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„Man muss nicht alles können – aber die richtigen Leute kennen“

Dr. Daniela Meusch spricht offen über Finanzierung, Planung, Vereinbarkeit und die Bedeutung guter Partner – und teilt ihre wichtigsten Erfahrungen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.


Frau Dr. Meusch, Sie befinden sich gerade mitten in der Praxisübernahme. Was hat Sie dazu motiviert, diesen Schritt zu gehen?

Dr. Daniela Meusch: Ich wollte schon lange selbstständig arbeiten – aber der konkrete Impuls kam, als sich die Gelegenheit ergab, eine bestehende Praxis in meiner Wunschregion zu übernehmen. Die Praxis liegt im Kreis Düren, einer ländlichen Region, die eher zu den zahnmedizinisch unterversorgten Regionen gehört. Für mich war klar: Wenn ich die Möglichkeit habe, mich hier niederzulassen, dann möchte ich das tun. Gerade auf dem Land hat man als Zahnarzt ein anderes Standing – das schätze ich sehr.

Welche Fragen und Themen haben sich bei der Übernahme ergeben?

Meusch: Die Finanzierung war ein zentrales Thema – und ehrlich gesagt: ziemlich schwierig. Man spricht das erste Mal mit einem Steuerberater, schaut sich BWA-Zahlen an, aber man weiß trotzdem nicht genau, ob man sich das wirklich leisten kann. Auch die Wahl der Bank ist entscheidend – nicht alle arbeiten z. B. mit Sondertilgungen. Und dann ist da dieser Zeitdruck, weil alles Vorlauf braucht.

Außerdem steht bei mir ein Umbau und eine Erweiterung der Praxis an. Ich habe mich bewusst für eine Architektin entschieden, die auf Zahnarztpraxen spezialisiert ist. Die kennt die typischen Stolperfallen – wo der Bestandschutz aufhört und neue Regelungen umgesetzt werden müssen. Dieses Fachwissen ist essenziell.

Sie erwähnten bereits Berater und Partner – wie wichtig sind diese im Gründungsprozess?

Meusch: Enorm wichtig! Man kann nicht alles selbst wissen – deshalb braucht man Partner, die sich auskennen. Wichtig ist aber, dass man sich früh genug kümmert und dabei kritisch bleibt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass manche Berater sehr eng mit bestimmten Dienstleistern arbeiten. Da fühlte ich mich eher fremdgesteuert. Heute setze ich lieber auf Empfehlungen aus meinem persönlichen Umfeld, von Kollegen und Freunden, die selbst schon eine Praxis übernommen haben.

Welche Herausforderungen erleben Sie aktuell?

Meusch: Die Zeitplanung ist eine echte Herausforderung. Ich bin seit Anfang 2025 in der Vorbereitung – das ist jetzt etwa ein halbes Jahr her. In den letzten drei Monaten wurde es richtig intensiv. Viele Dinge lassen sich erst umsetzen, wenn bestimmte Verträge unterschrieben sind – aber gleichzeitig hängt man davon ab, wann Anwälte oder andere Beteiligte Zeit haben. Das verzögert vieles.

Außerdem ist es nicht zu unterschätzen, dass man in der Übergangszeit alle Patienten ganz normal weiterbehandelt – plus die gesamte Organisation der Übernahme. Die To-Do-Liste ist lang. Und dann gibt es natürlich auch persönliche Zweifel – mein großer Sohn hat mich gefragt: „Du willst die Praxis übernehmen – kannst du das?“ Und ich habe ehrlich gesagt: „Ich weiß es nicht.“ Das gehört auch dazu.

Sie haben zwei Kinder. Welche Rolle spielt das Thema Vereinbarkeit für Sie als Gründerin?

Meusch: Natürlich ist das ein Thema. Meine Kinder sind drei und fünf Jahre alt. Ohne die Unterstützung meines Partners wäre das in dieser Form nicht machbar. Er trägt das alles mit – das ist Gold wert. Ich denke schon, dass Frauen andere Rahmenbedingungen brauchen – sei es flexible Arbeitszeiten oder auch Unterstützung bei der Kinderbetreuung. Aber am Ende ist es immer eine individuelle Entscheidung.

Wo wünschen Sie sich mehr Unterstützung für Praxisgründerinnen und -gründer?

Meusch: Mehr Transparenz wäre hilfreich – gerade bei den finanziellen Themen. Man braucht ein besseres Gefühl dafür, was realistisch ist. Und man sollte früher mit der Planung und Beratung anfangen – idealerweise noch vor dem ersten Gespräch mit der Bank.

Welche Unterstützungsangebote haben Sie genutzt?

Meusch: Ich habe ein Niederlassungsseminar der Zahnärztekammer Nordrhein besucht – das war wirklich hilfreich. Es hat mir einen strukturierten Überblick gegeben und viele Fragen beantwortet, die man sich sonst mühsam zusammensuchen müsste.

Nutzen Sie auch digitale Kanäle zur Information?

Meusch: Ich lese regelmäßig Fachzeitschriften wie das RZB, aber auch Newsletter und informiere mich auf Social Media. Gerade bei Instagram bekommt man oft gute Einblicke in den Praxisalltag von Kolleginnen und Kollegen.

Glauben Sie, dass es Gründerinnen hilft, andere Gründer zu sehen?

Meusch: Auf jeden Fall! Es gibt so viele Dinge, die man erst versteht, wenn man sie bei jemand anderem erlebt. Ich finde es motivierend zu sehen, wie andere den Weg gegangen sind – inklusive der Herausforderungen.

Autorinnen: Verena Lehnen und Anna Telgen

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@zahnaerztekammernordrhein

Zahnärztekammer Nordrhein

Kontakt

Kristina Galyo

02131 / 53119 336

galyo@zaek-nr.de