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Karies & Parodontitis

Karies und Parodontitis gelten als die "Volkskrankheiten" im Mundraum. Beinahe jeder kennt die "Zahnfäule" Karies aus eigener Erfahrung und viele Erwachsene leiden unter Parodontitis, der endzündlichen Erkrankung des Zahnhalteapparats.
Artikel

Die Ursachen für Karies sind bekannt: Durch schlechte Zahnpflege und falsche Ernährungsgewohnheiten bilden sich am unteren Zahnrand entlang des Zahnfleisches Beläge aus Mundschleimhautzellen und Speiseresten, sogenannte Plaques. In ihnen nisten sich verschiedene Bakterien ein und verdauen den Zucker aus der Nahrung zu Säure, die den Zahn entkalkt und langsam auflöst. Es kommt zum fauligen Verfall der unter dem Belag liegenden Zahnsubstanz und damit zu einem kariösen Defekt. Solche Kariesherde muss schließlich der Zahnarzt beseitigen und die Löcher schließen. Aus der Plaque entsteht im Laufe der Zeit durch Anreicherung mit Kalksalzen Zahnstein, in dem ebenfalls säureproduzierende und damit zahnschädigende Bakterien sitzen. In Deutschland sind etwa 98 Prozent der Bevölkerung betroffen. Doch Karies ist nicht angeboren, sondern kann mit ein paar Regeln deutlich eingedämmt werden.

Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des zahnumgebenden Gewebes (Zahnhalteapparat). Etwa 40 Prozent
aller Erwachsenen jenseits der 35 Jahre weisen eine beginnende Parodontitis (Zahnbettentzündung) auf. Knapp zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung besitzen eine schwere Parodontitis an mindestens einem Zahn. Ab dem Alter von 50 Jahren ist die Parodontitis der häufigste Verursacher von Zahnverlust. Die Krankheit kann individuell sehr unterschiedlich verlaufen. Sie ist jedoch selten mit Schmerzen verbunden und schreitet meist nur langsam fort.

Schätzungsweise jeder 13. Bürger in Deutschland leidet an der Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus. In Europa ist Deutschland damit das Land mit der höchsten Erkrankungsrate.

Wird der Diabetes nicht erfolgreich behandelt, steigt das Risiko, einen Herzinfarkt, Schlaganfall, Nerven- oder Nierenfunktionsausfälle zu bekommen, deutlich an. Auch die Erblindung gehört zu den gefürchteten Komplikationen. Deshalb ist es ganz entscheidend, den Diabetes mellitus rechtzeitig zu entdecken und ihn konsequent zu behandeln, auch durch die Zahnärzte und Zahnärztinnen.

„Süßes Blut“ erfordert eine intensive Prophylaxe zur Erhaltung der Mundgesundheit und eine frühzeitige Therapie möglicher oraler Erkrankungen. Dabei ist es wichtig, dass man als Diabetiker regelmäßig zur zahnärztlichen Kontrolluntersuchung geht.

Was müssen Sie als Diabetiker für Ihre Mundgesundheit tun?

  1. Ihr Zahnarzt/Zahnärztin muss über Ihre Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ I / Typ II) informiert sein!

  2. Sie müssen unbedingt alle Ihre Medikamente in Ihrer Zahnarztpraxis angeben! Medikamente können Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben, die bei jeder Behandlung (auch Prophylaxe-Behandlung) beachtet werden müssen.

  3. Aktualisieren Sie die Anamnese-Angaben (Gesundheitsfragebogen) regelmäßig. Geben Sie auch Ihre aktuellen HbA1c-Werte („Blutzucker-Gedächtnis-Wert“) an.

  4. Kommen Sie regelmäßig zu den Recall- und Kontroll-Terminen. Ihre Allgemeingesundheit hängt eng mit der Mundgesundheit zusammen. Insbesondere beeinflussen sich Diabetes mellitus und Parodontitis gegenseitig negativ. Ohne einen gesunden Mund werden Sie Ihre Zuckererkrankung nicht unter Kontrolle haben.

  5. Besprechen Sie Ihre Diabetes-Diät-Vorgaben mit dem Prophylaxe-Team. Hier finden sich teilweise gegensätzliche Empfehlungen. Z.B. sind einige Zucker-Ersatzstoffe auch kariogen (kariesfördernd). Gemeinsam werden Sie Lösungen finden, mit denen Sie sowohl Ihrer Diät als auch der Mundgesundheit gerecht werden.

  6. Durch kariogene Lebensmittel, die zur Prävention der Unterzuckerung oftmals zwischendurch nötig werden, haben Sie ein erhöhtes Kariesrisiko. Mit guter Mundpflege Ihrerseits und engmaschigen Kontrollen durch den Zahnarzt/Zahnärztin können Sie diese „drohenden“ Zahn-Defekte verhindern.

  7. Die Parodontitis vermindert die Insulin-Wirkung. Als zuckerkranker Patient haben Sie ein um Faktor 3 erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu bekommen, die sich zudem schneller verschlechtert und schwerer zu therapieren ist. Machen Sie sich der Notwendigkeit der Prophylaxe und einer rechtzeitigen Therapie immer bewusst!

  8. Eine Parodontitis kann die Diabetes-Behandlung mit Insulin oder anderen Medikamenten erschweren und muss unbedingt therapiert werden. Eine erfolgreiche Therapie kann mit einer HbA1c- Wert-Verbesserung bis zu 10% „belohnt“ werden!

  9. Sehr selten „profitieren“ die Blutzucker-Werte nicht von einer Parodontitis-Behandlung. Daher soll immer parallel zu dieser Therapie eine engmaschige Laborkontrolle (HbA1c-Wert) beim Hausarzt durchgeführt werden. Die Zusammenarbeit von Hausarzt und Zahnarzt/Zahnärztin ist notwendig.

  10. Beachten Sie bei der Terminabsprache Ihren gewohnten Ess- und Medikamenten-Zeitplan. Versuchen Sie die Termine so kurz wie möglich zu halten und akzeptieren Sie es dafür, öfters zu kommen.

  11. Sollten Sie sich während einer Behandlung unwohl fühlen, sprechen Sie Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt oder das Praxisteam sofort an. Messen Sie Ihren Blutzucker oder lassen Sie sich ihn messen. Oft sind Zucker-Entgleisungen für Ihr Unwohlsein verantwortlich.

  12. Vermeiden Sie unbedingt eine Hypoglykämie (Unterzuckerung). Scheuen Sie sich nicht sofort - auch beim Zahnarzt - Traubenzucker einzunehmen, wenn Ihr Blutzuckerwert zu tief ist.

  13. Kontrollieren Sie regelmäßig die Angaben der Telefonnummern Ihrer Partner, Verwandten oder Bekannten, die im Notfall zu befragen und informieren sind.

Gemeinsam mit Ihrem Zahnarzt, dem Praxisteam und den behandelnden Hausärzten werden Sie Ihre Mundgesundheit und Ihren Diabetes mellitus optimal in den Griff bekommen!

Dr.med.CatherineKempf

Die Zahngesundheit in Deutschland hat sich in den vergangenen 30 Jahren enorm verbessert. Diese positive Entwicklung betrifft insbesondere Kinder im Grundschulalter, Jugendliche und junge Erwachsene. So kann alleine von 1997 bis heute bei Kindern ein Rückgang der Karies um rund 60 Prozent beobachtet werden. Zwölfjährige haben mittlerweile in 70 Prozent absolut gesunde Zähne.

Eine Erfolgsstory also, die auf die intensive Prophylaxe in der Zahnarztpraxis, in Kindergärten und Schulen sowie auf den Einsatz von Fluoriden in Zahnpasten zurückgeführt werden kann.

Häufigste chronische Kindererkrankung

Was uns Zahnärztinnen und Zahnärzten nach wie vor große Sorgen bereitet, ist aber die weiterhin relativ starke Verbreitung der „frühkindlichen Karies“ an den Milchzähnen. In einigen Regionen Deutschlands ist jedes fünfte Kind davon betroffen. Das Problem ist so groß, dass man hierfür sogar einen eigenen Krankheitsbegriff geprägt hat: „Early Childhood Caries“ (ECC). In einem Fachbeitrag heißt es: „Gegenwärtig gilt die frühkindliche Karies als häufigste chronische Erkrankung (fünfmal häufiger als Asthma, siebenmal häufiger als Heuschnupfen) im Vorschulalter und dominiert mit zum Teil massiver Gebisszerstörung des Gesamtkariesaufkommen bei Kleinkindern.“ Diese spezielle Zahnkrankheit ist dadurch gekennzeichnet, dass sie an den oberen Schneide- und Eckzähnen im Milchgebiss beginnt und dann von dort auf alle anderen Zähne übergreifen kann. Erste Anzeichen sind Zahnbelag (Plaque, Biofilm), Zahnfleischentzündungen und kreidig-weiße Veränderungen am Zahnschmelz dieser Milchzähne („White Spot“) – mit geübtem Blick leicht zu erkennen, wenn man die Oberlippe des Kindes mit dem Finger anhebt.

Risiko Nuckelflasche

Auch die Ursachen der frühkindlichen Karies sind durchaus bekannt: Übermäßiger Gebrauch der Nuckelflasche (insbesondere nachts) mit zucker- und säurehaltigen Getränken bei unzureichender Zahnreinigung. Suchen die Eltern mit ihrem Kind dann noch zu spät einen Zahnarzt auf, sind verheerende und nicht mehr reparable Zahnschäden im gesamten Gebiss vorprogrammiert – inklusive heftiger Schmerzen, eitriger Entzündungen und negativen Folgen auch für die bleibenden Zähne.

Spezielle Ratschläge zur Zahnpflege bei Kleinkindern

Damit Sie mit Ihrem Kind bei diesem Thema auf der sicheren Seite sind und Ihnen ein erfolgreicher Start in ein zahngesundes Leben gelingt, haben die Spezialisten für Kinderzahnheilkunde und präventive Zahnmedizin der Universität Greifswald die folgenden praktischen Tipps zur Verhinderung von Zahnkrankheiten im Kleinkindalter entwickelt (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Anja Treuner und Herrn Prof. Dr. Christian H. Splieth / Universitätsklinikum Greifswald, Abteilung für Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde):

Elf einfache Tipps zur Babyzahnpflege – so bleiben die Zähne gesund

  • Sobald Ihr Kind ein Jahr ist, lassen Sie es aus einer Tasse oder einem Becher trinken. Meist wird noch gekleckert – geben Sie Wasser, das macht keine klebrigen Flecken. Eine Trinklerntasse brauchen die meisten Kinder nicht. Wenn doch, dann nur einen Monat lang – dann weg damit!
  • Verzichten Sie auf die Gabe von zuckerhaltigen Getränken (insbesondere gesüßte Tees, Instanttees, Obstsäfte oder verdünnte Fruchtsäfte) aus der Nuckelflasche. Die Säfte enthalten viel Fruchtzucker und –säure, auch wenn „ohne Zuckerzusatz“ auf der Verpackung steht und sind damit schlecht für die Zähne. Nehmen Sie stattdessen ungesüßten Tee oder Mineralwasser.
  • Überlassen Sie Ihrem Kind die Nuckelflasche nicht zur „Selbstbedienung“. Das Trinken sollte zum Durstlöschen erfolgen und nicht als Nuckelersatz. Geben Sie Ihrem Kind die Nuckelflasche nicht zum Dauergebrauch oder in der Nacht.
  • Schon der erste Milchzahn sollte gepflegt werden: Beginnen Sie mit einer kleinen, weichen Zahnbürste. Wichtig ist das elterliche Putzen. Abends bitte eine erbsengroße Menge Kinderzahnpasta mit Fluoriden auf die Bürste geben. Die Fluoridtabletten sind dann nicht nötig. Nach dem Zähneputzen gibt es dann auch nicht Süßes mehr zu trinken oder zu essen.
  • Schauen Sie beim Zähneputzen immer wieder die Zähne Ihres Kindes genauer an. Schieben Sie die Oberlippe nach oben. Sind die Schneidezähne sauber oder ist Belag zu sehen? Achten Sie darauf, dass Sie beim Zähneputzen alle Zähne und alle Zahnflächen reinigen. Setzen Sie die Zahnbürste leicht schräg zum Zahnfleischsaum an und rütteln dann auf der Stelle.
  • Putzen Sie die Zähne des Kindes im Schoß eines Elternteils oder auf dem Wickeltisch.
  • Ab dem zweiten Geburtstag sollten die Zähne des Kindes morgens und abends mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta gereinigt werden.
  • Verwenden Sie zum Kochen und Salzen Speisesalz mit der Aufschrift „Fluorid“, wenn in Ihrer Familie ein hohes Kariesrisiko vorliegt – fragen Sie Ihren Zahnarzt. Kleinkinder sollten nicht zu viele Fluoridpräparate zu sich nehmen – Ihr Zahnarzt berät Sie.
  • Vermeiden Sie viele Zwischenmahlzeiten. Insgesamt reichen vier bis fünf Mahlzeiten am Tag.
  • Zahnfreundliche Süßigkeiten sind ein wunderbarer Ersatz zu den „herkömmlichen“ und verursachen keine Karies.
  • Zahnärztliche Vorsorge fängt schon bei den ganz Kleinen an. Vereinbaren Sie den ersten Zahnarzttermin, wenn Ihr Kind sechs Monate alt ist (mit Durchbrechen des ersten Zahns).

Weitere interessante und auch wissenschaftlich gesicherte Hinweise finden Sie auch bei folgenden Internetadressen:

  • www.daj.de (Deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Jugendzahnpflege)
  • www.dgzmk.de (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Button „Wissenschaft und Forschung“ / Leitlinien)

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

Rauchen, Übergewicht, falsche Ernährung und weitere Faktoren erhöhen das Risiko, eine Herz- und Kreislauferkrankung zu bekommen. Das sagt die Statistik. Auf den Einzelfall muss das nicht immer zutreffen. Dennoch wird der verantwortungsvolle Hausarzt seine Patienten vor solchen Gefahren warnen.

Bei Zahnkrankheiten wie Karies und Parodontitis ist es nicht anders. Zur besseren Abschätzung des individuellen Erkrankungsrisikos können bei der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung in der Zahnarztpraxis verschiedene Verfahren für die rechtzeitige Diagnose und die Krankheitsvorhersage (Prognose) zum Zug kommen:

  • Gründliche Untersuchung sämtlicher Zahnflächen mit starken Lichtquellen ggf. zusätzlich unter der Lupenbrille, dabei gilt den gefährdeten Zonen ein besonderes Augenmerk (siehe auch Patienteninformation "Weiße Flecken auf den Zähnen")
  • Darstellung und Bewertung erfahrungsgemäß kariesanfälliger Bereiche (Zahnzwischenräume) mit Durchleuchtung und mit speziellen Röntgentechniken
  • Sichtbarmachen von Zahnbelägen, beispielsweise durch Anfärben (siehe Abbildung)
  • Beurteilung der Mundhygienequalität an Hand von Messzahlen (Indizes)
  • Ermittlung der Fluorid- und Ernährungsanamnese

Eine zuverlässige Prognose hatte man sich anfangs auch von der sogenannten "Speicheldiagnostik" versprochen. Über die Bestimmung der Zahl von Kariesbakterien - hier insbesondere Streptokokkus mutans und Laktobazillen - im Mund und die produzierte Speichelmenge sowie dem Verhalten des Speichels gegenüber Säuren ("Pufferkapazität) wollte man Rückschlüsse auf die Häufigkeit einer zukünftigen Erkrankung ziehen.

Speicheltests alleine sind nicht aussagekräftig

Die zahnärztlichen Erwartungen an den neuen "Kariesrisikotest" wurden aber nur eingeschränkt erfüllt. Denn wissenschaftliche Untersuchungen zeigen folgendes: Speicheltests ohne Berücksichtigung weiterer Befunde (s.o.) sind unzuverlässig. Insbesondere sind bei einmalig durchgeführten Tests starke Schwankungen festzustellen. Zudem ist die Grenzziehung zwischen Normal- und Risikobereich der Messergebnisse nach wie vor ungeklärt.

Wiederholte Tests ermöglichen dem Zahnarzt aber eine bessere Einschätzung, welche individuellen Prophylaxeangebote für den jeweiligen Patienten sinnvoll sein können.

Weitere Informationen finden Sie beispielsweise auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): www.dgzmk.de 

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

Karies - die "Zahnfäule" - ist immer noch eine der verbreitetsten Zivilisationskrankheiten der westlichen Industrieländer. Früher war sie vornehmlich eine Erkrankung der Reichen, da Zucker ein teures Luxusgut war.

Man wusste noch nichts über die Entstehung und vermutete einen "Zahnwurm" als Ursache der gefürchteten Zahnschmerzen. Erst nach Gründung der ersten Rübenzuckerfabriken im Jahr 1800 wurde Karies in Europa allmählich zur Volkskrankheit.

Heute weiß man sehr genau, wie Karies entsteht. Aufklärung und weitere Vorsorgemaßnahmen bewirken, dass Neuerkrankungen seit einigen Jahren rückläufig sind, mit zunehmend großem Erfolg.

Das "Loch im Zahn"

Die "Zahnlöcher" entstehen durch häufigen Zuckerkonsum. Bakterien im Mund organisieren sich bei entsprechendem Nahrungsangebot zu fest auf den Zähnen haftenden Belägen. Sie errichten darauf ihren eigenen Lebensraum, den Biofilm. Bestimmte Mikroorganismen darin "verdauen" Zucker und scheiden nach einer gewissen Zeit Säuren aus.

Puffer im Speichel verhindern die sofortige Zahnzerstörung. Jedoch reicht die natürliche Abwehr bei unseren heutigen Nahrungsgewohnheiten nicht mehr aus: Die Säuren zerstören in immer stärker werdenden Attacken die Zahnhartsubstanz, Karies entsteht.

Zähne brauchen Zuckerpausen

Dabei ist es nicht wichtig, wie viel Zucker konsumiert wird, sondern wie häufig. Deswegen ist die Zwischenmahlzeit viel gefährlicher als der Nachtisch. Die meisten Zuckerimpulse werden durch unsere Trinkgewohnheiten verursacht. Säfte, Limonaden und Colagetränke mit circa 12% Zuckeranteilen sind auch in kleinen Schlückchen ausreichend für die allmähliche Zahnzerstörung.

Auch ganz wenig Zucker zwischendurch, wie etwa die Kaffeesüße oder das Lutschbonbon, geben der Bakterienwelt im Biofilm Energie, die schon in etwa einer halben Stunde zu einer Säureattacke führt. Deshalb sollte die Ernährung zwischen den Hauptmahlzeiten zahnfreundlich gestaltet werden.

Zahnhärtung durch Fluoride

Fluorid kann Karies reduzieren, das ist bekannt. Bis zum Jahr 1990 glaubte man, man könne die Zähne mit Hilfe von Fluoriden dauerhaft härten und sie dadurch schützen.

Heute ist bekannt, dass die erhöhte Widerstandsfähigkeit gegen Säureangriffe vergänglich ist. Denn Zähne befinden sich in einem dauerhaften Gleichgewicht zwischen allmählicher Entkalkung und Zuführung von Mineralsalzen an der Zahnoberfläche. Wird das Gleichgewicht durch zu viele Säureangriffe gestört, überwiegt die Entkalkung. Steht im Speichel reparierendes Fluorid zur Verfügung, gewinnt die Oberfläche und sie kann stabiler werden. Dabei reicht im Allgemeinen Fluorid in Zahnpasten sowie die Zufuhr mit angereichertem Speisesalz.

Fluorid kann also nicht nur schützen, sondern Kleinstlöcher sogar reparieren. Deshalb nutzt der Zahnarzt die Wirkung des Fluorids auf dem Zahn als zusätzliche Maßnahme.

Der Lebensraum Biofilm

Oberflächliche Zahnzerstörungen begünstigen den bakteriellen Lebensraum. Tiefzerstörte Zähne sind dabei ein Tummelplatz für säurebildende Bakterien. Deshalb ist die wichtigste Vorsorgemaßnahme bei aktiver Karies die Behandlung der bestehenden Löcher.

Früh vorsorgen macht besonders Sinn: Denn die kariesbildenden Bakterien werden nicht mit in den Mund geboren. Man infiziert sich damit, per Berührkontakt. So werden meist schon im Kleinkindalter Keime der Eltern durch Küsschen, Löffelablecken etc. auf das Kind übertragen. Haben die Erziehenden viele Karieslöcher, ist die Gefährdung besonders groß. Man hat nachgewiesen, dass Kinder eine wesentlich bessere Chance haben, kariesfrei durchs Leben zu gehen, wenn sie erst spät mit kariesverursachenden Bakterien in Berührung kommen.

Vorsorge hilft

Vorbeugen kann man durch:

  • konsequente Zahnpflege ein Zahnleben lang, angefangen beim ersten Milchzahn
  • Reduzieren der kohlenhydrat- und insbesondere der zuckerhaltigen Nahrungsmittel und Getränke auf wenige Impulse am Tag (denn nicht die Menge, sondern die Häufigkeit der Zuckernahrung fördert Karies)
  • häusliche Zahnhärtungen mit fluoridierter Zahncreme und mit fluoridiertem Speisesalz
  • regelmäßige professionelle Zahnreinigungen mit anschließender Intensivfluoridierung, um den Lebensraum der Bakterien zu verringern
  • regelmäßige zahnärztliche Untersuchungen und frühzeitige Zahnbehandlungen, falls sie nötig werden

Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Schöne Zähne, weiße Zähne, glatte Zähne, gerade Zähne, gesunde Zähne – um all dies kümmert sich der Zahnarzt. Er ist als Zahn-Arzt Spezialist für alle Erkrankungen der Mundhöhle und weiß, welche Folgen kranke Zähne auf den ganzen Körper haben. Bleiben Karies und Parodontitis unbehandelt, können sich Bakterien durch die neue Eintrittspforte im Körper weiter ausbreiten.

Beispiel Karies

Bakterien zerstören die äußeren Zahnschichten und erreichen dann das durchblutete Zahnmark. Bleibt das Zahnloch unbehandelt, stirbt das Zahnmark ab und durch die Entzündung löst sich der Knochen an der Wurzelspitze auf. Später folgen eitrige Gesichtsschwellungen, die sich gefährlich bis in die Kieferhöhle oder die Halsregion ausdehnen können.

Beispiel Parodontitis

Bakterielle Beläge zerstören nicht nur die Zähne, sondern entzünden auch das Zahnfleisch. Ignoriert man dies, kann sich die noch kleine Wunde auf den Zahnhalteapparat mit Wurzelzement, Haltefasern und Knochen ausbreiten und wird somit zur Parodontitis. Addiert man bei einer ausgeprägten Parodontitis alle Wundflächen, summiert sich die Größe leicht auf die Fläche einer ausgewachsenen Männerhand. Das Wort „Entzündung“ sagt es schon: So wie aus einer kleinen Streichholzflamme ein großer Brand entstehen kann, löst ein kleiner Herd im Körper weitere Schäden aus, falls das Immunsystem - die körpereigene „Feuerwehr“ - nicht Schlimmeres verhindert. Deshalb steigt das Risiko für Herzkreislauferkrankungen (Arteriosklerose, Herzmuskelentzündungen und Infarkte) um das Dreifache, Atemwegserkrankungen können ausgelöst oder verschlimmert werden, ein bestehender Diabetes kann verstärkt werden und das Risiko einer Schwangeren, eine Frühgeburt zu erleiden, wächst auf das Siebenfache an.

Die Ursache für Mundgeruch liegt nur selten im Magen, sondern zu 90 Prozent im Mund- und Rachenraum. Meist sind Zahnfleischerkrankungen und schlechte Mundhygiene verantwortlich. Unzureichende Hygiene und schlechter Sitz von herausnehmbarem Zahnersatz begünstigen Pilzerkrankungen.

Zähne sind Teamspieler

Zähne spielen nur im Team zusammen. Jeder Zahn hat seine Aufgabe und sogar jede Neigung und Wölbung auf den Kauflächen hat von der Natur ihre eigens zugewiesene Funktion. Man stelle sich ein Zahnrad vor, bei dem eine Zacke fehlt. Eine Fehlverzahnung entsteht zum Beispiel durch Fehlstellungen, Zahnverlust oder übergroße Füllungen und führt am Ende zu Überlastungen der Kaumuskeln und des Kiefergelenks. Erste Anzeichen sind Verhärtungen der Kaumuskulatur. Unbehandelt macht sich später das Gelenk oft durch Knackgeräusche bemerkbar. Auch Kopfschmerzen, besonders in der Schläfenregion, sind typische Symptome. Wegen der engen Nachbarschaft zum Ohr kann das kranke Gelenk sogar Ohrenschmerzen vortäuschen oder unangenehme dauerhafte Nebengeräusche (Tinnitus) herbeiführen. Man nimmt an, dass heute ca. jede vierte Tinnituserkrankung durch Kiefergelenkprobleme ausgelöst wird.

Können die Zähne ihre Hauptfunktion, die Nahrungsaufnahme, nicht mehr zufriedenstellend ausführen, ändern sich die Ernährungsgewohnheiten entsprechend und es folgen Magen- und Darmprobleme mit Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit. Eine weitere wichtige Aufgabe der Zähne ist die Kommunikation, denn die Zähne sind für Aussprache mit verantwortlich und beeinflussen maßgeblich das äußere Erscheinungsbild.

Zahnarzt erkennt auch Allgemeinerkrankungen

Viele Allgemeinerkrankungen sieht der Zahnarzt als erster. Z. B. Leukämie und Aids erkennt der Zahnarzt frühzeitig an den Mundschleimhäuten. Auch Vorstufen von bösartigen Mundschleimhauterkrankungen kann der Zahnarzt rechtzeitig diagnostizieren und somit Leben retten.

Zähne sind wertvolle Körperteile. Regelmäßige Untersuchungen und frühzeitige Behandlungen sind ein wesentlicher Bestandteil der allgemeinen Gesundheitsvorsorge.

 Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Die Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparates und entsteht meist erst nach dem 30. Lebensjahr. Unbehandelt führt sie dann später oft zum Zahnverlust. Das tatsächliche Geschehen ist ein komplizierter, krankhafter Vorgang und lässt sich vereinfacht so beschreiben:

Der Speichel wird mit Bakterien besiedelt, sobald er die Speicheldrüsen verlässt. 60 Millionen Bakterien pro Milliliter Speichel sind normal. Gesundes Zahnfleisch bildet eine dichte Manschette, so dass diese Bakterien nicht direkt in die Blutbahn gelangen können. Bilden sich feste Beläge auf den Zähnen, besonders am Zahnfleischrand, so setzen sich einige dieser Mundbakterien in diesen Belägen fest. Und hier beginnt der Körper, sich zu wehren: Das Immunsystem wird aktiviert, das Zahnfleisch schwillt leicht an, blutet etwas bei Berührung, und die Farbe wechselt von blassrosa zu rot. Dies ist noch keine Parodontitis, sondern eine noch relativ harmlose Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Der bakterielle Angriff auf den Körper wird durch das Immunsystem in Schach gehalten, es besteht also noch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angriff und Abwehr.

Die Behandlung ist in diesem Stadium relativ einfach: Werden die fest in den Belägen organisierten Bakterien durch zahnärztliche Betreuung entfernt (professionelle Zahnreinigung) und verhindert der Patient durch gezielte Pflege die Neubesiedelung, ist der alte Zustand wieder erreicht: Die Schwellung geht zurück, es blutet nicht mehr, und die Farbe ist wieder die Alte. Es ist auch kein Knochen verloren gegangen, denn der wurde erst gar nicht betroffen.

Erst wenn das Gleichgewicht zwischen Angriff und Abwehr dauerhaft gestört ist, entsteht die Parodontitis. Will heißen: Die Immunabwehr reicht nicht mehr aus, weil entweder zu viele oder zu aggressive Bakterien in den Belägen sind, oder das Immunsystem ist wegen einer zeitweisen oder dauerhaften Überforderung des Körpers geschwächt. Dann reicht die Abwehr nicht mehr aus, die Bakterien können den Zahnhalteapparat mit dem umliegenden Knochen ungebremst besiedeln. Ab dann befindet sich der Körper im „Alarmzustand“, um den Schaden zu begrenzen. So wie man mit einem kleinen Streichholz letztlich einen Waldbrand entfachen kann, falls das Feuer nicht rechtzeitig zu löschen ist, versucht der Körper, die Entzündung zu „löschen“. Kleine „Opfer“ nimmt er dabei in Kauf. Der infizierte Knochen wird dauerhaft abgestoßen und in seine Grundbestandteile zerlegt. Übrig gebliebene Kristalle bilden sich auf den jetzt freiliegenden Zahnhälsen zu hartnäckig klebenden Konkrementen, auf denen weitere Bakterien einen idealen Lebensraum finden. Die Zähne werden allmählich „länger“ und es entsteht eine dauerhafte Wunde, solange die Ursache der Entzündung nicht beseitigt ist.

Behandlung

Eine Behandlung ist nun dringend erforderlich. Früher haben Zahnärzte die taschenförmigen Wunden einfach weggeschnitten. Heute ist das Ziel der Behandlung weniger eingreifend, weil die Forschung die Ursachen der Erkrankung weitestgehend erkannt hat. Bleibt man dabei, sich die Tasche als Wunde vorzustellen, ist es naheliegend, die Parodontitisbehandlung ähnlich wie eine Wundreinigung zu organisieren. Niemand käme auf die Idee, eine großflächige Wunde mit einer Drahtbürste zu reinigen. So auch bei der Parodontitis: Die Zahnfleischtasche wird mehrfach sanft gereinigt – immer so wenig, dass die Wunde langsam kleiner werden kann und nicht zu fest, damit die Wunde nicht aufreißt. Mehrmalige Professionelle Zahnreinigungen in Folge sollen den Schaden eindämmen.

Danach misst der Zahnarzt die Taschentiefen und beurteilt den bisherigen Erfolg. Manchmal ist keine weitergehende Behandlung nötig, manchmal doch. Die typische Parodontitisbehandlung setzt heute erst danach ein: Unter Betäubung werden verbleibende Konkremente entfernt, die freiliegende Wurzeloberfläche wird geglättet, eventuell werden oberflächlich gelegene Entzündungen ausgeschält. Operative Maßnahmen, falls sie überhaupt noch nötig sind, finden erst zu einem späteren Zeitpunkt statt. Dabei können auch Knochenersatzmaterialien oder spezielle Proteine, die teilweise neuen Wurzelzement bilden können, verwendet werden.

Nachsorge

Ein Parodontitispatient benötigt ein Leben lang regelmäßige Nachsorge. Denn die neu entstandene Zahnfleischoberfläche bleibt anfällig für Neuerkrankungen. Professionelle Zahnreinigungen sind in kürzeren Abständen erforderlich als bei Patienten, die lediglich eine oberflächliche Zahnfleischentzündung entwickelt hatten.

Wenige Patienten entwickeln eine Parodontitis schon sehr früh, einige schon im jugendlichen Alter. Meist sind seltenere aggressive Bakterien dafür verantwortlich, manchmal auch ein generell geschwächtes Immunsystem. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle.

Schwangerschaft und Allgemeinerkrankungen

In der Schwangerschaft ist die Parodontitis häufiger anzutreffen. Der Grund ist das reduzierte Immunsystem, das deshalb nicht auf Hochtour läuft, um das ungeborene Leben nicht zu schädigen. Nun reicht eine relativ kleine Bakterienzahl aus, um Parodontitis entstehen zu lassen. Der Zahnarzt kann aber nur die bakterielle Seite des Gleichgewichtes Immunangriff/-abwehr beeinflussen. Deshalb sind professionelle Zahnreinigungen in der Schwangerschaft häufiger notwendig, um so das Gleichgewicht wieder herzustellen. Ähnlich bei Diabetes und Rauchern: Die kleinen Blutverästelungen am Zahnfleischsaum sind geschädigt und nur wenige weiße Blutkörperchen können an den Ort des Geschehens gelangen. Das Immunsystem kann deshalb nur teilweise Wirkung zeigen.

Warum kann Parodontitis Allgemeinerkrankungen verursachen?

Addiert man bei einer ausgeprägten Parodontitis alle Wundflächen, erhält man manchmal die Größe einer ganzen Handfläche. Deswegen verdreifacht sich das Herzkreislauferkrankungsrisiko (Arteriosklerose, Herzmuskelentzündungen und Infarkte), eine Diabeteserkrankung kann entgleisen, Atemwegserkrankungen können ausgelöst oder verschlimmert werden und das Risiko einer Schwangeren, eine Frühgeburt zu erleiden, versiebenfacht sich.

 Dr. med. dent. Jürgen Zitzen

Eine Zahnbetterkrankung (Parodontitis) hat auch Auswirkungen auf Allgemeinerkrankungen. Diese Auswirkungen sind wissenschaftlich nachgewiesen. Dies gilt für einen Zusammenhang bei Frühgeburten, eine Infektionen der Atemwege, die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) sowie der Koronaren Herzkrankheit (KHK) und den Schlaganfall.

Die Parodontitis, Zahnbetterkrankung, zählt zu den häufigsten Erkrankungen weltweit. Sie ist gekennzeichnet durch eine lokalisiert oder generalisiert auftretende Entzündung im Zahnfach. Ein Abbau des Kieferknochens verläuft parallel. Die Zähne werden locker, es können sich kleine Abszesse am Zahnfleisch bilden.

 

Wie hoch wird das Risiko beschrieben?

Arteriosklerose ist die häufigste Erkrankung der Blutgefäße. Bei einem Befall der Herzkranzarterien spricht man von einer Koronaren Herzkrankheit (KHK). Beim Befall der Hirnarterien steigt das Risiko des Schlaganfalls. Es kommt in diesen Fällen zu einer Gefäßwandverhärtung mit Elastizitätsverlust sowie zu einer Verengung des Gefäßdurchmessers. Dabei erhöht sich das Risiko einer Erkrankung im Vergleich zu einem Gesunden um das folgende Verhältnis:

  • Bei Paradontitis 1,25-fach
  • Bei schwerer Parodontitis 1,5-fach
  • Bei Patienten unter 50 Jahren mit Paradontitis 1,72-fach
  • In Bezug auf den Tod des Patienten 1,9-fach
  • In Bezug auf das Gesamtrisiko beim Schlaganfall 2,8-fach

Wie werden die Zusammenhänge gesehen?

Beim Zähneputzen oder Kauen gelangen Keime in den Körperkreislauf. Als Infektionskrankheit ist die entzündliche Veränderung im Zahnhalteapparat, im Parodont, eng mit verschiedenen Bakterienarten verbunden. Molekularbiologisch wurde die Ausbreitung der Keime in die Blutbahn mehrfach nachgewiesen. Bei etwa 35 bis 40 Prozent der Patienten mit Parodontitis und KHK findet man entsprechende Keime in arteriosklerotischen Plaques, also Belagen in den Blutgefäßen. Die entzündungsunterstützenden Substanzen spielen vermutlich eine wesentliche Rolle. Ihre Freisetzung im Rahmen einer akuten Parodontitis kann in den Gefäßen das Erststadium einer Gefäßwandverletzung bewirken. Von einigen Bakterien (zum Beispiel Streptococcus sanguis) ist bekannt, das sie eine Verklumpung der Blutplättchen auslösen können.

Kann ich als Patient das Risiko einer Herzerkrankung oder eines Schlaganfalls auch von zahnmedizinischer Seite verhindern?

Eine Verbesserung der Mundhygiene ist dabei unumgänglich. Man sollte seinen Zahnarzt über allgemeinmedizinischer Vorbelastung informieren. Mit besonderen Untersuchungen lässt sich die Diagnose Parodontitis sicher diagnostizieren. Eine Parodontitis kann aber behandelt werden. Zur Vorbehandlung zählt je nach Diagnose zum Beispiel auch eine professionelle Zahnreinigung. Die systematische Parodontalbehandlung gehört in weiten Teilen zur Leistung der Gesetzlichen Krankenkasse. Ein engmaschiges Recall ist unumgänglich. Eine Zusammenarbeit mit dem betreuenden Hausarzt oder Kardiologen sollte angestrebt werden.

Dr. med. Peter Minderjahn

„White spot“ (weißer Fleck) klingt harmlos, sieht auf den ersten Blick auch ungefährlich aus, ist es aber nicht. Zahnärzte verstehen darunter kreidig-weiße Veränderungen im Zahnschmelz, die das Frühstadium einer Karies signalisieren.

Die Oberfläche des Zahnschmelzes sieht normalerweise genauso glänzend aus wie Porzellan, an solchen vorgeschädigten Stellen ist sie aber stumpf und fühlt sich auch rau an. Dies sind säurebedingte Entkalkungszonen. Der Schmelz, der zu 96 Prozent aus anorganischen Substanzen besteht und als härteste Substanz des ganzen Körpers gilt, ist nicht mehr intakt. Mineralien sind herausgelöst und Fachleute sprechen deshalb von einer „Tiefenentkalkung“.

Die für diese Schäden verantwortliche Säure produzieren die Kariesbakterien im Zahnbelag (früher: „Plaque“, heute: „Biofilm“), der sich bei unzureichender Zahnhygiene oder falscher Zahnputztechnik in bestimmten Zonen des Zahnes ansammelt. Kommt noch ein über den Tag verteilter, häufiger Zuckerkonsum hinzu, entwickelt sich in diesem Bakterienrasen ein explosives Gemisch. Häufig betroffen ist die Region am Übergang zum Zahnfleisch, am sogenannten „Zahnhals“. Der Zahnschmelz bildet gerade in diesem besonders gefährdeten Bereich nur eine ganz dünne Schutzschicht von weniger als 1 mm.

Heilung möglich

Der White spot ist also die erste Stufe einer beginnenden Karies, übrigens auch bei den Milchzähnen. Wird diese Schädigung rechtzeitig erkannt, ist in dieser Phase noch eine vollkommene Heilung möglich. Nach gründlicher und nachhaltiger Entfernung sämtlicher Zahnbeläge können die im Speichel vorhandenen Mineralien den Defekt reparieren. Die zusätzliche Anwendung von Fluorid – am besten gezielt vom Zahnarzt aufgetragen – fördert und beschleunigt diesen Heilungsprozess. Der tägliche Zuckerkonsum sollte zudem eingeschränkt werden, um Bakterien gar nicht erst Nahrung zu bieten.

Vorbeugen sinnvoll und denkbar einfach

Der Faktor Zeit spielt also eine entscheidende Rolle. Es gilt, die beginnende Zerstörung des Zahnschmelzes möglichst früh zu erkennen, die Ursachen zu beseitigen und eine Behandlung (absolut schmerzfrei und ohne „Bohren“) durchzuführen. Deshalb gilt nach wie vor die zahnärztliche Empfehlung: Mindestens zweimal pro Jahr routinemäßig zur Zahnvorsorgeuntersuchung gehen! Zahnärzte und speziell ausgebildete Prophylaxemitarbeiterinnen kennen die Gefahrenzonen, erkennen White spots – z.B. bei Durchführung einer professionellen Zahnreinigung – und handeln sofort, um das Fortschreiten der Karies zu unterbinden. Sind die Bakterien erst einmal so tief in den Zahnschmelz eingedrungen, dass ein regelrechter Defekt entstanden ist, gibt es keinen Weg zurück: Der Zahn muss gefüllt werden, um ihn zu erhalten. Das kann man sich bei Beachtung der o.g. Empfehlungen auf jeden Fall ersparen.

Dr. med. dent. Dirk Erdmann

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Informationen für Diabetiker und Tipps für den Zahnarztbesuch
Behandlungen und Kosten
Service

Frühkindliche Karies, oder auch Nuckelflaschenkaries, ist ein zunehmendes Problem. Zu viele Kleinkinder haben bereits stark zerstörte Zähne. Die Bundeszahnärztekammer hat daher gemeinsam mit dem Deutschen Hebammenverband einen textfreien Comic zur Zahnpflege und Mundgesundheit bei Kleinkindern herausgegeben. Der Comic richtet sich an alle jungen Eltern. Durch den sparsamen Gebrauch von Worten wird er auch von denen verstanden, die nicht gut oder gerne lesen.

Seit dem 1. Juli 2018 gilt die EU-Quecksilberverordnung. Danach darf Dentalamalgam nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen von Milchzähnen, von Kindern unter 15 Jahren und von schwangeren oder stillenden Patientinnen verwendet werden. Für die Behandlung der genannten Patientinnen und Patienten muss regelmäßig ein alternatives plastisches Füllungsmaterial gewählt werden, das dauerhaft haltbar und erprobt ist und dem Stand der Wissenschaft entspricht.

Die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) hat zu dem Thema einen Katalog mit wichtigen Fragen und Antworten erarbeitet, um Patientinnen und Patienten über die neuen Vorgaben, Ausnahmen von diesen Vorgaben und Behandlungsmöglichkeiten bei Zahnfüllungen zu informieren. Die Auflistung gibt unter anderem Auskunft darüber, welche Alternativen zu Dentalamalgam in der Füllungstherapie verfügbar sind und welche Leistungen gesetzliche Krankenkassen übernehmen.

Der Frage- und Antwortkatalog kann auf der Website der KZBV unter www.kzbv.de/eu-quecksilberverordnung abgerufen werden. Auch die aktualisierte KZBV-Patienteninformation „Zahnfüllungen – Was Sie als Patient wissen sollten“ ist dort zum kostenlosen Download verfügbar oder kann als gedruckte Broschüre bestellt werden.

Patientinnen und Patienten in NRW stehen im Patientenwegweiser des Patientenbeauftragten für Nordrhein-Westfalen unterschiedliche Informations-, Beratungs- und Selbsthilfeangebote zur Verfügung.

Das umfangreiche Adressverzeichnis soll dazu beitragen, die Suche nach geeigneten Ansprechpartnerinnen und -partnern zu vereinfachen.

Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e. V. (DG PARO) hat zusammen mit der Universität Greifswald einen Selbsttest entwickelt und validiert, mit dem Sie Ihr eigenes Risiko für das Vorliegen einer Parodontitis einfach einschätzen können.

Zum Test

Für Patienten wurde eigens eine Telefon-Hotline eingerichtet. Diese erreichen Sie mittwochs in der Zeit von 14.00 bis 17.00 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 / 52 60 500. Dort beantworten Zahnärzte Ihre Fragen rund um die zahnärztliche Behandlung.

Das Bilderbuch „Zahnbande“ begeistert schon seit Herbst 2016 Kinder und Erwachsene. Jetzt kommen Abenteuer, Spiele und spannende Infos über gesunde Zähne mit allen Mitgliedern der Zahnbande auch ins Internet. Auf „zahnbande.de“ präsentiert die Initiative proDente für 5- bis 12-Jährige kleine Geschichten, Filme, Spiele, Animationen und Ausmalbilder.

Natürlich geht es um Zähne und was die Beißerchen so alles leisten. Also Essen, Trinken und beim Sprechen helfen. Auch Zähneputzen und der Besuch beim Zahnarzt dürfen nicht fehlen. Doch wichtiger als Belehrungen sind Geschichten und Figuren, die Kinder und deren Phantasie ansprechen. Auch ein Menüpunkt mit Spielen, Geschichten und Ausmalbildern darf nicht fehlen. Und wie herrlich schrill ein Bohrer klingt hören die Kids auch.

www.zahnbande.de

Kontakt
Patientenberatungsstelle

Patientenberatungsstelle der Zahnärztekammer Nordrhein

Telefon-Hotline für Patienten mittwochs von 14.00 bis 17.00 Uhr

Postfach 10 55 15
40046 Düsseldorf
0800 / 52 60 500 (Mi 14-17 Uhr)
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