sich stellen, wenn neben einer Untersuchung des Mundraumes zusätzlich eine große Röntgenaufnahme der Kiefer, beispielsweise eine Panorama-Aufnahme oder in speziellen Fällen eine dreidimensionale Darstellung durch eine digitale Volumentomographie (DVT), angefertigt wird.

Ob und wie nun eine Behandlung erfolgen muss, ist von verschiedenen Faktoren abhängig, die in einer gemeinsamen Information der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) sowie des Zentrums Zahnärztliche Qualität (ZZQ) folgendermaßen zusammengefasst werden:

Behandlungsempfehlungen

Entsprechend der wissenschaftlichen Leitlinie sollten Weisheitszähne in folgenden Fällen entfernt werden:

  • bei Schlupfwinkelinfektionen am Weisheitszahn (sog. "Dentitio difficilis")
  • bei Karies oder Wurzelentzündungen am Weisheitszahn
  • bei Zysten oder anderen krankhaften Veränderungen in der Umgebung des Zahnes
  • bei Auflösungserscheinungen am Nachbarzahn oder wenn der Weisheitszahn das Zahnbett des Nachbarzahnes gefährdet
  • wenn absehbar ist, dass die Weisheitszähne eine Operation am Kiefer, beispielsweise eine Korrektur einer Kieferfehlstellung oder eine Kieferbruchbehandlung erschweren
  • wenn Weisheitszähne das Zusammenbeißen der Zähne stören oder zu befürchten ist, dass Schmerzen durch die Weisheitszähne ausgelöst werden

In folgenden Fällen sollte eine Entfernung überprüft werden:

  • bei einem längeren Aufenthalt in Regionen ohne moderne medizinische Versorgung.
  • wenn eine zahnbezogene Narkosebehandlung vorgenommen wird und erneute Narkose zur Entfernung eines Weisheitszahnes durchgeführt werden müsste
  • wenn zu erwarten ist, dass ein Weisheitszahn durch den Druck einer Prothese freigelegt wird und damit eine Schlupfwinkelinfektion begünstigt würde
  • wenn eine kieferorthopädische Behandlung (Zahnbewegung) durch die Weisheitszähne erschwert wird

In den nachfolgenden Situationen können/sollten die Weisheitszähne belassen werden:

  • wenn eine spontane, regelrechte Einstellung der Weisheitszähne in die Zahnreihe zu erwarten ist
  • wenn eine Extraktion anderer Zähne und/oder eine kieferorthopädische Behandlung mit Einordnung des Zahnes sinnvoll und von Seiten des Patienten auch gewünscht wird
  • wenn Weisheitszähne tief im Knochen verlagert sind und ein hohes Risiko operativer Komplikationen besteht

Wenn Sie mehr wissen wollen zum Thema Weisheitszähne (z.B. über die Diagnostik, die Arten der Behandlung und über Risiken beim Entfernen oder Belassen), erfahren Sie dies auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.dgzmk.de/zahnaerzte/wissenschaft-forschung/leitlinien/details/document/operative-entfernung-von-weisheitszaehnen-s3.html

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

„Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erhebliche Schäden zu“, steht deutlich als Warnhinweis auf Zigarettenpackungen. Zudem sollen abschreckende Fotos dazu beitragen, das Rauchen aufzugeben oder gar nicht erst damit anzufangen.

Während die allgemeinmedizinischen Auswirkungen des Tabakgenusses, wie Lungenkrebs, Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen, in der Bevölkerung weitgehend bekannt sind, werden die Auswirkungen des Tabakrauchens auf die Mundhöhle in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch nach wie vor häufig vernachlässigt.

Rauchen bedeutet dabei Probleme für Zähne, Zahnfleisch und den Zahnhalteapparat:

  • Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich die Mundschleimhaut bei Rauchern leichter entzündet.
  • Es ist auch bewiesen, dass entzündliche Erkrankungen des Zahnfleisches bei Rauchern deutlich schwerer verlaufen und dass therapeutische Maßnahmen am Zahnhalteapparat und dem Zahnfleisch deutlich schlechtere Ergebnisse erbringen als beim Nichtraucher.
  • Zähne werden schneller locker, der Zahnhalteapparat nimmt Schaden.
  • Implantate wachsen bei Rauchern oft nicht so ein, wie man es erwarten könnte oder gehen frühzeitig verloren.
  • Die so genannte "Halitosis", der Mundgeruch, hat zum Teil auch seine Ursache im Tabakgenuss – ebenso wie Verfärbungen an den Zähnen oder der Zunge, die dann braun und hässlich wirken.

Es sind auch noch schlimmere Auswirkungen des Rauchens auf Zunge, Schleimhäute und Rachen bekannt: In Deutschland erkranken etwa 10.400 Menschen, vorwiegend Männer, neu an einer Krebserkrankung der Mundhöhle, mit steigender Tendenz trifft die Erkrankung auch Frauen. Das Rauchen wirkt sich negativ auf die Strukturen von Nasenhöhle, Mundhöhle, Zunge, Kehlkopf, Speiseröhre, Luftröhre und Lunge aus. Kaum eine andere Krebsart wirkt sich so offensichtlich auf das Leben der Betroffenen aus und ist für ihn so schwer zu akzeptieren wie eine Krebserkrankung in der Mundregion.

Raucher stark krebsgefährdet

Krebs im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich findet sich bei Menschen besonders häufig, die rauchen, Alkohol trinken und deren Mundhygiene schlecht ist. Die Vorsorgeuntersuchung in Verbindung mit der Früherkennung von Vorkrebsstadien und Mundhöhlenkrebs ist daher eine wichtige Aufgabe der zahnärztlichen Praxis. Trotz Verbesserungen in der Diagnostik ist die Langzeitüberlebensprognose der Patienten mit Krebserkrankungen der Mundhöhle und der Zunge nach wie vor schlecht. Mit effizienten klinischen Untersuchungsmethoden oder auch Zelluntersuchungen werden frühzeitig Schäden am Zahnhalteapparat und Gewebeveränderungen erkannt. Eine optimale Mundhygiene in Verbindung mit präventiven Maßnahmen durch die Zahnarztpraxis beugt Schäden vor.

Daher die Empfehlung: Zusätzlich zur optimalen häuslichen Mundhygiene mindestens zweimal im Jahr zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung gehen und ebenfalls zweimal im Jahr eine professionelle Individualprophylaxe wie eine professionelle Zahnreinigung in der Praxis durchführen lassen. Der Zahnarzt berät dabei gerne. Über allem aber steht: „Stop smoking!“

Dr. med. Peter Minderjahn

„Im Schlaf erledigen“, das klingt harmlos. Leider erledigt mancher Schnarcher nachts Schwerarbeit. Glücklicherweise können Ärzte und Zahnärzte in vielen Fällen Abhilfe schaffen.

Etwa acht Millionen Bundesbürger haben keinen erholsamen Schlaf. Die Statistik zeigt:

  • Im Alter von 30 Jahren schnarchen 30 Prozent der Männer und 10 Prozent der Frauen.
  • Mit 60 Jahren schnarchen 60 Prozent der Männer und knapp 40 Prozent der Frauen.

Prinzipiell unterscheidet man zwei Arten des Schnarchens, das „harmlose Schnarchen“ und das sogenannte „gefährliche Schnarchen“. Das „harmlose Schnarchen“ führt zwar zu einer gewissen Vereinsamung, da der Bettnachbar irgendwann die Flucht aus Selbstschutz ergreift, birgt aber darüber hinaus kaum gesundheitliche Folgen.

Schnarcher leben gefährlich

Das „gefährliche Schnarchen“ ist jedoch die häufigste Schlaferkrankung und wird medizinisch als sogenanntes „obstruktives Schlafapnoe Syndrom“ bezeichnet. Hierbei verengen sich (Obstruktion) die Luftwege und es kommt zu Atemaussetzern (Apnoe) während des Schlafes.

Die Unterbrechung des Atemvorganges ist hierbei im Durchschnitt länger als 10 Sekunden. Häufig dauern die Aussetzer 30 bis 50 Sekunden und können bis zu 600 Mal pro Nacht auftreten, meist ohne dass der Betroffene es selber merkt. In diesen Fällen erschlaffen (verengen sich) die Gaumen –und Rachenmuskeln, die oberen Atmenwege kollabieren und gefährliche Atemaussetzer treten ein. Die Folgen dieses „gefährlichen Schnarchens“ sind:

  • eine erhöhte Tagesmüdigkeit: Die Atemaussetzer sind nahezu Schwerstarbeit für den Patienten. Stellen Sie sich vor; Sie würden über hundertmal tauchen und dabei jedes Mal die Luft für 30 oder 40 Sekunden anhalten. Kein Wunder, dass der Patient an Ende dieses Schlafes morgens wie „gerädert“ ist.
  • das Auftreten von Kreislauferkrankungen sowie ein erhöhtes Herzinfarktrisiko
  • Der Blutdruck ist bei „gefährlichen Schnarchern“ in etwa der Hälfte der Fälle stark erhöht. Erhöhter Blutdruck und mangelnde Sauerstoffversorgung, während der Atem aussetzt, führen zu einer extremen Belastung für Herz und Kreislauf.
  • Depressionen und Libidoverlust
  • nächtliches Sodbrennen

Jeder kann sich vorstellen, dass eine so starke Belastung der gesamten Körperfunktionen während des Schlafes und eine gleichzeitige mangelnde Ruhephase nach der Tagesbelastung auch Einfluss auf die Lebenserwartung hat. Jüngste Studien zeigen, dass diese um bis zu acht Jahre reduziert sein kann.

Wie Ärzte helfen können

Wie lässt sich diese Erkrankung behandeln? Zunächst einmal ist die Diagnose bei einem Lungenfacharzt oder speziell ausgebildeten Internisten bzw. in einem Schlaflabor zu stellen. Nur so ist eine Abgrenzung der unterschiedlichsten Schlafstörungen fachärztlich möglich. Ziel der anschließenden Behandlungen ist es, die Atemwege offen zu halten. Am bekanntesten hierbei sind sogenannte NCPA’s. Diese Sauerstoffgeräte sind bei schweren Erkrankungen das Mittel der Wahl.

Wie Zahnärzte helfen können

In einfachen Fällen und nur dort gibt es eine brauchbare und effektive Alternative: das sogenannte Schnarchtherapiegerät. Hierbei handelt es sich um eine Schiene aus durchsichtigem Kunststoff, die nachts im Mund getragen wird. Das führt dazu, dass der Unterkiefer nach vorne verlagert wird und der Rachenraum um 25 Prozent vergrößert wird.

Die Schienen sind komfortabel und nebenwirkungsfrei. Sie werden nach der schlaftherapeutischen Diagnostik durch Lungenfacharzt bzw. Schlaflabor von einem schlafmedizinisch tätigen Zahnarzt oder Zahnärztin sowie in einem speziellen zahntechnischen Labor hergestellt.

Ein gesunder Schlaf und ein gesundes Leben gehören zusammen. Schnarchen ist dem mehr als nur abträglich.

Zahnärztin Lieselotte Rabe/Dr. Ralf Hausweiler

Welche Chancen haben tief zerstörte Zähne noch?

Die wesentlichen Bestandteile eines Zahnes sind der Zahnschmelz, der sichtbar in die Mundhöhle hinein ragt und die äußere Schicht der Zahnkrone bildet. Daneben gibt es das Dentin oder Zahnbein, das als Gerüst des Zahnes bezeichnet werden kann und die Pulpa sicher umschließt. Die Pulpa, das Zahninnere oder auch Zahnmark genannt, ist ein mit Nerven und Gefäßen gefüllter Hohlraum im Zahn.

Bei der Wurzelkanalbehandlung geht es darum, Entzündungen dieses Zahnmarks zu therapieren und zu beseitigen.

Die Ursachen für die Entzündung des Zahnmarks sind vielfältig: Meist besteht zunächst ein kariöser Defekt, der die Schmelzschicht durchbohrt hat und als Eintrittspforte für Keime jeglicher Art dient. Dabei muss so ein Defekt nicht immer sofort Schmerzen verursachen. Auch können sogenannte Traumata, wie ein kräftiger Schlag auf einen Zahn mit Fraktur zu einer Entzündung des Zahnmarks führen. Als nicht immer zu vermeidende Komplikation beim Beschleifen eines Zahnes kann sich ebenfalls das Zahnmark als Folge des so genannten Schleiftraumas entzünden. Seltener ist hingegen die Infektion von der Wurzelspitze her. Hierbei muss der Zahnhalteapparat soweit geschädigt sein, dass Keime aus der Zahnfleischtasche an die kleine Öffnung der Wurzelspitze gelangen können und die Infektion sich aufsteigend im Zahn ausbreitet.

Oftmals verläuft solch eine Entzündung unbemerkt und schmerzfrei ab. Das Zahnmark stirbt ab und die Keime breiten sich im Gangsystem der Wurzelkanäle aus. Die späte Abwehrreaktion des Körpers ist dann eine Entzündung des Gewebes, das die Wurzelspitze umgibt - eine so genannte Parodontitis apicalis (d.h. eine Entzündung des Zahnhalteapparates an der Wurzelspitze des Zahnes) mit einer sichtbaren Auflösung von Knochenstrukturen. Diese Auflösung lässt sich auf Röntgenbildern als dunklerer Bereich um die Wurzelspitze darstellen.

Die akute Form dagegen ist oft mit starken Schmerzen verbunden und zeigt noch keine Auflösung des Knochens auf dem Röntgenbild und lässt sich so schwieriger auf diesem verifizieren. Die klassischen Symptome sind hier ein klopfend-pulsierender Zahnschmerz. Wird diese Entzündung dann nicht behandelt, weil z.B. die Schmerzen gerade noch auszuhalten sind, stirbt der Zahnnerv als Folge ab und kann als eitrige Entzündung nach einer kurzen schmerzfreien Ruhephase die klassische dicke Backe verursachen. In diesem Fall ist eine Wurzelkanalbehandlung oder die Entfernung des Zahnes unvermeidbar.

Wie läuft eine Wurzelkanalbehandlung ab?

Ziel einer Wurzelkanalbehandlung ist es eine möglichst vollständige Entfernung von Keimen, Pulpagewebe und nekrotischem Material aus allen Kanälen des Zahnes zu erreichen. Die Behandlung gliedert sich im Wesentlichen in die nachfolgenden Schritte und ist in der Regel nicht schmerzhaft:

  1. Eröffnen des Zahnmarks und Aufsuchen und Freilegen der Wurzelkanäle

  2. Entfernen des infizierten oder toten Zahnnervgewebes

  3. Aufbereiten der Wurzelkanäle, Reinigung und Desinfektion derselben

  4. Bakteriendichter Verschluss der Wurzelkanäle

  5. Abschließende Versorgung des Zahnes mit Füllung oder einer Krone

Eine Wurzelkanalbehandlung umfasst mehrere Behandlungssitzungen, da eine Aufbereitung von Wurzelkanälen sehr aufwändig ist und die Desinfektion der Kanäle, je nach Infektionsgrad, ein mehrmaliges Wechseln eines Medikamentes im Zahn notwendig machen kann.

Trotz sorgfältigster Behandlung gibt es keine Garantie des Erfolges bei einer Wurzelkanalbehandlung. Oft spielen anatomische Verhältnisse eine große Rolle beim Misserfolg.

Der Wurzelkanal ist nicht nur ein einziger gerader Kanal, der sich von der Wurzelspitze zur Zahnkrone zieht, sondern macht oftmals im Bereich der Wurzelspitze Verzweigungen, die dem Nildelta ähnlich sehen. Diese Verzweigungen sind für den Zahnarzt kaum aufzubereiten.

Bei einem Misserfolg und einer weiter bestehenden Entzündung an der Wurzelspitze kann noch ein Versuch der Wurzelspitzenrektion (chirurgische Entfernung des unteren Teils der Wurzelspitze) gemacht werden.

 

Wann ist eine Wurzelkanalbehandlung Kassen- und wann eine Privatleistung?

Eine Übersicht, ob eine Wurzelkanalbehandlung als Kassen- oder als Privatleistung gilt, finden Sie im Reiter Dokumente.

„Dieser Zahn muss entfernt werden.“ Heute im Zeitalter der lebensbegleitenden Zahnprophylaxe hört der Patient diesen Satz viel seltener als z. B. vor zwei Jahrzehnten – und dennoch: Nicht jeder Zahn kann erhalten werden.

Beispiel Parodontitis

Eine Parodontitis entwickelt sich – von seltenen Ausnahmen abgesehen – langsam über viele Jahre. Sie beginnt immer mit einer harmlosen Zahnfleischentzündung. Sinn macht es, schon den Anfängen zu wehren. Denn mit Fortschreiten der entzündlichen Erkrankung des Zahnhaltegewebes geht fortlaufend zahnstützendes Knochengewebe mit Haltefasern und Zahnwurzeloberfläche verloren. Je später man mit einer ursachengerechten Behandlung beginnt, desto schwieriger wird die Prognose. Sind schon erste Zahnlockerungen zu sehen, ist die Erkrankung meist weit fortgeschritten. Deutliche Lockerungen der Fontzähne oder auch schon Knochenverlust bis hin in die Teilungsstelle der Wurzeln der Seitenzähne können nur im Ausnahmefall und dann nur mit extremem Aufwand zu einer dauerhaften Zahnerhaltung führen. Und manchmal macht die verzweifelte Extremerhaltung auch keinen Sinn.

Heute denkt der Zahnarzt eher strategisch. Überlässt man einen parodontal zerstörten Zahn seinem kommenden Schicksal, verursacht er einen unwiederbringlichen Schaden an den Nachbarzähnen. Auch diese Zähne werden dann locker und am Ende droht der vollständige Zahnverlust. Hier stellt sich die Frage, wie viel Wert dieser Zahn im noch vorhandenen Gebiss darstellt. Das Ziel muss definiert werden: Dies kann ein lebenslanger festsitzender Zahnersatz sein oder eine wertvolle Stütze für einen herausnehmbaren Ersatz – die Entscheidung liegt immer im Einzelfall begründet. Ist der Zahn für das erklärte Ziel wichtig, sollte auch kein Aufwand zu groß sein. Zum Beispiel kann man eigentlich zerstörte Seitenzähne durch Entfernung der am meisten betroffenen Zahnwurzel – also eine Halbierung des Zahnes – oft noch über viele Jahre retten. Ist der Zahn für das erklärte Ziel eher unwichtig, ist es meist besser, den Zahn zu entfernen und die Zahnerhaltung auf alle anderen Zähne zu konzentrieren.

Beispiel Karies

Auch vom ersten kleinen Zahnloch bis zur schmerzhaften Entzündung des zahninneren nervhaltigen Zahnmarks ist es häufig ein jahrelanger Weg. Deshalb sollte schon frühzeitig Karies behandelt werden, um die Ausbreitung ins Zahnmark zu stoppen. Ist das Zahnmark jedoch schon betroffen und entzündet, bleibt meist nur die Wurzelkanalbehandlung. Diese kann heute in nahezu perfekter Präzision durchgeführt werden. Neuartige Instrumente aus Nickel-Titan, elektronische Messgeräte für die inneren Zahnmarkkanäle, verbesserte Röntgentechnik, bessere Wurzelfüllmaterialien und Fertigkeiten des Zahnarztes bringen mittlerweile so gute Resultate, dass heute viel mehr Zähne erhalten werden können. Die allerletzte Erhaltungsmaßnahme, eine chirurgischen Wurzelspitzenresektion mit Entfernung der Entzündung an der Wurzelspitze, hat mittlerweile eine schlechtere Prognose als die perfekte Wurzelkanalbehandlung. Die Zahnentfernung sollte immer die letzte Alternative darstellen – zumindest sollte intensiv über die Wertigkeit des Zahnes nachgedacht werden.

Die Lösung der Probleme kann nur bedeuten: Im Idealfall versuchen Patient und das Team des Zahnarztes ein Leben lang, die erste Karies und die erste Zahnfleischentzündung zu verhindern. Haben die Zähne jedoch schon viel „erlebt“, ist eine sehr engmaschige Betreuung in der Zahnarztpraxis vonnöten – nur durch Ausschalten der Ursachen verhindert man die Neuerkrankung.

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Unfälle, bei denen auch die Zähne in Mitleidenschaft gezogen werden, sind ziemlich häufig. Die Statistik sagt, dass immerhin jedes dritte oder vierte Kind bis zu seinem 16. Lebensjahr einen unfallbedingten Zahnschaden erleidet – ob in der Schule oder in der Freizeit insbesondere bei Ball- und Kontaktsportarten sowie beim Inline-Skaten oder Mountain-Biken. Am häufigsten von Verletzungen betroffen sind dann die Schneidezähne („Frontzahntrauma“). Art und Umfang der Schäden reichen vom Abbrechen einer kleinen Zahnschmelzkante bis hin zum Totalverlust des Zahnes, in besonders heftigen Fällen sogar kombiniert mit einem Bruch des Kieferknochens.

Vorbeugen verhindert Schlimmeres

Gerade bei sogenannten „Risikosportarten“, in denen Stürze oder Körperkontakt nahezu unvermeidbar sind, ist es überaus ratsam, seine Zähne zu schützen. So empfiehlt sich beispielsweise beim Radfahren das Tragen eines Helmes mit integriertem Kinnbügel. Auch Hockeyspielen ohne Zahnschutz ist beinahe schon fahrlässig. Fragen Sie also am besten Ihren Zahnarzt/Ihre Zahnärztin nach einem sogenannten „Mouthgard“. Das sind spezielle Schienen aus mehreren Lagen elastischen Kunststoffs, die nach Herstellung eines Abdrucks (wie für eine Zahnspange) individuell angefertigt und angepasst werden können. Gegenüber den Billigangeboten aus dem Sportgeschäft („konfektionierter Mundschutz“) sind diese viel passgenauer und bequemer. Sie behindern auch nicht beim Atmen. Diese individuelle Lösung kostet zwar mehr und sollte auch in regelmäßigen Abständen an das Kieferwachstum angepasst werden. Die Investition zahlt sich aber aus: Experten haben errechnet, dass der unfallbedingte Verlust nur eines einzigen Schneidezahnes durchaus lebenslange Folgekosten zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro nach sich ziehen kann.

Zahntrauma, was tun?

Hat sich ein Unfall mit Zahnbeteiligung ereignet, sollte man natürlich schleunigst seinen Zahnarzt/seine Zahnärztin – am Wochenende den Notdienst oder die Klinik - aufsuchen. Ist sogar ein kompletter Zahn ausgeschlagen (in der Fachsprache sprechen wir von „Avulsion“), heißt es unbedingt: Nerven bewahren. Es gibt auch dann noch sehr gute Chancen einer „Zahnrettung“ durch Wiedereinpflanzen („Reimplantation“) und dauerhaftes Einheilen in den Kiefer. Die wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass die sehr empfindliche Wurzelhaut nicht noch weiteren Schaden nimmt. Das ist schon beim Austrocknen der Wurzeloberfläche nach 20 bis 30 Minuten der Fall. Daher empfiehlt sich für den Notfall folgendes Vorgehen:

  • Blutstillung (Erste Hilfe), von außen kühlen
  • Zahn suchen und nur im Bereich der Zahnkrone, nicht der Wurzel anfassen
  • Zahn auf keinen Fall von Schmutzpartikeln reinigen oder gar desinfizieren
  • Transport des ausgeschlagenen Zahnes in einem „feuchten Medium“, hervorragend geeignet: „Zahnrettungsbox“ (z.B.: „Dentosafe“ oder „SOS Zahnbox“), ansonsten kalte H-Milch, noch empfehlenswert: Kunststoff-Folie, Kochsalzlösung, ungeeignet: normales Wasser, trockene Aufbewahrung oder Speichel
  • Schnellstmöglich Zahnarzt oder Zahnklinik aufsuchen
  • Nach der zahnärztlichen Behandlung auch an Tetanus-Impfschutz denken

Zahnrettungsboxen gibt es mittlerweile in vielen Schulen und Sportvereinen. Darin enthalten ist ein spezielles Zell-Nährmedium, das ein Wiedereinpflanzen von Zähnen bis zu 48 Stunden nach dem Unfallereignis ermöglicht. Auch für größere abgebrochene Zahnfragmente empfiehlt sich der Transport in einem solchen Spezialbehälter.

 Dr. med. dent. Dirk Erdmann

FAQ's
Dokumente
Patientenbroschüre Diabetes
Informationen für Diabetiker und Tipps für den Zahnarztbesuch
Wurzelkanalbehandlung Kassen- oder Privatleistung
Behandlungen und Kosten
Service

Gesetzlich Versicherte erhalten einen Heil- und Kostenplan von ihrem Zahnarzt, wenn sie Zahnersatz benötigen. Das Formular und die Eintragungen sind für Laien jedoch schwer zu verstehen. Die Initiative proDente stellt daher jetzt eine interaktive Online-Erklärung zur Verfügung, die den Heil- und Kostenplan (HKP) für Patienten aufschlüsselt. Ein ergänzenden Informationsblatt zum HKP kann von Patienten kostenfrei unter 01805/55 22 55 bestellt werden.

Das Thema Hygiene geht jeden etwas an! Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat eine neue Informationsseite ins Leben gerufen: www.infektionsschutz.de. Diese Homepage bietet umfassende Inhalte zum Thema und ist ansprechend und interessant gestaltet. Eine hilfreiche Infoseite gerade auch für den Patienten.

Bei allen Fragen rund um Ihre Zähne, Ihre Behandlung oder deren Abrechnung können Sie sich kostenlos telefonisch oder auch per Mail oder Brief an die Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein wenden.

Zahnärztekammer Nordrhein

- Patientenberatungsstelle -

Postfach 10 55 15

40046 Düsseldorf

E-Mail: informationen-fuer-patienten(at)zaek-nr.de

Für Patienten wurde eigens eine Telefon-Hotline eingerichtet. Diese erreichen Sie mittwochs in der Zeit von 14.00 bis 17.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 / 52 60 500. Dort beantworten Zahnärzte Ihre Fragen rund um die zahnärztliche Behandlung.

Die Initiative proDente e.V. bietet viele verschiedene Informationsmaterialien für Patienten an. Die Broschüren und Flyer können kostenlos bestellt oder als PDF-Datei auf der Webseite von proDente heruntergeladen werden.

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Patientenberatungsstelle
Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein Telefon-Hotline für Patienten mittwochs von 14.00 bis 17.00 Uhr
Postfach 10 55 15
40046 Düsseldorf
0800 / 52 60 500 (Mi 14-17 Uhr)
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Zahngesunde Ernährung

Gesunde Ernährung ist entscheidend für den Zustand unserer Zähne. Nicht jeder weiß, was gut, was schlecht für unsere Zähne ist und weshalb.
Artikel

Wer sich an bestimmte Regeln in Sachen Ernährung und Zahnpflege hält, hat gute Chancen, bis ins hohe Alter schöne und gesunde Zähne zu besitzen.

Es gibt Nahrungsmittel, die unsere Zähne stärken und schützen, und Essen, das sie krank macht.

Neben Zucker gibt es auch unbekannte Angreifer für die Zähne. Dazu gehört die Stärke, wie sie zum Beispiel in Chips vorkommt. Im Gegensatz dazu helfen Käse und grüner Tee unsere Zähne zu erhalten.

Gemüse wie Karotten oder Sellerie muss gründlich gekaut werden. Dadurch wird das Zahnfleisch massiert. Außerdem reinigt der vermehrte Speichelfluss die Zähne sowie die Zahnzwischenräume und neutralisiert große Mengen an Säuren.

Fast Food-Ernährung beeinflusst nicht nur das Körpergewicht, sondern auch die Mundgesundheit stark. Durch häufige und regelmäßige zuckerhaltige Nahrung wird das Kariesrisiko vervielfacht. Eine ballaststoff- und vitaminarme Ernährung mit hohem Zucker- und Fettanteil beeinträchtigt das Immunsystem.

Die Lebensbedingungen der Menschen- so auch die Nahrungswahl - haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnte durch die Industrie- und Informationsgesellschaft stark verändert. Zu den Folgen des modernen Lebensstils zählt eine drastische Zunahme der Kalorienaufnahme bei gleichzeitig tendenziell geringerer körperlicher Belastung. Als Folge droht Übergewicht.

BMI beeinflusst das Kariesrisiko

Der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) bewertet das Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße. Dabei bestehen Abhängigkeiten zwischen dem BMI und der Mundgesundheit eines Menschen. Ein niedriger BMI ist statistisch mit Kariesfreiheit und ein hoher BMI mit einem hohen Kariesbefall verbunden. Geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen hierbei nicht.

Ein höheres Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) besteht bei Kindern aus Familien mit geringem Einkommen, bei Kindern mit Migrationshintergrund und bei Kindern, deren Mütter ebenfalls übergewichtig sind. Hier verdoppelt sich die Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Fünf Tipps für Kinder und Jugendliche gegen Karies und Übergewicht:

  • Viel trinken, am besten Wasser und Mineralwasser
  • Auf Zwischenmahlzeiten verzichten
  • Mahlzeiten zu Hause und in Ruhe einnehmen
  • Bei Abendmahlzeiten die Kohlehydrate reduzieren
  • Viel Bewegung: Für jede Minute, die sitzend vor dem Computer verbracht wird, eine Minute bewegen!

Ernährungslenkung in der Zahnarztpraxis

Mund- und Körpergesundheit sind eng miteinander verbunden. Daher ist das Team der Zahnarztpraxis sogar in die Ernährungslenkung eingebunden: In den Vorsorgeprogrammen der Gesetzlichen Krankenkassen (FU, IP 2) ist die Ernährungsberatung fest verankert.

Flexible Ernährungskontrolle

Fast Food - einschließlich des Konsums meist zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke - nimmt seit 30 Jahren Einfluss auf unser Ernährungsverhalten. 1947 wurden noch durchschnittlich 100 Flaschen (333 ml) Softdrinks pro Jahr getrunken. Heute werden dagegen mehr als 600 Flaschen pro Jahr verzehrt. Das bedeutet, jeder Mensch trinkt pro Tag mindestens 2 Flaschen oder 700 ml.

Speisen und Getränke aus Schnellrestaurants werden von etwa einem Drittel der männlichen und einem Sechstel der weiblichen Jugendlichen mindestens einmal pro Woche verzehrt. Mit den Risiken der energiedichten Mahlzeiten muss man umgehen lernen: Verbote lassen sich bei Kindern und Jugendlichen kaum durchsetzen, eine flexible Ernährungskontrolle ist gefragt. Zwei, drei Fast-Food-Gerichte im Monat lassen sich mit einer ausgewogenen Ernährung durchaus vereinbaren.

Burger, Döner, Pizza und Pommes frites - clever eingesetzt, kann auch sogenanntes Fast Food seinen Platz in einer gesunden Ernährung haben. So kann sich eine Mahlzeit zum Beispiel aus einem Hamburger mit Obst oder aus einem Stück Pizza mit einem Salat zusammensetzen. Statt Softdrinks, die unnötig viele Kalorien liefern und zusätzlich eine hohe Säurebelastung für die Zähne darstellen, sollten lieber kalorienfreie Getränke wie Mineralwasser gewählt werden.

Bewegung ist wichtig

Was den Energiegehalt anbelangt, stellt eine Fast-Food-Mahlzeit in der Regel immer eine Hauptmahlzeit und keinen Snack dar. Man sollte diese Speisen also in Ruhe als vollwertige Mahlzeit genießen. Die trotz umsichtiger Auswahl sehr hohe Aufnahme an Kalorien kann man durch Bewegung wieder wettmachen. Am besten mit Freunden oder der Familie, denn gemeinsam macht es mehr Spaß.

Dr. med. Peter Minderjahn

Durst? Lieber Mineralwasser statt Limonade. Hunger zwischen­durch? Besser Obst statt Plunderteilchen vom Bäcker.

Weniger Zucker und Säuren bedeuten weniger Karies und Zahnerosionen - so einfach geht zahngesundes Essen. Denn Karies­bakterien wandeln Zucker zu zahnschädigenden Säuren um, und saure Lebensmittel oder Getränke gefähr­den die Zähne allein durch ihren Säuregehalt.

Und was Zähne sonst noch mögen? Kalzium, Fluoride und Vitamine für Wachstum und Erhalt der Zähne.

Tipps für den Alltag:

  • Reinigen Sie Ihre Zähne regelmäßig zweimal täglich. Ein zuckerfreies Kaugummi kann zwischendurch helfen.
  • Häufiges "Zwischendurch-Naschen" vermeiden. Denn sonst werden Kariesbakterien stetig mit Nahrung versorgt.
  • Auch herzhafte Knabbereien wie Chips enthalten Zucker und schädigen.
  • Wählen Sie möglichst zahngesunde Süßwaren, die mit ei­nem "Zahnmännchen" gekennzeichnet sind.
  • Zucker- und/oder säurehaltige Getränke wie Limonade, Cola oder Fruchtsaft möglichst meiden oder nur zu den Hauptmahlzeiten trinken. Zahnschädlicher Zucker und Säuren wirken sonst über Stunden auf die Zähne ein. Selbst Light-Varianten weisen viel Säure auf. Am besten mit einem Schluck Wasser nach­spülen oder ganz auf Mineralwasser umsteigen.
  • Nach Saurem wie Zitrusfrüchte, Essig in Salatsoßen oder Softdrinks den Speichelfluss z.B. durch Kaugummi anregen oder durch Mineralwässer neutralisieren.
  • Intensives Kauen bedeutet Gymnastik für die Mundhöhle: Feste Lebensmittel wie Vollkornbrot, Obst und rohes Ge­müse helfen beim Training. Durch das Kauen entsteht Spei­chel, der die Zähne reinigt, Säuren neutralisiert und Zahn­schmelz wieder mineralisiert.
  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich und ausgewogen. Bei verpackten Lebensmitteln geben Zutatenliste und Nährwerttabelle Auskunft über versteckte Zucker. Es lohnt auch, verschiedene Produkte zu vergleichen.
  • Kalziumhaltige Nahrungsmittel wie Milch oder Käse stärken die Zähne.
  • Fluoride (z.B. in fluoridiertem Speisesalz, Fisch oder grünem bzw. schwar­zem Tee) härten den Zahnschmelz, schützen vor Säureangriffen und hemmen Kariesbakterien.
  • Vitamin A aus gelben und orangefarbenen Obst- und Gemüsesorten fördert Wachstum und Erneuerung der Mund­schleimhaut. Vitamin C (z.B. in Zitrusfrüchten, Paprika oder Brokkoli) stärkt das Immunsystem, ist Ausgangsubstanz für das Dentin (Zahnbein) und unterstützt den Halt der Zähne. Vitamin D kann durch Sonnenlicht vom Körper selbst gebil­det werden und ist günstig für Zahnwachstum und Zahn­härtung.

Kinder lieben Süßes, für Berufstätige muss es im Alltag schnell gehen, und Ältere haben häufig Probleme mit der Mundgesundheit. Wie sich diese drei Personengruppen dennoch zahnfreundlich ernähren können, erfahren Sie hier:

Tipps für Kinder:

  • Süßes zu den Hauptmahlzeit ist erlaubt, wenn dafür süße Zwischenmahlzeiten wegfallen.
  • Auch gibt es zahnfreundliche Süßigkeiten (Zahnmännchen mit dem Schirm) als Alternative.
  • Auf Softdrinks, verdünnte Säfte, gesüßte Tees zwischen den Hauptmahlzeiten und zwischendurch verzichten. Das beste Getränk für die Zähne ist immer noch Wasser.
  • Keine süßen oder säurehaltige Getränke in Nuckelflaschen zum Durstlöschen oder Dauergebrauch geben: Nuckelflaschen­karies droht!
  • Vorsicht bei Produkten, die speziell für Kinder beworben wer­den! Sie enthalten häufig deutlich mehr Zucker als herkömmliche Produkte.
  • Für gesunde Zähne und stabile Knochen ist eine kalziumreiche Ernährung mit Milch und Milchprodukten sowie kauaktive Nahrung mit rohem Obst und Gemüse wichtig.

Tipps für Berufstätige:

  • Auch in stressigen Zeiten am Arbeitsplatz gilt: Zwischenmahl­zeiten mit Obst und Gemüse vermeiden Leistungstiefs und Hunger auf zuckerhaltige Lebens­mittel.
  • Essen Sie nicht nebenbei. Wer sich bewusst Zeit zum Essen nimmt, behält den Überblick und greift nicht so schnell zu Fast Food oder Süßem.
  • Mitgebrachtes kann eine gute Alternative zur Imbissbude um die Ecke sein. Einfach beim Kochen zu Hause eine Portion für die Arbeit abfüllen oder für später einfrieren.
  • Belegte Brote (z.B. Käse) schmecken mit Salatblatt, Gurkenscheibe oder Gemüse nicht nur besser, sondern liefern auch zahngesundes Kalzium und Vitamine.
  • Zuckerfreie Kaugummis nach den Mahlzeiten regen den Speichelfluss an und stärken damit Reinigung und Abwehr in der Mundhöhle

Tipps für Senioren:

  • Da das Durstempfinden im Alter abnimmt, sollten ältere Men­schen bewusst eine Tages-Trinkmenge von mindestens 2 l festlegen. So kann Mundtrockenheit vorgebeugt und genügend Speichel produziert werden. Dieser unterstützt die Reinigung der Zähne, neutralisiert zahnschädi­gende Säuren und hilft, Mineralverluste im Zahnschmelz auszugleichen.
  • Getränke (vorzugsweise Wasser) sicht­bar, trinkbereit und ungekühlt hinstellen.
  • Zuckerfreies Kaugummi kauen. Die Kautätigkeit verstärkt den Speichelfluss.
  • Regelmäßig Obst, Gemüse und andere Lebensmittel mit ei­nem hohen Wasseranteil essen.
  • Da sich im Alter das Zahnfleisch zurückbildet, sind die Zahn­hälse verstärkt dem Angriff von Kariesbakterien ausgesetzt. Sie haben keinen schützenden Zahnschmelz. Daher sollte Zucker insbesondere als Zwischenmahlzeit möglichst gemieden werden.
  • Auch wenn das Kauen manchmal Probleme bereitet, sollten äl­tere Menschen nicht ausschließlich zu weichen Speisen greifen. Besonders empfehlenswert gerade auch für Ältere ist der re­gelmäßige Verzehr von Milch- und Vollkornprodukten, fri­schem Obst und Gemüse.

Im August ist es wieder soweit: Dann stehen auf den Schulhöfen in NRW aufgeregte Schulanfänger mit Schultüten in der Hand. Aber woher kommt eigentlich dieser Brauch?

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird in Deutschland den Kindern der Schulbeginn mit einer Schultüte „versüßt“. Die spitzen Tüten wurden damals mit Naschwerk, Obst und Nüssen gefüllt und den Kindern dann in der Schule übergeben.

Heutzutage werden die Schultüten oft bis zum Rand mit Süßigkeiten gefüllt. Die süßen Geschenke von Eltern und Verwandten sind zwar gut gemeint, leider aber Gift für die Zähne der ABC-Schützen. Die Schulkinder haben bereits bleibende Zähne im Mund, die keinem unnötig großen Kariesrisiko ausgesetzt werden sollten.

Hörspiel statt Schokolade

Je nach Interesse der Kinder bietet sich viele Möglichkeiten, die Schultüte zu füllen: Bücher, Kinderzeitschriften, Rätsel, Hörspiele oder CDS, Bastel- oder Sportartikel, ein Kuscheltier, Schulutensilien, Straßenmalkreide oder Gutscheine für gemeinsame Unternehmungen stoßen bei den Kindern meist sogar auf größeren Anklang als Schokolade und Bonbons.

Wer auf Süßigkeiten in einer Schultüte nicht ganz verzichten möchte, sollte darauf achten, dass es sich hierbei um eine maßvolle Menge von möglichst zahnfreundlichen Leckereien handelt. Diese sind zum Beispiel durch das Zahnmännchen-Logo gekennzeichnet.

Dr. med. dent. Inga Hassink

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Bei allen Fragen rund um Ihre Zähne, Ihre Behandlung oder deren Abrechnung können Sie sich kostenlos telefonisch oder auch per Mail oder Brief an die Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein wenden.

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Die Initiative proDente e.V. bietet viele verschiedene Informationsmaterialien für Patienten an. Die Broschüren und Flyer können kostenlos bestellt oder als PDF-Datei auf der Webseite von proDente heruntergeladen werden.

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Mundhygiene & Zahnpflege

Die richtige Mundhygiene ist das A und O für jeden Patienten! Denn wer seine Zähne vernachlässigt, riskiert nicht nur Verfärbungen, sondern auch Erkrankungen wie Karies oder Zahnfleischentzündungen (Gingivitis), die schwere Folgen haben können.
Artikel

Die Grundregel lautet hierbei: Mindestens zweimal täglich die Zähne putzen! Darüber hinaus kann man seinen Zähnen mit einer regelmäßigen Reinigung der Zahnzwischenräume viel Gutes tun. Dabei helfen zum Beispiel Zahnseide oder Interdentalbürsten.

Zu einer individuellen Prophylaxe gehört dabei aber auch immer der Besuch beim Zahnarzt und eine Beratung durch den Zahnarzt oder sein Prophylaxeteam. Nur so erfährt der Patient, welche Pflege für seine Zähne und sein Zahnfleisch am besten geeignet ist und bekommt die richtige Technik von einem Prophylaxe-Profi gezeigt.

„Elektrische Zahnbürsten sind nur etwas für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik und für Kinder “ – so etwa lautete noch die Empfehlung der Zahnärzte bis vor etwa zwanzig Jahren. Heute ist diese Aussage nicht mehr haltbar – das will aber nicht heißen, dass „elektrisch“ immer besser ist als die gute alte Handzahnbürste.

Für die Handzahnbürsten gibt es verschiedene Techniken, hauptsächlich die KAI-Technik für Kinder und die Fones- und die Basstechnik für Erwachsene.

Kinder lernen die KAI-Technik im Kindergarten und werden in der ab dem sechsten Lebensjahr beginnenden Individualprophylaxe beim Zahnarzt langsam von kreisförmigen Bewegungen (Fones) auf rüttelnde Bewegungen im 45 Grad-Winkel (Bass) umgestellt.

Die Bass-Technik gilt als „Goldstandard“, ist aber sehr schwer zu erlernen. Es bedarf viel Übung unter Anleitung. Für diese Technik sind Zahnbürstenköpfe mit geradem Borstenfeld optimal, V- förmig angeordnete Borstenfelder eher ungeeignet.

Heute gibt es so viele unterschiedliche Bürstenformen, so dass es auch keine einheitliche Empfehlung zur Kaufentscheidung mehr geben kann. Bei der Auswahl sind die Anzahl der verbliebenen Zähne, die Form eventueller prothetischer Versorgung und ganz besonders die individuelle Zahnlänge zu berücksichtigen. Auch der persönlich geübte Zahnbürstenansatzdruck ist mit bei der Wahl der Bürste mit zu bedenken.

Drehen oder Vibrieren?

Elektrische Zahnbürsten kann man heute in zwei Gruppen einteilen: Die einen vibrieren oder rotieren mit kleinsten Bewegungen, so auch die Ultraschallzahnbürsten. Durch das Vibrieren werden die kleinen Rüttelbewegungen der Bass- Technik übernommen, so dass der Anwender den Bürstenkopf nur noch hoch und runter bewegen muss.

Die andere Gruppe elektrischer Bürsten führt eine drehende Bewegung durch, dem Prinzip einer Felgenreinigung bei einer Autowaschstraße folgend. Diese Bürsten erfordern eine ganz andere Reinigungsstrategie, bei der jeder einzelne Zahn „umrundet“ werden muss.

Die richtige Zahnbürste passt zum Putzenden

Die beste Zahnbürste gibt es nicht, auch wenn die Werbung etwas anderes verspricht. Es gibt immer nur passende Zahnbürsten für individuelle Anforderungen. Was für den Einen gut sein mag, ist vielleicht für den Anderen schädlich. Deshalb sollte man sich nicht alleine auf allgemeine Testergebnisse verlassen. Eine Umstellung der Zahnputzgewohnheiten sollte immer mit der ausgebildeten Prophylaxemitarbeiterin beim Zahnarzt abgestimmt sein. Das gilt auch für die Auswahl der Zahncreme.

Vielleicht noch wichtiger als die Auswahl der Zahnbürste ist die Zahnputzsystematik: Immer beim selben Zahn anfangen, keinen auslassen und immer beim selben Zahn enden. Lässt man einige Stellen aus, schafft man Risikozonen für Karies und Parodontitis. Strapaziert man freiliegende Zahnhälse mit zu viel Anputzdruck, sägt man Furchen in die Zähne. Und: Die Zahnzwischenräume erreicht weder die elektrische noch die Handzahnbürste – dafür gibt es andere geeignete Hilfsmittel.

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Altersstruktur der deutschen Gesamtbevölkerung wesentlich verändern. Bis 2020 werden 35% der Bürger über 60 Jahre alt sein. 2008 waren es noch 25%.

In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, wird auch die Mund-, Zahn- und Prothesenpflege im Alter immer wichtiger.

Eine gute Zahn- und Mundgesundheit bedeutet ein großes Plus für die Lebensqualität - in jedem Lebensalter. Gesunde eigene Zähne, gesundes Zahnfleisch und gut funktionierender Zahnersatz sorgen für genussvolles Essen und Trinken, vitales Wohlbefinden und eine aktive Teilnahme am Leben. Dank der modernen Zahnmedizin alles längst keine Frage des Alters mehr!

Was aber ist, wenn der es dem älter gewordenem Mensch nicht mehr selbst gelingt, eine "normale" Mundpflege zu betreiben? Falls der Pflegebedürftige in einer Einrichtung lebt, kümmern sich professionelle Kräfte um den Bewohner. Aber wenn er zuhause lebt, ist der geistig und/oder körperlich eingeschränkte Senior auf die Hilfe seiner - dafür meist nicht ausgebildeten - Familie angewiesen.

Praktische Helfer erleichtern die Mundhygiene

  • Häufig helfen schon die Lesebrille und mehr Licht im Badezimmer, um die Mundhygiene deutlich zu verbessern. Spezielle Seniorenzahnbürsten mit dickerem Handgriff ermöglichen eine sichere Handhabung.
  • Auch eine elektrische Zahnbürste kann sehr hilfreich sein. Sie muss nur noch von Zahn zu Zahn geführt werden und sorgt für eine gleichmäßige, gründliche und schonende Reinigung.
  • Bei der Reinigung von engen Zahnzwischenräumen helfen Zahnpflegehilfsmittel für Zahnseide, die die Zahnseide für eine leichtere Handhabung auffädeln.
  • Bei größeren Zahnzwischenräumen können Zwischenraumbürstchen eingesetzt werden. Die Zunge kann mit einem speziellen Zungenreiniger oder einer weichen Zahnbürste von Belag befreit werden.

Festsitzender Zahnersatz

Kronen bauen einen noch fest verwurzelten, aber stark geschädigten Zahn wieder auf. Brücken schließen eine Zahnlücke. Festsitzender Zahnersatz wird wie die eigenen Zähne gepflegt.

Herausnehmbarer Zahnersatz

Wenn so viele Zähne ersetzt werden müssen, dass eine festsitzende Brücke für eine Versorgung nicht mehr ausreicht, kommen Teilprothesen zum Einsatz (Klammer-, Geschiebe-, Teleskopprothesen). Wenn ein Patient keine eigenen Zähne mehr zur Verankerung von Kronen, Brücken oder Teilprothesen hat, benötigt er eine Vollprothese.

Auch herausnehmbarer Zahnersatz ist leicht zu pflegen:

  • Die Zahnprothese nach jeder Mahlzeit herausnehmen und reinigen.
  • Am besten erfolgt die Reinigung im Waschbecken über einer weichen Unterlage, damit sie nicht beschädigt wird, wenn sie aus Versehen herunterfällt. Alternativ dazu kann das Waschbecken mit Wasser gefüllt werden.
  • Für die Reinigung der Prothese eine weiche Zahnbürste oder eine spezielle Prothesenbürste verwenden.
  • Normale Zahnpasta eignet sich nicht für die Prothesenpflege, da sie auf Dauer die Oberfläche anrauen kann. Daher besser ein spezielles mildes Reinigungsmittel verwenden, das man in der Drogerie oder Apotheke kaufen kann.
  • Nach der Reinigung die Prothese gründlich mit Wasser abspülen.

Bei Druckstellen oder anderen größeren Problemen sollte aber auf jeden Fall ein Zahnmediziner kontaktiert werden. Heutzutage gibt es viele Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in Pflegeeinrichtungen behandeln oder Hausbesuche machen.

Dr. med. dent. Erling Burk

Weiter Videos mit Tipps und Hinweisen zur Zahnpflege von Älteren, Pflegebedürftigen oder Menschen mit Behinderung haben die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in ihrem You Tube-Kanal eingestellt: https://www.youtube.com/channel/UCwmGBPNN7xOxFbtrnzN86aw

Weiterführende Informationen:

  • Die Zahnärztekammer Nordrhein gibt unter der Telefonnummer 0211-44704-216 Auskunft, welche Zahnärztinnen und Zahnärzte ihrem Zuständigkeitsbereich Hausbesuche durchführen und welche Praxen barrierefrei sind.
  • Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat auf ihrer Webseite das Faltblatt "Vorsorge ist unser Anliegen - Zahnärztliche Betreuung zu Hause für Ältere, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung" eingestellt: Download
  • Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Nordrhein bietet den Zahntipp "Zahngesundheit von Pflegebedürftigen" auf ihrer Webseite an: Download

 

 

Noch im Jahr 2001 meinten 62% der Befragten im Rahmen einer deutschlandweiten Emnid-Umfrage, dass mit der professionellen Zahnreinigung - kurz PZR - das tägliche Zähneputzen gemeint sei.

Nur sechs Prozent der Befragten wussten, dass die Politur der Zähne mit anschließender Zahnhärtung ein wichtiger Bestandteil der PZR ist. Würde man die Umfrage heute wiederholen, ergäbe es wahrscheinlich ganz andere Ergebnisse: Patienten, die noch nie eine PZR haben durchführen lassen, gehören mittlerweile eher zur Ausnahme. 

Zähneputzen beseitigt nicht alle Beläge

Und das ist gut so, denn: Karies und Parodontitis sind vermeidbar. Beide Erkrankungen entstehen durch Bakterien. Diese verkleben auf den Zahnoberflächen in fest haftende Beläge. Auch Mundgeruch kann entstehen. Die häusliche Zahnpflege zeigt jedoch nur begrenzte Wirkung – nur auf glatten Zahnoberflächen ist sie effektiv. Ein Vergleich mit der Autopflege macht es deutlich: Nur neuer oder hochglanzpolierter Lack erscheint wirklich sauber. Und unter permanentem Schmutz hinter schwer zugängigen Stoßstangen älterer Autos setzt allmählich Rost an, weil die Bürsten der Autowaschanlage dort nicht hin gelangen.

So versteht sich die professionelle Zahnreinigung als sinnvolle Ergänzung zur häuslichen Zahnpflege. Zahnärzte oder gut ausgebildete Mitarbeiterinnen in den Zahnarztpraxen kennen die Schwachstellen im Mund. Sie entfernen harte und weiche Beläge oberhalb aber auch unterhalb des Zahnfleisches. Dazu benutzen sie spezielle Geräte, die der Patient zu Hause nicht zur Verfügung hat – deswegen heißt es auch „professionelle“ Zahnreinigung.

Die Zähne werden besonders an den Stellen, die mit der häuslichen Reinigung nur schwer zu erreichen sind, tiefengereinigt, anschließend glattpoliert, mit fluoridhaltigem Gel gehärtet und somit widerstandsfähiger gemacht. Eine angenehme Nebenwirkung ist, dass die Zähne wieder sauber strahlen, ähnlich wie der frisch polierte Autolack. Am Ende der Behandlung zeigt die Prophylaxefachkraft, wie die häusliche Zahnpflege gezielt verbessert werden kann. Denn eine perfekte Pflege zu Hause hält die Zähne gesund und kann den nötigen Zeitraum bis zur nächsten Reinigung verlängern.

PZR regelmäßig wiederholen

Durch die professionelle Zahnreinigung verändert sich die gesamte Mundflora und kann sich wieder erholen. Bakterienfrei bleibt der Mund jedoch nicht - schon in kürzester Zeit besiedeln wieder ca. 60 Millionen Bakterien jeden Milliliter Speichel, die sich dann in neuen Belägen formieren können. Aber: Junge Beläge sind bei Weitem nicht so schädlich wie wochen- oder gar monatealte Beläge. Deshalb sollte die PZR regelmäßig wiederholt werden, bei Kariesgefährdung bis zu zweimal im Jahr und bei Rauchern oder bei Zahnfleischproblemen eventuell sogar öfter. Auch im Rahmen der systematischen Behandlung einer Zahnbetterkrankung (Parodontitis) ist die PZR vor der eigentlichen Therapie und auch danach sinnvoll, um die bakterielle Besiedelung des entzündeten Zahnfleischsaumes nachhaltig zu reduzieren.

Der Zeitaufwand ist unterschiedlich. Er hängt von der individuellen Pflegesituation der Zähne, vom individuellen Zahngesundheitszustand und auch vom Alter des Patienten ab. Somit sind auch die Kosten nicht einheitlich, werden aber seit dem Jahr 2012 über die Gebührenordnung GOZ reglementiert. Daraus ergibt sich eine Preisspanne von ca. 50 bis 150 Euro pro Sitzung.

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Die Zeit der Grippewellen und Erkältungskrankheiten ist angebrochen. Das Abwehrsystem des Körpers bekommt im Winter von allen Seiten etwas zu tun. Dabei spielt auch die eigene Zahnbürste eine Rolle.

Schon bei der ersten Benutzung einer Zahnbürste wird diese durch Keime besiedelt. Dies geschieht durch Speichel, Blut oder Beläge, die sich auf den Zähnen oder in den Zahnfleischtaschen befinden. Man schätzt, dass sich auf einer Zahnbürste durchschnittlich 100 Millionen Keime aufhalten. Mit diesen „hauseigenen“ Keimen kann der Körper allerdings recht gut umgehen, denn sie sind ihm bekannt.

Keime überleben außerhalb des Körpers

Leidet man an einer Erkältung oder Grippe, kommen jedoch Keime ins Spiel, die sehr krank machen können: Die Viren der Schweinegrippe H1N1 zum Beispiel überleben etwa acht Stunden auf einer Zahnbürste. Es gibt aber auch Keime, die noch widerstandsfähiger sind und noch wesentlich länger außerhalb des menschlichen Körpers überleben können.

Nach einer Erkältung, einer Grippe oder einem sonstigen Infekt sollte die Zahnbürste daher sofort ausgetauscht werden – ansonsten droht eine erneute Infektion durch die eigene Zahnbürste.

Allgemeine Regeln für den Umgang mit der Zahnbürste:

  • Die Zahnbürste niemals mit jemandem teilen
  • Nach der Benutzung die Zahnbürste unter fließendem Wasser gründlich ausspülen
  • Durch Ausschlagen überschüssiges Wasser aus dem Bürstenfeld klopfen
  • Die Zahnbürste mit dem Kopf nach oben trocknen lassen
  • Transport nur in luftdurchlässigen Behältnissen
  • Keine Zahnbürsten mit Naturborsten verwenden
  • Nach einem Infekt die Zahnbürste sofort auswechseln
  • Ansonsten alle acht Wochen eine neue Zahnbürste nehmen

Dr. med. dent Thomas Heil

"KAI“ müsste mittlerweile jedes Kind kennen. Die leicht zu merkende Buchstabenfolge steht nämlich für das optimale System, um die Zähne sauber zu halten und vor Karies zu schützen:

  • K Man beginnt auf der Kaufläche, natürlich auf allen Seiten im Ober- und im Unterkiefer,
  • A setzt die Reise durch den Mund fort, indem die Außenflächen geputzt werden und
  • I landet schließlich auf den Innenflächen (siehe Abbildungen unten).

Drei Buchstaben – Drei Minuten ist auch der Zeitraum, den man braucht, um alle Zähne und alle Zahnflächen gründlich zu reinigen. Wer es perfekt machen will, benutzt zur Kontrolle eine (Zahnputz-)Uhr.

Eltern putzen Kinderzähne (nach): „KAI-Plus“

Zähneputzen ist nicht einfach und will gelernt sein. Kinder verfügen in den ersten Lebensjahren noch nicht über dieselben feinmotorischen Fähigkeiten wie Erwachsene. Insbesondere Bewegungen im Handgelenk, die beispielsweise für die Reinigung der Innenflächen (siehe oben) wichtig sind, fallen zunächst schwer oder sind noch gar nicht möglich. Mit dem Begriff „KAI-Plus“ wollen wir Zahnärzte den Eltern daher nahebringen, dass sie unbedingt die Zähne ihrer Kinder abends nachputzen sollten – und dies mindestens bis zum Ende des ersten Schuljahres. Als Faustregel gilt: Wenn ein Kind flüssig die Schreibschrift beherrscht, kann es auch „richtig die Zähne putzen“.

„Schulzähne“ können schon vor dem 6. Lebensjahr kommen!

Beim Erscheinen der ersten bleibenden Backenzähne im Alter von ungefähr sechs Jahren (Achtung: Hierfür fällt kein Milchzahn vorher aus!) müssen diese mitgeputzt werden. Das ist deshalb schwierig, weil die „Schulzähne“ erst langsam nach oben wachsen. Solange gibt es hinter dem letzten Milchbackenzahn noch eine Stufe. Bei normalem Putzen erreicht die Zahnbürste die neuen Zähne also nur unzureichend. Hier droht Kariesgefahr! Deshalb empfehlen Experten, in diesem Lebensalter zusätzlich zur KAI-Systematik hinten noch einmal in allen vier Kieferhälften „quer zu putzen“ (siehe Abbildung rechts).

Die ersten bleibenden Backenzähne kommen häufig aber schon wesentlich früher. Der Zahnarzt erkennt dies bei Einhalten der regelmäßigen Untersuchungen sofort, da Zahnfleisch und Kiefer in diesem Bereich schon eine ganze Zeit vorher etwas anschwellen. Der „Durchbruch“ des Zahnes kündigt sich an. Lassen Sie sich in Ihrer Zahnarztpraxis auch bei den Vorsorgeuntersuchungen darüber beraten, welche Zahnpasta, welche Zahnbürste und welche Zahnputztechnik am besten für Ihr Kind geeignet ist.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

Zahnputzmittel werden schon seit Jahrtausenden beschrieben und angewandt. Alte Zeugnisse berichten, dass schon um 4000 v. Chr. eine Art Zahnpasta und Mundwasser verwendet wurden. Bei den alten Griechen um 480 v Chr. bestand die Zahnpasta aus Tiermehl oder Zahnmehl. Man glaubte, dass sie dem Benutzer starke Zähne verleihen oder sie gar nachwachsen lassen.

Die Hauptaufgabe der Zahnpasta ist es, die äußerste Zahnschicht und das Zahnfleisch von schädlichen Bakterien und Belag zu befreien und den Zahnschmelz zu stärken, um Karies zu verhindern. Gleichzeitig wirken die Inhaltsstoffe desinfizierend und bakterienhemmend in der Mundhöhle.

Die Zahnpasten heute bestehen aus vielen verschiedenen Inhaltsstoffen:

  • Abrasive Stoffe, die die Zahnpastakonsistenz beeinflussen und mit den Schleifpartikeln die Zahnverfärbungen entfernen
  • Silizium, Aluminiumoxid, Kalziumphosphat, Kalziumkarbonat
  • Schaumbildner zur besseren Verteilung der Reinigungswirkung

Weiterhin sind den Cremes oder Gels zugemischt:

  • Fluoride zur Kariesvorbeugung
  • Monofluorphosphate, zur Förderung der Remineralisierung
  • Triclosan mit desinfizierender, antibakterieller Wirkung
  • Chlorhexidin zur Plaquekontrolle
  • Zinksalze, die dem Mundgeruch vorbeugen
  • Di- und Trisodium, Pyrophosphate zur Zahnsteinvorbeugung
  • Strontiumchlorid gegen empfindliche Zahnhälse

Darüber hinaus enthalten die Produkte in unterschiedlicher Zusammensetzung:

  • Feuchthaltemittel, die die Paste vor dem Austrocknen bewahren
  • Geschmacksstoffe wie Menthol, Pfefferminze, Thymol und Eukalyptus
  • Verdickungsmittel für die Konsistenz
  • Süßstoffe

Die Zahnpasta ist mit der Zahnbürste das wirksamste Hilfsmittel gegen Karies und Zahnbetterkrankungen. Beim Kauf beachten: Die Zahnpasta sollte Fluoride enthalten, einen angenehmen Geschmack besitzen und die Schleimhäute nicht reizen.

Ganz egal ob in weiß oder mit Streifen: Mindestens zweimal täglich sollte jeder eine Zahnpasta benutzen. Die Auswahl im Laden ist allerdings riesig und viele Produkte versprechen einen Komplettschutz für Zähne und Zahnfleisch. Stiftung Warentest (test, Ausgabe 03/2013) zeigt: Fast alle Produkte beugen Karies sehr gut vor. Unter den besten sind auch preiswerte Zahnpasten. Getestet wurden 20 Zahnpasten zum täglichen Gebrauch für jedermann. Der Preis variierte dabei von 0,31 Euro bis 5,25 Euro je 100 Milliliter.

Je nach Situation und Krankheit braucht man eine besondere Zahnpasta. Die Zahnarztpraxis berät gerne und gibt eine Empfehlung.

Dr. med. Peter Minderjahn

Griffverstärkung für die Zahnbürste, Dreikopfzahnbürste oder Mundschleimhaut befeuchten - es gibt zahlreiche wichtige Hinweise, die helfen, die Mundgesundheit von Hochbetagten, Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung zu erhalten.

1,3 Millionen und damit etwa die Hälfte der pflegebedürftigen Menschen werden in Deutschland im eigenen Zuhause ausschließlich von Familienangehörigen oder nahestehenden Personen gepflegt - ohne professionelle Unterstützung. Vor diesem Hintergrund haben die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) gemeinsam die wichtigsten Hinweise zur Mund- und Zahnpflege in zwölf Kurzfilmen zusammengefasst.

Schlecht gepflegte Zähne können krank machen - Risikofaktoren für die Mundgesundheit

Zahnbelag, Karies, Zahnfleischentzündung - mögliche Folgen auch für die Allgemeingesundheit.

Sprechen, Lachen, Essen und Schmecken - Mundgesundheit bringt Lebensqualität

Mundtrockenheit kann Beschwerden machen. Achten Sie darauf, dass die pflegebedürftige Person ausreichend trinkt und kaut.

Gezielt Erkrankungen vorbeugen - Zahnpflege für Pflegebedürftige

Im Alter liegen die Zahnhälse frei und die Lücken zwischen den Zähnen werden größer. Speisereste können leichter hängen bleiben.

Tipps zur Zahn- und Mundpflege bei pflegebedürftigen Senioren

Zahnbürsten mit größeren, robusten Griffen können Personen mit eingeschränkter Feinmotorik das Zähneputzen erleichtern.

Problem Mundtrockenheit – Reinigung und Befeuchtung der Mundschleimhäute

Eine feuchte Mundschleimhaut ist wichtig, um Kauen, Schlucken und Sprechen zu können. So können Sie helfen.

Medikamente im Mund anwenden –Einsatz von Medikamententrägern

Kunststoffschienen können helfen, dass Medikamente im Mund gut wirken.

Zahnersatz – Teilprothesen oder Vollprothesen richtig ein- und ausgliedern

Was Sie beim Rausnehmen von Zahnersatz beachten sollten. Hinweise und Tipps, wie es am besten geht.

Herausnehmbarer Zahnersatz - Prothesen richtig reinigen

Zahnprothesen sollten zwei Mal am Tag gereinigt werden. Hinweise und Tipps, wie es geht.

Zahnprothesen – Korrekte Anwendung von Haftcreme

Herausnehmbarer Zahnersatz sollte fest sitzen, damit es keine Druckstellen im Mund gibt. Tipps und Kniffe zum Reinigen von Prothesen und zum Auftragen von Haftcreme.

Mundpflege bei Menschen mit Behinderung

So helfen Sie Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung bei der Zahn- und Mundpflege. Verdickte Bürstengriffe, dreiköpfige Zahnbürsten und eine hilfreiche Technik werden erklärt.

Entzündungen im Mund entdecken - Kontrolle der Mundhöhle

Veränderungen im Mund sollten rechtzeitig entdeckt werden. Kontrollieren Sie den Mund bei der täglichen Mundhygiene.

Suppe oder Kauen? Zahngesunde Ernährung im Alter

Ein guter Speichelfluss ist wichtig. Einige Nahrungsmittel, Ideen und Tipps, wie Sie ihn anregen können.

Die häusliche Pflege ist das A und O für einen gesunden Mund. Die Zahnseide oder das Tape ist neben anderen Hilfsmitteln wie Zahnhölzchen, Zahnzwischenraumbürste oder Paro-Stick ein unverzichtbares Mittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume. Gewachst, ungewachst oder mit Halterung – Zahnseide gibt es in vielen Varianten.


Tägliches Zähneputzen ist wichtig – denn es entfernt schädlichen Zahnbelag, auch Plaque oder Biofilm genannt. Dieser besteht aus einer Vielzahl von Bakterien, die sich auf der Zahnoberfläche und den Zwischenräumen festsetzen. Verbleiben die Bakterien zu lange, greifen sie den Zahnschmelz an und schädigen das Zahnfleisch. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Karies, Zahnfleischentzündung und Zahnbetterkrankungen.


Die Zahnbürste reicht nicht aus!


Die regelmäßige Reinigung mit Zahnbürste und Zahncreme stellt die Basis dar, um die Zähne und das Zahnfleisch gesund zu erhalten.

Um die Zähne gründlich zu reinigen, braucht man mehr als eine Zahnbürste. Sie reinigt nur die Glatt- und Kauflächen gut und zuverlässig von schädlichem Zahnbelag. In die Zwischenräume dringt sie nicht effektiv ein. Die fehlenden 30 Prozent der Reinigung übernimmt die Zahnseide.


In anderen Ländern wie den USA, Skandinavien, Schweiz und Holland gehört der Gebrauch von Zahnseide schon ganz selbstverständlich zur täglichen Mundhygiene. Hier in unseren Breiten ist die Effektivität dieser Zahnpflege weniger gebräuchlich. Sie wird nur von etwa jedem 10. genutzt Dabei ist kaum ein anderes Hilfsmittel der Mundhygiene für junge Menschen so empfehlenswert für die Entfernung von Speiseresten und übel riechender Plaque aus den Zahnzwischenräumen.


Die Hygienemittelindustrie bietet ein reichhaltiges Angebot an Produkten, die den individuellen Bedürfnissen nachkommen:

 

  • dicke und dünne Fäden
  • Floss und Tape
  • Zahnseide fluoridiert mit und ohne Aromastoff
  • glatte und raue Produkte
  • Fäden mit medizinischen Zusätzen wie Fluorid oder Chlorhexidin
  • Zahnseide für unterwegs und zuhause
  • Spezialzahnseiden für Implantate
  • Elektrische Zahnseide

Je größer das Interesse an Ihrer Zahngesundheit wird, umso wertvoller wird die Zahnseide zur Plaqueentfernung, zur Entfernung von eingebissenen Speiseresten und zur Bekämpfung von Mundgeruch.


Für jede Mundsituation die richtige Seide!

Die Empfehlung von Zahnseide erfordert eine maßgeschneiderte, individuelle Hygieneanleitung, die Sie durch Ihre Zahnarztpraxis erhalten


Wie benutzte ich die Zahnseide richtig?

Empfehlenswert ist die Anwendung der Zahnseide vor dem Schlafengehen. Dabei ist es egal, ob vor oder nach dem Zähneputzen. Entscheidend ist vor allem, das der schädliche Zahnbelag einmal täglich systematisch entfernt wird.

Für eine Anwendung mit Fädeltechnik werden ungefähr 50 Zentimeter Zahnseide benötigt. Die Zahnseide am besten mit Daumen und Zeigefinger halten. Man kann sie auch um den Mittel- oder Zeigefinger wickeln.

Anschließend die Zahnseide durch Vor- und Zurückbewegen in den Zahnzwischenraum einführen und den Zahnbelag durch Auf- und Abwärtswegen entfernen. Für jeden weiteren Zwischenraum ein neues Stück der Zahnseide benutzen.


Wichtig!

Zahnfleischbluten sollte nach regelmäßigem Reinigen der Zahnzwischenräume mit Zahnseide aufhören.

Grundsätzlich Zahnfleischbluten vom Zahnarzt abgeklärt werden.


Historie:

Die Zahnseide, daher auch der Name des Hygieneproduktes, geht auf eine Empfehlung von Dr. Levi Spear Parmly aus New Orleans zurück, der seinen Patienten 1815 empfahl, die Zahnzwischenräume mit einem dünnen Seidenfaden zu reinigen. 1883, 67 Jahre später, produziert die Fa. Codman and Shurtleft Comany in Randolpf, MA die erste kommerziell erhältliche ungewachste Zahnseide.

1896 entwickelte Johnson & Johnson, MJ ihre Zahnseide und erhielt zwei Jahre später darauf das erste Patent.

Um 1940 folgten weitere Produkte in Form von gewachster Seide und in den 50iger Jahren die bandartige Seide (Tape).


Dr. med. Peter Minderjahn

Die Reinigung der Räume zwischen den einzelnen Zähnen ist zwar nicht einfach, aber es ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Entfernung von Belägen und damit unabdingbar, möchte man Karies und Parodontitis vermeiden. Am ehesten lässt sich die Zwischenraumpflege mit der Unterbodenwäsche bei einem Auto vergleichen, bei dem nach einer Spritztour über mit Salz enteiste Straßen eine einfache Fahrzeugwäsche zur gründlichen Reinigung nicht mehr ausreicht. Das Salz des Straßendienstes auch aus den kleinsten Ritzen zu entfernen entspricht der gründlichen Pflege der Zahnzwischenräume.

Eine Zahnbürste erreicht nur etwa 70 Prozent der Fläche eines Zahnes, der Rest bleibt - ohne Zwischenraumpflege - einfach schmutzig. Diesen Bereich sollte man mindestens einmal pro Tag reinigen. Ob man dieses vor oder nach dem Zähneputzen macht, ist dabei nicht entscheidend.

Auch die Stiftung Warentest bestätigt (test, Ausgabe 09/2012): „Der Pflegezustand des Gebisses besserte sich bei allen Probanden – egal, ob sie Zahnseide, Tape, Flauschzahnseide oder Interdentalbürste benutzten.“ Die Größe des Zahnzwischenraumes entscheidet letztendlich über das auszuwählende Hilfsmittel. Von Dünn nach Dick in aufsteigender Größe nachfolgend aufgelistet:

  • Zahnseide findet Anwendung bei ganz engen Zwischenräumen
  • Superfloss (aufgeschäumte Zahnseide), wenn die Zahnseide ohne Widerstand und ohne Reinigungseffekt durch den Zahnzwischenraum gleitet
  • Interdentalbürstchen, wenn die Zähne weiter auseinander stehen und die Zwischenräume größer werden

Die Bürstchen gibt es in unterschiedlichen Größen, sie werden vor allem zur Pflege der Zähne beim Tragen einer Zahnspange, bei Brücken, Implantaten oder im durch Parodontitis vorgeschädigten Gebiss genutzt. Sind unterschiedlich große Zwischenräume in ein und demselben Gebiss vorhanden, kann es notwendig sein, verschiedene Hilfsmittel, wie z.B. Zahnseide und Interdentalbürstchen und/oder Superfloss einzusetzen. Bei der Auswahl des richtigen Hilfsmittels und der Anleitung zur richtigen Anwendung ist Ihnen die Zahnarztpraxis Ihres Vertrauens sehr gerne behilflich – sprechen Sie Ihren Zahnarzt an!

Die Handhabung der ganzen Technik ist nicht ganz einfach, aber auch hier gilt: Übung macht den Meister! Zusätzlich zur eigenen Pflege ist zudem mindestens zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung (PZR) bei Ihrem Zahnarzt als Karies- und Paradontitisprophylaxe sinnvoll.

Dr. med. dent. Thomas Heil

Zungenreinigung

Karies und Parodontitis sind bakteriell verursachte Erkrankungen. Da liegt es nahe, dass die bakteriell belegte Zunge mit in ein Mundhygienekonzept eingegliedert wird. Doch die Zusammenhänge sind komplizierter, als es sich der Laie auf Anhieb vorstellt.

Denn Karies und Parodontitis werden nicht durch frei im Mund umherschwirrende Bakterien ausgelöst. Klebriger und fest an den Zähnen haftender Belag, die Plaque ist verantwortlich, und die gilt es, bei der häuslichen Zahnpflege zu entfernen, bevor sie schadet. Die gezielte und gründliche Plaqueentfernung lernt sich aber nicht von selbst. Beim Erhalt der Mundgesundheit ist immer eine Unterstützung durch die Prophylaxeassistentin in der Zahnarztpraxis hilfreich. Dazu gehört auch die tägliche Entfernung der Beläge im Zahnzwischenraum. Die Zahnbürste gelangt dort aber nicht hin, deshalb sind Zahnseide, spezielle Zahnzwischenraumbürstchen oder Zahnhölzchen unverzichtbar.

Deutlicher Nachholbedarf

Deutsche Verkaufszahlen dieser Produkte und auch die Zahl der Neuerkrankungen belegen, dass hier noch ein deutlicher Nachholbedarf besteht. Ist die häusliche Zahnreinigung erfolgt, bleiben immer noch Restbeläge übrig. Hier müssen Profis ran: Die regelmäßige professionelle Zahnreinigung in individuell festzulegenden Abständen durch die Prophylaxeassistentin bewirkt, dass diese Restbeläge gründlich entfernt werden.

„Vergiss die Zunge nicht“ lautet eine Kampagne mit dem Aufruf, auch die Zunge regelmäßig zu reinigen. Asiaten machen dies schon seit Jahrhunderten. In der traditionellen chinesischen Medizin hat die Diagnostik und Pflege der Zunge schon immer einen sehr hohen Stellenwert. Und tatsächlich: In der modernen Parodontologie gibt es neue Konzepte, in denen begleitend zur üblichen zahnärztlichen Therapie auch der gesamte Mundraum nebst Zunge desinfiziert wird, um den „Nachschub“ der Problemkeime zu reduzieren. Bei diesen Problempatienten wird auch die tägliche mechanische Reinigung der Zunge empfohlen. So plausibel diese Empfehlung auch ist: Ein wissenschaftlicher Beweis für die Wirkung der täglichen Zungenreinigung steht noch aus, wenn auch erste Erfahrungen zumindest einen leicht positiven Effekt vermuten lassen. Bewiesen ist, dass die mechanische Zungenhygiene bei sachgemäßer Anwendung nicht schadet.

Anders verhält es sich bei Mundgeruchproblemen. Immerhin leidet ein Drittel der Bevölkerung unter schlechtem Atem, oft, ohne es zu wissen – denn die eigene Nase gewöhnt sich schnell an den eigenen Geruch. Über 90 Prozent der Ursachen liegen im Mundbereich, der oft beschuldigte Magen ist nur selten der Verursacher. Verantwortlich sind oft flüchtige Schwefelverbindungen aus absterbenden Schleimhautzellen und Bakterien.

Hilfreich gegen Mundgeruch

Bei Mundgeruch ist die mechanische Zungenreinigung sinnvoll. Zumindest in der ersten halben Stunde nach der Reinigung reduziert sich dadurch die Geruchsempfindung oft deutlich. Die heute käuflich zu erwerbenden Zungenreiniger sind durchaus akzeptabel: Lösten ältere überdimensionierte Modelle bei vielen Patienten schon beim bloßen Anblick einen Würgereiz aus, sind mittlerweile verschiedene Modelle in Zahnbürstengröße erhältlich.

Die Zungenhygiene alleine reduziert aber das Mundgeruchproblem nicht auf Dauer. Meistens ist eine umfangreiche zahnärztliche Diagnostik und Therapie nötig, denn die für Mundgeruch verantwortlichen Schwefelverbindungen findet man auch im Bereich von Karies, rauen Kronen- und Füllungsrändern und insbesondere in parodontalen Wunden, bzw. Wundtaschen. Deshalb ist der Zahnarzt auch bei Mundgeruchproblemen immer der richtige Ansprechpartner.

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

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Die neue App "Alles sauber?" soll das Zähneputzen bei Kindern fördern. Die Kinder füttern je nach Vorliebe ein Pferd, einen Hund oder einen Hasen. Doch wie werden deren Zähne wieder sauber? Da hilft die rote Zahnbürste weiter. Die Kinder wischen mit der Bürste über den Bildschirm und nach und nach strahlen die Zähne wieder. Dann werden die Kinder aufgefordert, ihre eigenen Zähne zu putzen. Zu guter Letzt darf ein Foto der sauberen Zähne geschossen werden. Wer noch etwas Hilfe bei der Technik benötigt, bekommt wichtige Tipps der Initiative proDente, die die App auch sponsort. Die App steht kostenlos im iTunes App Store zur Verfügung: https://itunes.apple.com/de/app/alles-sauber-zahne-putzen/id642318964?mt=8

Frühkindliche Karies, oder auch Nuckelflaschenkaries, ist ein zunehmendes Problem. Zu viele Kleinkinder haben bereits stark zerstörte Zähne. Die Bundeszahnärztekammer hat daher gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband einen textfreien Comic zur Zahnpflege und Mundgesundheit bei Kleinkindern herausgegeben. Der Comic richtet sich an alle jungen Eltern. Durch den sparsamen Gebrauch von Worten wird er auch von denen verstanden, die nicht gut oder gerne lesen.

Bei allen Fragen rund um Ihre Zähne, Ihre Behandlung oder deren Abrechnung können Sie sich kostenlos telefonisch oder auch per Mail oder Brief an die Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein wenden.

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Für Patienten wurde eigens eine Telefon-Hotline eingerichtet. Diese erreichen Sie mittwochs in der Zeit von 14.00 bis 17.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 / 52 60 500. Dort beantworten Zahnärzte Ihre Fragen rund um die zahnärztliche Behandlung.

Die Initiative proDente e.V. bietet viele verschiedene Informationsmaterialien für Patienten an. Die Broschüren und Flyer können kostenlos bestellt oder als PDF-Datei auf der Webseite von proDente heruntergeladen werden.

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