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Prophylaxe & Vorsorge

Die Mundgesundheit steht in enger Wechselwirkung mit der Gesundheit des gesamten Körpers. Eine gute Mundgesundheit ist auch die beste Voraussetzung für einen guten Gesamtorganismus - gesund sein beginnt also im Mund!
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Unter dem Begriff Zahn-Prophylaxe werden alle Maßnahmen zusammengefasst, die der Gesunderhaltung der Zähne dienen. Dazu gehören:

  • Eine gesunde zahnerhaltende Ernährung.
  • Die sorgfältige Mundhygiene in den eigenen vier Wänden (mindestens 2 mal täglich mit Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide).
  • Regelmäßige kostenfreie Kontrollen durch den Zahnarzt (zweimal jährlich) sowie bei Bedarf einmal jährliche Zahnsteinentfernung.
  • Eine professionelle Zahnreinigung (zweimal jährlich) – entfernt harte und weiche Beläge aus allen Zahnwinkeln und Zwischenräumen, die die Zahnbürste trotz sorgfältigem Putzen nicht erreicht.
  • Fluoridierung und Fissurenversiegelung schützt die Zähne vor weiteren Angriffen und ist Bestandteil der professionellen Zahnreinigung

Greifen alle Prophylaxe-Maßnahmen langfristig ineinander, steht gesunden Zähnen bis ins hohe Alter nichts entgegen.

Die Zahnarztpraxis bietet ein breites Spektrum an Prophylaxe-Maßnahmen, die abgestimmt auf Alter, individuelle Mundgesundheit und Risikofaktoren helfen, die Gesundheit der Zähne zu gewährleisten.

Das Salz des Fluors: Fluorid ist nicht gleich Fluor

Fluorid ist chemisch gesehen das Salz des Elementes Fluor. Mit Natrium vereint heißt es Natriumfluorid, mit Kalzium heißt es Kalziumfluorid (bekannt als „Schüsslersalz“) oder mit Stickstoff  und Wasserstoff  (Ammoniak, NH3) Aminfluorid. Der Körper benötigt Fluorid als wichtiges Spurenelement für die Bildung von Zahnschmelz, Knochenaufbau, Bändern und Bindegewebe. Auf natürlichem Wege nimmt der Körper Fluorid aus Nüssen, Meerestieren und Fleisch, aber auch aus Mineralwässern und naturbelassenem Trinkwasser auf.

Fluor ist giftig – Fluorid nicht?

Gasförmiges Fluor ist sehr giftig. Auch das Element Chlor ist sehr giftig – es wurde als Chemiewaffe im ersten Weltkrieg eingesetzt. Gemeinsam haben Fluor und Chlor, dass unser Körper das Salz dieser beiden Elemente als lebenswichtige Nahrungsbestandteile benötigt. Unser Kochsalz ist chemisch gesehen Natriumchlorid und niemand würde darauf verzichten, weil es Chlor enthält. Viele Vorbehalte gegen Fluorid entstehen schlichtweg wegen der Verwechslung zwischen Fluor und Fluorid. Eine weitere Gemeinsamkeit beider Salze: Die Dosis bestimmt die Wirksamkeit – zu viel oder zu wenig schadet.

Der Fluorideffekt:

Fluoride schützen vor Karies und unterstützen die Behandlung bei Heiß-, Kalt-, Süß- und Sauerempfindlichkeiten der Zähne. Die Wirkungsweise ist wissenschaftlich zweifelsfrei gesichert, funktioniert aber auf eine andere Art und Weise, als man es sich vor noch etwa dreißig Jahren vorgestellt hatte. Man dachte damals, man könne Zähne durch Flourideinlagerung dauerhaft härter und damit Säureangriff unabhängiger machen. Trinkwasser- und Tablettenfluoridierungen waren die Folge – ein Irrtum, wie man heute weiß.

Im Jahr 1990 konnte eine skandinavische Forschergruppe beweisen [1], dass die Menge des fest im Zahn eingelagerten Fluorids unabhängig vom individuellen Kariesrisiko ist. Sie untersuchten Haifischzähne, die 60mal mehr Fluoridanteil haben als ein menschlicher Zahn. Beide wurden in Zahnprothesen eingebaut. Zur Überraschung aller bekamen beide Zähne genauso schnell Karies.

Seit diesen Versuchen weiß man, dass nicht der gehärtete Zahn, sondern eine permanente Oberflächenreaktion in und auf der äußersten Zahnschmelzschicht für den vorsorgenden Effekt verantwortlich ist. Die Wirkung ist also nicht abhängig von der vorherigen Fluorideinlagerung im Zahn, sondern von der aktuellen Fluoridverfügbarkeit.

Unter Säurewirkung – und das geschieht regelmäßig nach Zuckervergärung der Mundbakterien – lösen sich äußere Kristalle aus dem Zahnschmelz. Der Körper kann das bedingt reparieren. Er arbeitet kleine Kalziumapatitkristalle in den Zahn ein, jedoch nur unter günstigen Säurebedingungen zwischen einem pH- Wert von etwa 7 bis 5. Ist die Säure stärker, weil die Zuckerzufuhr zu intensiv oder die Bakterien zu viele waren, versagt das natürliche Schutzsystem. Sinkt der Wert tiefer zwischen pH 5 und 4, kann zusätzlich Fluorid diese Reparatur verrichten. Sinkt der Säurewert noch weiter ab, z.B. bei total vernachlässigter Mundhygiene, kann weder Kalzium noch Fluorid vor Karies schützen, der Zahn ist dauerhaft gefährdet. Fluorid wirkt also besonders gut bei mitteleuropäischen Ernährungsgewohnheiten beim kleinen bis mittleren Säureangriff. Deshalb ist der Fluorideffekt bei sehr schlechter Mundhygiene gering. Fluorid kann nicht die Zahnpflege ersetzen, sondern schafft einen zusätzlichen Reparaturbereich bei kleinen bis mittleren Säureangriffen – es ist also quasi die „Versicherung“ bei kleinen Zahnsünden. Zahnpasten ohne Fluoridzusatz fehlt die Reparatureigenschaft im tieferen Säurebereich zwischen pH 4 und 5; sie bieten deshalb nur einen eingeschränkten Kariesschutz.

Fluorid künstlich zuführen – systemisch oder lokal

Man kann auf zwei Arten Fluoride zuführen: Systemisch oder lokal.

Bei der systemischen Fluoridierung wird dem gesamten Körper über die Nahrungskette Fluorid zur Verfügung gestellt. Diese beruht auf einer heute als überholt geltende wissenschaftliche Lehrmeinung, in der man glaubte, Zähne mit Fluoriden dauerhaft härten und schützen können. Außerdem hat diese Zufuhr Nebenwirkungen an den Zähnen: Fluorid wird oft ungleichmäßig in die Zahnstruktur eingearbeitet (Dentalfluorose). Dabei entwickeln sich hässliche Flecken auf den Zähnen, die nicht mehr zurückgehen.

Früher gab es einige wenige Länder, die Fluorid künstlich dem natürlichen Trinkwasser beigemengt haben (z.B. auch in der ehemaligen DDR), inzwischen sieht man weltweit davon ab.

Auch die Bedeutung der Tablettenfluoridierung ist rückläufig. Zahnärztliche Fachgesellschaften lehnen diese Art der Fluoridzufuhr wegen der geringen Wirksamkeit und der hohen Nebenwirkungsrate weitestgehend ab. Deutschland ist eines der ganz wenigen Ländern weltweit, in dem immer noch in den ersten Lebensjahren Fluoridtabletten verordnet werden, zumeist durch Kinderärzte. In der Schweiz zum Beispiel sind Tablettenfluoridierungen schon lange kein Thema mehr.

Außerdem fluoridiert die Tablette zum falschen Zeitpunkt und zu wenig an der Zahnoberfläche, weil die Mundverweildauer zu kurz ist. Manchmal wird als Vorteil herangeführt, dass mit der Tablettenfluoridierung Kariesrisikokinder ohne gute Mundhygiene ansonsten keinen Fluoridschutz hätten. Zahnärzte hingegen weisen diesen vermeintlichen Vorteil ab, weil Fluorid bei schlechter Mundhygiene fast keine nachweisbare Wirkung hat. Fluoridtabletten können wirken, wenn man sie langsam im Mund zergehen lässt – nicht aber über die Einlagerung im Zahn. Auch deshalb gilt gilt die zahnärztlichen Empfehlung: Keine Fluoridtabletten, wenn noch keine Zähne im Mund sind. 

Die Speisesalzfluoridierung ist heute etabliert und gilt als Empfehlung. Im handelsüblichen Kochsalz ist deshalb neben Jodsalz auch Fluorsalz beigemengt. Der Vorteil: Wenn während einer Mahlzeit die Mundbakterien schon einen Säureangriff vorbereiten, erhöht sich gleichzeitig der Fluoridgehalt im Mund, um erste Reparaturmaßnahmen einzuleiten – ganz zur rechten Zeit. Somit hat Speisesalz, obwohl es in die Nahrungskette gerät, eine sinnvolle direkte Wirkung an der Zahnoberfläche. Mit Beginn der festen Kost sollte fluoridiertes Speisesalz lebenslang verwendet werden.

Zahnärzte bevorzugen die lokale Fluoridierung – also nur über die Zahnoberfläche direkt an den gewünschten Wirkungsort. Um effizient zu sein, sollte die lokale Fluoridierung ein Leben lang erfolgen. Art und Umfang sind abhängig vom individuellen und lebensaltertypischen Kariesrisiko.

Fluorid in Zahncreme:

Der Fluoridzusatz in Zahnpasten ist besonders effektiv. Die Weltgesundheitsorganisation hatte deshalb schon im letzten Jahrtausend empfohlen, die Fluoridmenge in Kinderzahnpasten von derzeit 250 ppm auf 500 ppm zu verdoppeln und gleichzeitig die Tablettenfluoridierung einzuschränken.

Mundspüllösungen:

Die Anwendung von Mundspüllösungen ist wichtiger Bestandteil kariesprophylaktischer Maßnahmen. „Besonders gefragt sind hier Maßnahmen, mit denen sich die gesamte Bevölkerung erreichen lässt. Hierzu zählen fluoridhaltige Mundspüllösungen. Bei ein- bis zweimal täglicher Anwendung können fluoridhaltige Mundspüllösungen einen wesentlichen Beitrag zu Gesunderhaltung der Zähne leisten und im Durchschnitt 23 Prozent der Karies verhindern [2]. Je früher damit begonnen wird und je regelmäßiger die Spüllösungen verwendet werden, desto größer ist ihr Nutzen. Fluoridhaltige Mundspüllösungen haben meist noch einen Zusatznutzen: Sie enthalten in der Regel antimikrobielle Wirkstoffe, die gegen Zahnbeläge und Zahnfleischentzündungen helfen.“ (Prof. Dr.med.dent. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke). Jedoch gilt auch hier: Bei unzureichender Mundhygiene wirken fluoridhaltige Mundspüllösungen nur eingeschränkt.

Weitere Fluoridzusätze:

Zur weiterreichenden Kariesvermeidung können in häuslicher Anwendung Zahngele mit hoher Fluoridkonzentration und in der gezielten Kariesvorsorge beim Zahnarzt fluoridhaltige Lacke und Gele sinnvoll sein.

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Stand: April 2018

 

1.   [Ögaard, J Dent Res 69, 813 (1990); Ögaard et al., Scand J Dent Res 990, 372 (1991)]

2.   Marinho VC, Chong LY, Worthington HV, Walsh T. Fluoride mouthrinses for preventing dental caries in children and adolescents. Cochrane Database Syst Rev. 2016;7:CD002284. doi: 10.1002/14651858.CD002284.pub2. PubMed PMID: 27472005.

 

Aktuelle Empfehlungen in Abhängigkeit vom Lebensalter:

Eine erhöhte Fluoridzufuhr während der Schwangerschaft hat keinen positiven Einfluss auf die Zähne des Kindes.

Erstes bis zweites Lebensjahr:

In Deutschland werden heute immer noch von Geburtskliniken und Kinderärzten Kombinationspräparate mit Fluorid und Vitamin D verordnet. Zahnärzte kritisieren dies und empfehlen, auf diese Kombination zu verzichten und auf die Vitamingabe zu reduzieren.

Anstatt dessen sollen die Michzähne einmal täglich vom ersten Tag an mit „reiskorngroßen“ Portionen fluoridierter Kinderzahncreme gepflegt werden. Falls dennoch mit Tabletten fluoridiert werden sollte, sollte solange auf die Fluoridbeimengung in der Kinderzahncreme verzichtet werden, bis die Tabletten abgesetzt werden.  

Drittes bis sechstes Lebensjahr:

Die Zähne sollten jetzt zweimal täglich mit fluoridierter Kinderzahncreme geputzt werden. Zusätzlich wird Fluorid in Gel- oder Lackform der Gruppenprophylaxe im Kindergarten sinnvoll eingesetzt.

Sechstes bis 18. Lebensjahr:

Ab dem sechsten Lebensjahr, mit dem Eintritt der ersten bleibenden Zähne in die Mundhöhle, sollte von der fluoridhaltigen Kinderzahncreme auf Erwachsenenzahncreme mit 1450 ppm umgestellt werden. Um den Umstieg zu erleichtern, können auch sogenannte Juniorzahncremes verwendet werden – Erwachsenenzahncreme mit ansprechendem Geschmack für Kinder (Fluoridgehalt zwischen 1000 und 1450 ppm). Zusätzlich sollte einmal in wöchentlich anstatt herkömmlicher Zahnpasta ein hoch konzentriertes Fluoridzahngel verwendet werden (Fluoridgehalt 12.500 ppm). In der Individualprophylaxe beim Zahnarzt wird ebenfalls Fluorid in Gel- oder Lackform zum Zahnschutz eingesetzt.

Junge Erwachsene:

Der Zahnarzt erstellt ein Kariesrisikoprofil. Anhand dessen empfiehlt sich meist weiterhin das Verwenden von fluoridierter Zahnpasta kombiniert mit einem wöchentliches Fluoridgel. Auch in der Professionellen Zahnreinigung (PZR) sollte Fluorid effektiv angewendet werden.

Erwachsene mit Parodontitiserfahrung:

Wenn Zähne „länger geworden“ sind, also Zahnhälse freiliegen, steigt auch die Kariesgefahr noch einmal an, weil die Zahnhälse keinen schützenden Zahnschmelzmantel haben. Ab dann sollte über fluoridhaltige Spüllösungen nachgedacht werden – immer in enger Absprache mit dem Zahnarzt.

Der ältere Patient:

Werden bei weiter zunehmendem Kariesrisiko zusätzliche Zahnhärtungen nötig, weil z.B. die Speichelbildung zurückgegangen ist oder nach Tumorbestrahlung, sollte über eine höhere Fluoridkonzentration in der Zahnpasta (bis zu 5000 ppm) nachgedacht werden. Hierbei ist immer der Zahnarzt zu Rate zu ziehen.

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Die Zahngesundheit in Deutschland hat sich in den vergangenen 30 Jahren enorm verbessert. Diese positive Entwicklung betrifft insbesondere Kinder im Grundschulalter, Jugendliche und junge Erwachsene. So kann alleine von 1997 bis heute bei Kindern ein Rückgang der Karies um rund 60 Prozent beobachtet werden. Zwölfjährige haben mittlerweile in 70 Prozent absolut gesunde Zähne.

Eine Erfolgsstory also, die auf die intensive Prophylaxe in der Zahnarztpraxis, in Kindergärten und Schulen sowie auf den Einsatz von Fluoriden in Zahnpasten zurückgeführt werden kann.

Häufigste chronische Kindererkrankung

Was uns Zahnärztinnen und Zahnärzten nach wie vor große Sorgen bereitet, ist aber die weiterhin relativ starke Verbreitung der „frühkindlichen Karies“ an den Milchzähnen. In einigen Regionen Deutschlands ist jedes fünfte Kind davon betroffen. Das Problem ist so groß, dass man hierfür sogar einen eigenen Krankheitsbegriff geprägt hat: „Early Childhood Caries“ (ECC). In einem Fachbeitrag heißt es: „Gegenwärtig gilt die frühkindliche Karies als häufigste chronische Erkrankung (fünfmal häufiger als Asthma, siebenmal häufiger als Heuschnupfen) im Vorschulalter und dominiert mit zum Teil massiver Gebisszerstörung des Gesamtkariesaufkommen bei Kleinkindern.“ Diese spezielle Zahnkrankheit ist dadurch gekennzeichnet, dass sie an den oberen Schneide- und Eckzähnen im Milchgebiss beginnt und dann von dort auf alle anderen Zähne übergreifen kann. Erste Anzeichen sind Zahnbelag (Plaque, Biofilm), Zahnfleischentzündungen und kreidig-weiße Veränderungen am Zahnschmelz dieser Milchzähne („White Spot“) – mit geübtem Blick leicht zu erkennen, wenn man die Oberlippe des Kindes mit dem Finger anhebt.

Risiko Nuckelflasche

Auch die Ursachen der frühkindlichen Karies sind durchaus bekannt: Übermäßiger Gebrauch der Nuckelflasche (insbesondere nachts) mit zucker- und säurehaltigen Getränken bei unzureichender Zahnreinigung. Suchen die Eltern mit ihrem Kind dann noch zu spät einen Zahnarzt auf, sind verheerende und nicht mehr reparable Zahnschäden im gesamten Gebiss vorprogrammiert – inklusive heftiger Schmerzen, eitriger Entzündungen und negativen Folgen auch für die bleibenden Zähne.

Spezielle Ratschläge zur Zahnpflege bei Kleinkindern

Damit Sie mit Ihrem Kind bei diesem Thema auf der sicheren Seite sind und Ihnen ein erfolgreicher Start in ein zahngesundes Leben gelingt, haben die Spezialisten für Kinderzahnheilkunde und präventive Zahnmedizin der Universität Greifswald die folgenden praktischen Tipps zur Verhinderung von Zahnkrankheiten im Kleinkindalter entwickelt (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Anja Treuner und Herrn Prof. Dr. Christian H. Splieth / Universitätsklinikum Greifswald, Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde):

Elf einfache Tipps zur Babyzahnpflege – so bleiben die Zähne gesund

  • Sobald Ihr Kind ein Jahr ist, lassen Sie es aus einer Tasse oder einem Becher trinken. Meist wird noch gekleckert – geben Sie Wasser, das macht keine klebrigen Flecken. Eine Trinklerntasse brauchen die meisten Kinder nicht. Wenn doch, dann nur einen Monat lang – dann weg damit!
  • Verzichten Sie auf die Gabe von zuckerhaltigen Getränken (insbesondere gesüßte Tees, Instanttees, Obstsäfte oder verdünnte Fruchtsäfte) aus der Nuckelflasche. Die Säfte enthalten viel Fruchtzucker und –säure, auch wenn „ohne Zuckerzusatz“ auf der Verpackung steht und sind damit schlecht für die Zähne. Nehmen Sie stattdessen ungesüßten Tee oder Mineralwasser.
  • Überlassen Sie Ihrem Kind die Nuckelflasche nicht zur „Selbstbedienung“. Das Trinken sollte zum Durstlöschen erfolgen und nicht als Nuckelersatz. Geben Sie Ihrem Kind die Nuckelflasche nicht zum Dauergebrauch oder in der Nacht.
  • Schon der erste Milchzahn sollte gepflegt werden: Beginnen Sie mit einer kleinen, weichen Zahnbürste. Wichtig ist das elterliche Putzen. Abends bitte eine erbsengroße Menge Kinderzahnpasta mit Fluoriden auf die Bürste geben. Die Fluoridtabletten sind dann nicht nötig. Nach dem Zähneputzen gibt es dann auch nicht Süßes mehr zu trinken oder zu essen.
  • Schauen Sie beim Zähneputzen immer wieder die Zähne Ihres Kindes genauer an. Schieben Sie die Oberlippe nach oben. Sind die Schneidezähne sauber oder ist Belag zu sehen? Achten Sie darauf, dass Sie beim Zähneputzen alle Zähne und alle Zahnflächen reinigen. Setzen Sie die Zahnbürste leicht schräg zum Zahnfleischsaum an und rütteln dann auf der Stelle.
  • Putzen Sie die Zähne des Kindes im Schoß eines Elternteils oder auf dem Wickeltisch.
  • Ab dem zweiten Geburtstag sollten die Zähne des Kindes morgens und abends mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta gereinigt werden.
  • Verwenden Sie zum Kochen und Salzen Speisesalz mit der Aufschrift „Fluorid“, wenn in Ihrer Familie ein hohes Kariesrisiko vorliegt – fragen Sie Ihren Zahnarzt. Kleinkinder sollten nicht zu viele Fluoridpräparate zu sich nehmen – Ihr Zahnarzt berät Sie.
  • Vermeiden Sie viele Zwischenmahlzeiten. Insgesamt reichen vier bis fünf Mahlzeiten am Tag.
  • Zahnfreundliche Süßigkeiten sind ein wunderbarer Ersatz zu den „herkömmlichen“ und verursachen keine Karies (mehr Informationen: Aktion Zahnfreundlich e.V.).
  • Zahnärztliche Vorsorge fängt schon bei den ganz Kleinen an. Vereinbaren Sie den ersten Zahnarzttermin, wenn Ihr Kind sechs Monate alt ist (mit Durchbrechen des ersten Zahns).

Weitere interessante und auch wissenschaftlich gesicherte Hinweise finden Sie auch bei folgenden Internetadressen:

  • www.daj.de (Deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Jugendzahnpflege)
  • www.dgzmk.de (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Button „Wissenschaft und Forschung“ / Leitlinien)

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

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„Gesunde Zähne – Ein Leben lang“ - Dieser Wunsch klang bis Anfang der 90er-Jahre noch utopisch, rückt für viele junge Menschen heute aber durchaus in greifbare Nähe.  Mehr als die Hälfte der Kinder im Grundschulalter empfinden es heutzutage im Gegensatz zu früher als normal, eben kein Loch und auch noch keine Füllung in den Zähnen zu haben – sie sind absolut zahngesund.

Die Start-Voraussetzungen für eine hoffentlich lebenslange Zahngesundheit werden dabei grundsätzlich schon während der Schwangerschaft gelegt, müssen aber spätestens ab dem Kleinkind-Alter stimmen:

  • Die Zahnpflege beginnt schon mit dem Durchbruch des ersten Milchzahnes (meistens im Alter von sechs bis neun Monaten).
  • Spätestens wenn der erste Milchbackenzahn da ist, sollten die Eltern mit einer Kinderzahnpasta (Fluoridgehalt 0,05 %) bis zum 2. Lebensjahr einmal täglich und danach zweimal täglich die Zähne ihres Kindes (nach)putzen. Die Zahnpflege gehört zum normalen Tagesablauf.
  • Ab dem Schulalter wird der Gebrauch von „Erwachsenen-Zahncreme“ (Fluoridgehalt bis 0,15 %) empfohlen. Wissenschaftlich fundierte Hinweise zum Thema Fluoride finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK).
  • Beim Einüben der Zahnpflege mit dem Kind ist es ratsam, nach der „KAI-Systematik“ (Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen) vorzugehen.
  • Gesüßte Früchte- und Kräutertees in der Flasche zum „Dauernuckeln“ sind „Zahnkiller“. Dasselbe gilt für Softdrinks und anderen übermäßigen Zuckerkonsum, wobei hier das Risiko für Karies mit zunehmenden Zuckerimpulsen pro Tag steigt.
  • Der erste Besuch beim Zahnarzt sollte so früh wie möglich erfolgen. Für gesetzlich Krankenversicherte werden zunächst „Früherkennungs-Untersuchungen“ (nach dem Durchbruch aller Milchzähne etwa im Alter von 2 ½ Jahren) und anschließend die „Individualprophylaxe“ in der Zahnarztpraxis bis zum 18. Lebensjahr angeboten.  Es lohnt sich, diese Leistungen (beispielsweise Versiegelung bleibender Zähne und Zahnschmelzhärtung mit Fluoriden) in Anspruch zu nehmen. Zahnuntersuchungen sollten zusätzlich regelmäßig in halbjährlichen Abständen durchgeführt werden.

Und noch ein wichtiger Hinweis für Eltern bzw. Erziehungsberechtigte: Im Alter von sechs Jahren – häufig aber schon früher – erscheinen die ersten bleibenden Backenzähne, und zwar hinter der Milchzahnreihe. Da für diese neuen Zähne (der Zahnarzt spricht von den „Sechs-Jahr-Molaren“) kein Milchzahn ausfällt, passiert dies häufig unbemerkt. Weil eine gründliche Reinigung bis zum vollständigen Durchbruch durch das Zahnfleisch schwierig ist, sind diese Zähne besonders kariesgefährdet. Auch wenn Ihr Kind selbständig und gut putzt, sollten Sie daher mindestens bis zum Ende des ersten Schuljahres - und vielleicht darüber hinaus - gründlich nachreinigen.

Einen Zahnärztlichen Kinderpass, der das Praxisteam bei der Betreuung der jüngsten Patienten und zuvor schon bei der zahnärztlichen Beratung während der Schwangerschaft unterstützt und die Eltern und ihren Nachwuchs bis zum 6. Lebensjahr des Kindes zu regelmäßiger Prophylaxe anhält, können Sie bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein bestellen.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

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Schöne Zähne, weiße Zähne, glatte Zähne, gerade Zähne, gesunde Zähne – um all dies kümmert sich der Zahnarzt. Er ist als Zahn-Arzt Spezialist für alle Erkrankungen der Mundhöhle und weiß, welche Folgen kranke Zähne auf den ganzen Körper haben. Bleiben Karies und Parodontitis unbehandelt, können sich Bakterien durch die neue Eintrittspforte im Körper weiter ausbreiten.

Beispiel Karies

Bakterien zerstören die äußeren Zahnschichten und erreichen dann das durchblutete Zahnmark. Bleibt das Zahnloch unbehandelt, stirbt das Zahnmark ab und durch die Entzündung löst sich der Knochen an der Wurzelspitze auf. Später folgen eitrige Gesichtsschwellungen, die sich gefährlich bis in die Kieferhöhle oder die Halsregion ausdehnen können.

Beispiel Parodontitis

Bakterielle Beläge zerstören nicht nur die Zähne, sondern entzünden auch das Zahnfleisch. Ignoriert man dies, kann sich die noch kleine Wunde auf den Zahnhalteapparat mit Wurzelzement, Haltefasern und Knochen ausbreiten und wird somit zur Parodontitis. Addiert man bei einer ausgeprägten Parodontitis alle Wundflächen, summiert sich die Größe leicht auf die Fläche einer ausgewachsenen Männerhand. Das Wort „Entzündung“ sagt es schon: So wie aus einer kleinen Streichholzflamme ein großer Brand entstehen kann, löst ein kleiner Herd im Körper weitere Schäden aus, falls das Immunsystem - die körpereigene „Feuerwehr“ - nicht Schlimmeres verhindert. Deshalb steigt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen (Arteriosklerose, Herzmuskelentzündungen und Infarkte) um das Dreifache, Atemwegserkrankungen können ausgelöst oder verschlimmert werden, ein bestehender Diabetes kann verstärkt werden und das Risiko einer Schwangeren, eine Frühgeburt zu erleiden, wächst auf das Siebenfache an.

Die Ursache für Mundgeruch liegt nur selten im Magen, sondern zu 90 Prozent im Mund- und Rachenraum. Meist sind Zahnfleischerkrankungen und schlechte Mundhygiene verantwortlich. Unzureichende Hygiene und schlechter Sitz von herausnehmbarem Zahnersatz begünstigen Pilzerkrankungen.

Zähne sind Teamspieler

Zähne spielen nur im Team zusammen. Jeder Zahn hat seine Aufgabe und sogar jede Neigung und Wölbung auf den Kauflächen hat von der Natur ihre eigens zugewiesene Funktion. Man stelle sich ein Zahnrad vor, bei dem eine Zacke fehlt. Eine Fehlverzahnung entsteht zum Beispiel durch Fehlstellungen, Zahnverlust oder übergroße Füllungen und führt am Ende zu Überlastungen der Kaumuskeln und des Kiefergelenks. Erste Anzeichen sind Verhärtungen der Kaumuskulatur. Unbehandelt macht sich später das Gelenk oft durch Knackgeräusche bemerkbar. Auch Kopfschmerzen, besonders in der Schläfenregion, sind typische Symptome. Wegen der engen Nachbarschaft zum Ohr kann das kranke Gelenk sogar Ohrenschmerzen vortäuschen oder unangenehme dauerhafte Nebengeräusche (Tinnitus) herbeiführen. Man nimmt an, dass heute ca. jede vierte Tinnituserkrankung durch Kiefergelenkprobleme ausgelöst wird.

Können die Zähne ihre Hauptfunktion, die Nahrungsaufnahme, nicht mehr zufriedenstellend ausführen, ändern sich die Ernährungsgewohnheiten entsprechend und es folgen Magen- und Darmprobleme mit Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit. Eine weitere wichtige Aufgabe der Zähne ist die Kommunikation, denn die Zähne sind für Aussprache mit verantwortlich und beeinflussen maßgeblich das äußere Erscheinungsbild.

Zahnarzt erkennt auch Allgemeinerkrankungen

Viele Allgemeinerkrankungen sieht der Zahnarzt als erster. Z. B. Leukämie und Aids erkennt der Zahnarzt frühzeitig an den Mundschleimhäuten. Auch Vorstufen von bösartigen Mundschleimhauterkrankungen kann der Zahnarzt rechtzeitig diagnostizieren und somit Leben retten.

Zähne sind wertvolle Körperteile. Regelmäßige Untersuchungen und frühzeitige Behandlungen sind ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsvorsorge.

 Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

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In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Altersstruktur der deutschen Gesamtbevölkerung wesentlich verändern. Bis 2020 werden 35% der Bürger über 60 Jahre alt sein. 2008 waren es noch 25%.

In einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, wird auch die Mund-, Zahn- und Prothesenpflege im Alter immer wichtiger.

Eine gute Zahn- und Mundgesundheit bedeutet ein großes Plus für die Lebensqualität - in jedem Lebensalter. Gesunde eigene Zähne, gesundes Zahnfleisch und gut funktionierender Zahnersatz sorgen für genussvolles Essen und Trinken, vitales Wohlbefinden und eine aktive Teilnahme am Leben. Dank der modernen Zahnmedizin alles längst keine Frage des Alters mehr!

Was aber ist, wenn der es dem älter gewordenem Mensch nicht mehr selbst gelingt, eine "normale" Mundpflege zu betreiben? Falls der Pflegebedürftige in einer Einrichtung lebt, kümmern sich professionelle Kräfte um den Bewohner. Aber wenn er zuhause lebt, ist der geistig und/oder körperlich eingeschränkte Senior auf die Hilfe seiner - dafür meist nicht ausgebildeten - Familie angewiesen.

Praktische Helfer erleichtern die Mundhygiene

  • Häufig helfen schon die Lesebrille und mehr Licht im Badezimmer, um die Mundhygiene deutlich zu verbessern. Spezielle Seniorenzahnbürsten mit dickerem Handgriff ermöglichen eine sichere Handhabung.
  • Auch eine elektrische Zahnbürste kann sehr hilfreich sein. Sie muss nur noch von Zahn zu Zahn geführt werden und sorgt für eine gleichmäßige, gründliche und schonende Reinigung.
  • Bei der Reinigung von engen Zahnzwischenräumen helfen Zahnpflegehilfsmittel für Zahnseide, die die Zahnseide für eine leichtere Handhabung auffädeln.
  • Bei größeren Zahnzwischenräumen können Zwischenraumbürstchen eingesetzt werden. Die Zunge kann mit einem speziellen Zungenreiniger oder einer weichen Zahnbürste von Belag befreit werden.

Festsitzender Zahnersatz

Kronen bauen einen noch fest verwurzelten, aber stark geschädigten Zahn wieder auf. Brücken schließen eine Zahnlücke. Festsitzender Zahnersatz wird wie die eigenen Zähne gepflegt.

Herausnehmbarer Zahnersatz

Wenn so viele Zähne ersetzt werden müssen, dass eine festsitzende Brücke für eine Versorgung nicht mehr ausreicht, kommen Teilprothesen zum Einsatz (Klammer-, Geschiebe-, Teleskopprothesen). Wenn ein Patient keine eigenen Zähne mehr zur Verankerung von Kronen, Brücken oder Teilprothesen hat, benötigt er eine Vollprothese.

Auch herausnehmbarer Zahnersatz ist leicht zu pflegen:

  • Die Zahnprothese nach jeder Mahlzeit herausnehmen und reinigen.
  • Am besten erfolgt die Reinigung im Waschbecken über einer weichen Unterlage, damit sie nicht beschädigt wird, wenn sie aus Versehen herunterfällt. Alternativ dazu kann das Waschbecken mit Wasser gefüllt werden.
  • Für die Reinigung der Prothese eine weiche Zahnbürste oder eine spezielle Prothesenbürste verwenden.
  • Normale Zahnpasta eignet sich nicht für die Prothesenpflege, da sie auf Dauer die Oberfläche anrauen kann. Daher besser ein spezielles mildes Reinigungsmittel verwenden, das man in der Drogerie oder Apotheke kaufen kann.
  • Nach der Reinigung die Prothese gründlich mit Wasser abspülen.

Bei Druckstellen oder anderen größeren Problemen sollte aber auf jeden Fall ein Zahnmediziner kontaktiert werden. Heutzutage gibt es viele Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in Pflegeeinrichtungen behandeln oder Hausbesuche machen.

Dr. med. dent. Erling Burk

 

Videotipps und weitere Informationen

Videos mit Tipps und Hinweisen zur Zahnpflege von Älteren, Pflegebedürftigen oder Menschen mit Behinderung haben die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) in ihrem You Tube-Kanal eingestellt: https://www.youtube.com/channel/UCwmGBPNN7xOxFbtrnzN86aw

Weiterführende Informationen:

  • Die Zahnärztekammer Nordrhein gibt unter der Telefonnummer 0211-44704-216 Auskunft, welche Zahnärztinnen und Zahnärzte ihrem Zuständigkeitsbereich Hausbesuche durchführen und welche Praxen barrierefrei sind.
  • Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) hat auf ihrer Webseite das Faltblatt "Vorsorge ist unser Anliegen - Zahnärztliche Betreuung zu Hause für Ältere, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung" eingestellt: Download
  • Die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Nordrhein bietet den Zahntipp "Zahngesundheit von Pflegebedürftigen" auf ihrer Webseite an: Download

 

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Noch im Jahr 2001 meinten 62% der Befragten im Rahmen einer deutschlandweiten Emnid-Umfrage, dass mit der professionellen Zahnreinigung - kurz PZR - das tägliche Zähneputzen gemeint sei.

Nur sechs Prozent der Befragten wussten, dass die Politur der Zähne mit anschließender Zahnhärtung ein wichtiger Bestandteil der PZR ist. Würde man die Umfrage heute wiederholen, ergäbe es wahrscheinlich ganz andere Ergebnisse: Patienten, die noch nie eine PZR haben durchführen lassen, gehören mittlerweile eher zur Ausnahme. 

Zähneputzen beseitigt nicht alle Beläge

Und das ist gut so, denn: Karies und Parodontitis sind vermeidbar. Beide Erkrankungen entstehen durch Bakterien. Diese verkleben auf den Zahnoberflächen in fest haftende Beläge. Auch Mundgeruch kann entstehen. Die häusliche Zahnpflege zeigt jedoch nur begrenzte Wirkung – nur auf glatten Zahnoberflächen ist sie effektiv. Ein Vergleich mit der Autopflege macht es deutlich: Nur neuer oder hochglanzpolierter Lack erscheint wirklich sauber. Und unter permanentem Schmutz hinter schwer zugängigen Stoßstangen älterer Autos setzt allmählich Rost an, weil die Bürsten der Autowaschanlage dort nicht hin gelangen.

So versteht sich die professionelle Zahnreinigung als sinnvolle Ergänzung zur häuslichen Zahnpflege. Zahnärzte oder gut ausgebildete Mitarbeiterinnen in den Zahnarztpraxen kennen die Schwachstellen im Mund. Sie entfernen harte und weiche Beläge oberhalb aber auch unterhalb des Zahnfleisches. Dazu benutzen sie spezielle Geräte, die der Patient zu Hause nicht zur Verfügung hat – deswegen heißt es auch „professionelle“ Zahnreinigung.

Die Zähne werden besonders an den Stellen, die mit der häuslichen Reinigung nur schwer zu erreichen sind, tiefengereinigt, anschließend glattpoliert, mit fluoridhaltigem Gel gehärtet und somit widerstandsfähiger gemacht. Eine angenehme Nebenwirkung ist, dass die Zähne wieder sauber strahlen, ähnlich wie der frisch polierte Autolack. Am Ende der Behandlung zeigt die Prophylaxefachkraft, wie die häusliche Zahnpflege gezielt verbessert werden kann. Denn eine perfekte Pflege zu Hause hält die Zähne gesund und kann den nötigen Zeitraum bis zur nächsten Reinigung verlängern.

PZR regelmäßig wiederholen

Durch die professionelle Zahnreinigung verändert sich die gesamte Mundflora und kann sich wieder erholen. Bakterienfrei bleibt der Mund jedoch nicht - schon in kürzester Zeit besiedeln wieder ca. 60 Millionen Bakterien jeden Milliliter Speichel, die sich dann in neuen Belägen formieren können. Aber: Junge Beläge sind bei Weitem nicht so schädlich wie wochen- oder gar monatealte Beläge. Deshalb sollte die PZR regelmäßig wiederholt werden, bei Kariesgefährdung bis zu zweimal im Jahr und bei Rauchern oder bei Zahnfleischproblemen eventuell sogar öfter. Auch im Rahmen der systematischen Behandlung einer Zahnbetterkrankung (Parodontitis) ist die PZR vor der eigentlichen Therapie und auch danach sinnvoll, um die bakterielle Besiedelung des entzündeten Zahnfleischsaumes nachhaltig zu reduzieren.

Der Zeitaufwand ist unterschiedlich. Er hängt von der individuellen Pflegesituation der Zähne, vom individuellen Zahngesundheitszustand und auch vom Alter des Patienten ab. Somit sind auch die Kosten nicht einheitlich, werden aber seit dem Jahr 2012 über die Gebührenordnung GOZ reglementiert. Daraus ergibt sich eine Preisspanne von ca. 50 bis 150 Euro pro Sitzung.

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

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"KAI“ müsste mittlerweile jedes Kind kennen. Die leicht zu merkende Buchstabenfolge steht nämlich für das optimale System, um die Zähne sauber zu halten und vor Karies zu schützen:

  • K Man beginnt auf der Kaufläche, natürlich auf allen Seiten im Ober- und im Unterkiefer,
  • A setzt die Reise durch den Mund fort, indem die Außenflächen geputzt werden und
  • I landet schließlich auf den Innenflächen (siehe Abbildungen unten).

 

Drei Buchstaben – Drei Minuten ist auch der Zeitraum, den man braucht, um alle Zähne und alle Zahnflächen gründlich zu reinigen. Wer es perfekt machen will, benutzt zur Kontrolle eine (Zahnputz-)Uhr.

Eltern putzen Kinderzähne (nach): „KAI-Plus“

Zähneputzen ist nicht einfach und will gelernt sein. Kinder verfügen in den ersten Lebensjahren noch nicht über dieselben feinmotorischen Fähigkeiten wie Erwachsene. Insbesondere Bewegungen im Handgelenk, die beispielsweise für die Reinigung der Innenflächen (siehe oben) wichtig sind, fallen zunächst schwer oder sind noch gar nicht möglich. Mit dem Begriff „KAI-Plus“ wollen wir Zahnärzte den Eltern daher nahebringen, dass sie unbedingt die Zähne ihrer Kinder abends nachputzen sollten – und dies mindestens bis zum Ende des ersten Schuljahres. Als Faustregel gilt: Wenn ein Kind flüssig die Schreibschrift beherrscht, kann es auch „richtig die Zähne putzen“.

„Schulzähne“ können schon vor dem 6. Lebensjahr kommen!

Beim Erscheinen der ersten bleibenden Backenzähne im Alter von ungefähr sechs Jahren (Achtung: Hierfür fällt kein Milchzahn vorher aus!) müssen diese mitgeputzt werden. Das ist deshalb schwierig, weil die „Schulzähne“ erst langsam nach oben wachsen. Solange gibt es hinter dem letzten Milchbackenzahn noch eine Stufe. Bei normalem Putzen erreicht die Zahnbürste die neuen Zähne also nur unzureichend. Hier droht Kariesgefahr! Deshalb empfehlen Experten, in diesem Lebensalter zusätzlich zur KAI-Systematik hinten noch einmal in allen vier Kieferhälften „quer zu putzen“ (siehe Abbildung unten).

Die ersten bleibenden Backenzähne kommen häufig aber schon wesentlich früher. Der Zahnarzt erkennt dies bei Einhalten der regelmäßigen Untersuchungen sofort, da Zahnfleisch und Kiefer in diesem Bereich schon eine ganze Zeit vorher etwas anschwellen. Der „Durchbruch“ des Zahnes kündigt sich an. Lassen Sie sich in Ihrer Zahnarztpraxis auch bei den Vorsorgeuntersuchungen darüber beraten, welche Zahnpasta, welche Zahnbürste und welche Zahnputztechnik am besten für Ihr Kind geeignet ist.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

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Die Reinigung der Räume zwischen den einzelnen Zähnen ist zwar nicht einfach, aber es ist eine der wichtigsten Maßnahmen zur Entfernung von Belägen und damit unabdingbar, möchte man Karies und Parodontitis vermeiden. Am ehesten lässt sich die Zwischenraumpflege mit der Unterbodenwäsche bei einem Auto vergleichen, bei dem nach einer Spritztour über mit Salz enteiste Straßen eine einfache Fahrzeugwäsche zur gründlichen Reinigung nicht mehr ausreicht. Das Salz des Straßendienstes auch aus den kleinsten Ritzen zu entfernen entspricht der gründlichen Pflege der Zahnzwischenräume.

Eine Zahnbürste erreicht nur etwa 70 Prozent der Fläche eines Zahnes, der Rest bleibt - ohne Zwischenraumpflege - einfach schmutzig. Diesen Bereich sollte man mindestens einmal pro Tag reinigen. Ob man dieses vor oder nach dem Zähneputzen macht, ist dabei nicht entscheidend.

Auch die Stiftung Warentest bestätigt (test, Ausgabe 09/2012): „Der Pflegezustand des Gebisses besserte sich bei allen Probanden – egal, ob sie Zahnseide, Tape, Flauschzahnseide oder Interdentalbürste benutzten.“ Die Größe des Zahnzwischenraumes entscheidet letztendlich über das auszuwählende Hilfsmittel. Von Dünn nach Dick in aufsteigender Größe nachfolgend aufgelistet:

  • Zahnseide findet Anwendung bei ganz engen Zwischenräumen
  • Superfloss (aufgeschäumte Zahnseide), wenn die Zahnseide ohne Widerstand und ohne Reinigungseffekt durch den Zahnzwischenraum gleitet
  • Interdentalbürstchen, wenn die Zähne weiter auseinander stehen und die Zwischenräume größer werden

Die Bürstchen gibt es in unterschiedlichen Größen, sie werden vor allem zur Pflege der Zähne beim Tragen einer Zahnspange, bei Brücken, Implantaten oder im durch Parodontitis vorgeschädigten Gebiss genutzt. Sind unterschiedlich große Zwischenräume in ein und demselben Gebiss vorhanden, kann es notwendig sein, verschiedene Hilfsmittel, wie z.B. Zahnseide und Interdentalbürstchen und/oder Superfloss einzusetzen. Bei der Auswahl des richtigen Hilfsmittels und der Anleitung zur richtigen Anwendung ist Ihnen die Zahnarztpraxis Ihres Vertrauens sehr gerne behilflich – sprechen Sie Ihren Zahnarzt an!

Die Handhabung der ganzen Technik ist nicht ganz einfach, aber auch hier gilt: Übung macht den Meister! Zusätzlich zur eigenen Pflege ist zudem mindestens zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung (PZR) bei Ihrem Zahnarzt als Karies- und Paradontitisprophylaxe sinnvoll.

Dr. med. dent. Thomas Heil

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Die neue App "Alles sauber?" soll das Zähneputzen bei Kindern fördern. Die Kinder füttern je nach Vorliebe ein Pferd, einen Hund oder einen Hasen. Doch wie werden deren Zähne wieder sauber? Da hilft die rote Zahnbürste weiter. Die Kinder wischen mit der Bürste über den Bildschirm und nach und nach strahlen die Zähne wieder. Dann werden die Kinder aufgefordert, ihre eigenen Zähne zu putzen. Zu guter Letzt darf ein Foto der sauberen Zähne geschossen werden. Wer noch etwas Hilfe bei der Technik benötigt, bekommt wichtige Tipps der Initiative proDente, die die App auch sponsort. Die App steht kostenlos im iTunes App Store zur Verfügung: https://itunes.apple.com/de/app/alles-sauber-zahne-putzen/id642318964?mt=8

Frühkindliche Karies, oder auch Nuckelflaschenkaries, ist ein zunehmendes Problem. Zu viele Kleinkinder haben bereits stark zerstörte Zähne. Die Bundeszahnärztekammer hat daher gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband einen textfreien Comic zur Zahnpflege und Mundgesundheit bei Kleinkindern herausgegeben. Der Comic richtet sich an alle jungen Eltern. Durch den sparsamen Gebrauch von Worten wird er auch von denen verstanden, die nicht gut oder gerne lesen.

Seit dem 1. Juli 2018 gilt die EU-Quecksilberverordnung. Danach darf Dentalamalgam nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen von Milchzähnen, von Kindern unter 15 Jahren und von schwangeren oder stillenden Patientinnen verwendet werden. Für die Behandlung der genannten Patientinnen und Patienten muss regelmäßig ein alternatives plastisches Füllungsmaterial gewählt werden, das dauerhaft haltbar und erprobt ist und dem Stand der Wissenschaft entspricht.

Die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hat zu dem Thema einen Katalog mit wichtigen Fragen und Antworten erarbeitet, um Patientinnen und Patienten über die neuen Vorgaben, Ausnahmen von diesen Vorgaben und Behandlungsmöglichkeiten bei Zahnfüllungen zu informieren. Die Auflistung gibt unter anderem Auskunft darüber, welche Alternativen zu Dentalamalgam in der Füllungstherapie verfügbar sind und welche Leistungen gesetzliche Krankenkassen übernehmen.

Der Frage- und Antwortkatalog kann auf der Website der KZBV unter www.kzbv.de/eu-quecksilberverordnung abgerufen werden. Auch die aktualisierte KZBV-Patienteninformation „Zahnfüllungen – Was Sie als Patient wissen sollten“ ist dort zum kostenlosen Download verfügbar oder kann als gedruckte Broschüre bestellt werden.

Patientinnen und Patienten in NRW stehen im Patientenwegweiser des Patientenbeauftragten für Nordrhein-Westfalen unterschiedliche Informations-, Beratungs- und Selbsthilfeangebote zur Verfügung.

Das umfangreiche Adressverzeichnis soll dazu beitragen, die Suche nach geeigneten Ansprechpartnerinnen und -partnern zu vereinfachen.

Für Patienten wurde eigens eine Telefon-Hotline eingerichtet. Diese erreichen Sie mittwochs in der Zeit von 14.00 bis 17.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 / 52 60 500. Dort beantworten Zahnärzte Ihre Fragen rund um die zahnärztliche Behandlung.

Das Bilderbuch „Zahnbande“ begeistert schon seit Herbst 2016 Kinder und Erwachsene. Jetzt kommen Abenteuer, Spiele und spannende Infos über gesunde Zähne mit allen Mitgliedern der Zahnbande auch ins Internet. Auf „zahnbande.de“ präsentiert die Initiative proDente für 5- bis 12-Jährige kleine Geschichten, Filme, Spiele, Animationen und Ausmalbilder.

Natürlich geht es um Zähne und was die Beißerchen so alles leisten. Also Essen, Trinken und beim Sprechen helfen. Auch Zähneputzen und der Besuch beim Zahnarzt dürfen nicht fehlen. Doch wichtiger als Belehrungen sind Geschichten und Figuren, die Kinder und deren Phantasie ansprechen. Auch ein Menüpunkt mit Spielen, Geschichten und Ausmalbildern darf nicht fehlen. Und wie herrlich schrill ein Bohrer klingt hören die Kids auch.

www.zahnbande.de

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Patientenberatungsstelle

Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein

Telefon-Hotline für Patienten mittwochs von 14.00 bis 17.00 Uhr

Postfach 10 55 15
40046 Düsseldorf
0800 / 52 60 500 (Mi 14-17 Uhr)
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